Tipps zum Autokauf:

Handschriftlich statt Kleingedruckt

Vertrag ist Vertrag! Ja und nein, denn der Gesetzgeber schützt Verbraucher auch vor der Macht der Unternehmen. Matthias Lanin sprach mit den Juristen Matthias Wins von der Verbraucherzentrale des Landes Mecklenburg-Vorpommern über Verträge bei Autokäufen.

Ein korrekter Kaufvertrag regel im Falle eines Falle alle Streitfragen nach dem Autokauf.
ADAC Ein korrekter Kaufvertrag regel im Falle eines Falle alle Streitfragen nach dem Autokauf.

Wie viele Verbraucher melden sich bei Ihnen, die Sorgen mit Kaufverträgen haben?

Im Land Mecklenburg-Vorpommern ist das durchschnittlich einer pro Tag.

Und was sind die üblichen Probleme, mit denen diejenigen dann zu Ihnen kommen?

Das Häufigste ist, dass ein Schaden aufgetreten ist und die andere Seite weigert sich, diesen zu beheben. Dann kommen die Verbraucher zu uns und fragen, muss der denn das Getriebe reparieren oder den Austausch finanzieren, als Beispiel. Die Frage ist dann oft, habe ich noch Gewährleistung oder Garantie?

Welche hat man?

Also im Prinzip hat man erst mal zwei Jahre, wenn nichts Anderes aus den Unterlagen ersichtlich ist. Beim Neuwagen wäre jede vertragliche Einschränkung sowieso unwirksam. Beim Gebrauchten war es ja früher so, dass die Gewährleistung auf Null gedrückt werden konnte. Also: Gekauft wie besichtigt. Dann hat der Gesetzgeber das geändert und gesagt, auch für Gebrauchte kann die Gewährleistung nicht mehr auf Null gesetzt werden.

Das mochten die Händler nicht, nehme ich an.

Ja, es gab einen Aufschrei. Das kann doch nicht sein, dass ich bei so einer alten Gurke auch noch Gewährleistung geben muss. Da verdiene ich ja gar kein Geld mehr. Deshalb muss die Art des Fahrzeugs und auch die Gesamtumstände berücksichtigt werden.

Haben Sie ein Beispiel?

Eines aus der Praxis, ja. Eine Trabi mit 300000 Kilometern für fünfzig Euro verkauft. Da ist die Gewährleistung praktisch bei Null, weil alles normal verschlissen ist. Davon kann man in dem Fall ausgehen.

Sind Verschleißteile nicht sowieso von einer Gewährleistung ausgenommen?

Nein, das führt viele Verbraucher in die Irre, denn ein Autofachmann oder ein Ingenieur wird Ihnen bestätigen, dass alles an einem Auto Verschleißteil ist, weil es mit den Jahren abnutzt. Auch die Karosserie wird irgendwann weich. Im Kern ist hier aber gemeint, dass ich nichts mehr verlangen kann oder zu erwarten habe, wenn das Ding seine normale Lebensdauer überstanden hat. Luftfilter oder Ölfilter könnte man sonst während der Gewährleistung mehrfach beanstanden. Das wäre Unsinn.

Laut Gesetz lässt sich die Gewährleistung nun nur noch auf ein Jahr herunterdrücken?

Genau. Und die Beweislast kippt nach dem ersten halben Jahr. Wobei die ja bei den Gebrauchten keine entscheidende Rolle spielt. Die Hauptfrage ist wirklich meistens, ob ein sogenanntes Verschleißteil noch innerhalb seiner normalen Lebensdauer kaputt ging oder nicht.

Und was ist relevant? Mich könnte ein abblätternder Lack stören und der Verkäufer sagt, das stört Sie doch beim Fahren nicht.

Hmm, das genau ist mit den Begleitumständen gemeint, die bei Gericht eine Rolle spielen. Um zum Trabi zurückzukommen: Ein S-Klasse Mercedes, zwei Jahre alt, 10000 Kilometer gelaufen. Wer so ein Auto verkauft, kann die Gewährleistung zwar auch auf ein Jahr beschränken, ist aber innerhalb dieses Jahres praktisch für alles heranzuziehen. Wenn sich also in dem Fall Lackmängel zeigen sollten, dann kann der Verbraucher wie bei einem Neuwagen seine Ansprüche geltend machen.

Was sollte in einem Kaufvertrag auf keinen Fall drin stehen?

Vielleicht eher, was ist, wenn es drin steht. Zum Beispiel „unter Ausschluss jeder Gewährleistung“ oder „gekauft wie gesehen“, was früher praktisch immer drin stand. Dann muss einen das nicht allzu sehr bedrücken. Es sollte beim Käufer aber Zweifel verursachen in die Seriosität des Händlers. Rechtlich gesehen ist es nicht schlimm, weil es unwirksam ist.

Wird der ganze Vertrag dadurch unwirksam?

Nein, nur die Klausel. Es gelten in dem Fall die ganz normalen gesetzlichen Vorschriften.

Also ist der Verbraucher gesetzlich gut geschützt?

Richtig.

Wie umfangreich darf ein Vertrag sein?

Das Kleingedruckte ist zu 99 Prozent für den Verbraucher ungünstig, weil der Verkäufer die Geschäftsbedingungen natürlich nicht zur Freude der Kunden macht.

Ist ein handschriftlicher Vertrag gültig?

Nicht nur gültig, sondern wertvoller. Weil das handschriftlich Hinzugefügte als Individualvereinbarung zählt und diese hat immer Vorrang vor dem Recht.

Welchen Tipp haben Sie an jemanden, der sich ein Auto kaufen möchte?

Sehen Sie bei den Autoklubs nach! Dort gibt es Musterverträge, mit denen Sie Ihren Vertrag vergleichen können.

 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung