Selbstversuch:

Mein erstes Mal am Trabi-Steuer

Trabi fahren – für viele junge Leute ein Buch mit sieben Siegeln. Zu alt, zu laut, und zu gefährlich. Maria Hantschmann hat trotzdem den Selbstversuch gewagt.

Maria Hantschmann zum ersten Mal am Steuer eines Trabanten.
Birgit Langkabel Maria Hantschmann zum ersten Mal am Steuer eines Trabanten.

Ich liebe Auto fahren. Für mich ist das Entspannung pur, und den Stauraum und die Beinfreiheit in meinem Kombi weiß ich auch zu schätzen. Jetzt stehe ich auf einem verlassenen Parkplatz in Anklam vor dem himmelblauen Trabi und denke mir: In das kleine Ding sollen tatsächlich vier Personen passen?

Mit meinen 1,65 Metern bin ich nicht sehr groß. Trotzdem ziehe ich vorsichtshalber den Kopf ein, während ich in das Auto klettere. Mein geübter Griff zum Sicherheitsgurt geht ins Leere, auch die Suche nach dem Schaltknüppel ist erst einmal erfolglos. Zum Glück sitzt Jens Rüberg, passionierter Trabi-Fahrer, neben mir und zeigt auf einen kleinen Hebel rechts neben dem Lenkrad. Aber zuerst muss der Trabi anspringen. Kupplung runterdrücken, Schlüssel drehen und ich erschrecke fast zu Tode.

Ich komme erst einmal nicht vom Fleck

Wer nur die leisen Autos von heute gewohnt ist, für den grenzen die Motorengeräusche eines Trabants schon fast an Lärmbelästigung. Langsam lasse ich die Kupplung kommen und drücke das Gaspedal vorsichtig durch. Es passiert nichts. Was viele aus ihrer Fahranfänger-Zeit kennen, ist auch mein Problem: Ich komme erst einmal nicht vom Fleck. Den Schleifpunkt zu finden ist also schwieriger als gedacht. Nach mehreren erfolglosen Versuchen rollt das himmelblaue Gefährt endlich über den Parkplatz – und röhrt dabei immer noch wie ein Diesel-Motor bei 5000 Umdrehungen.

Bremsen erfordert überraschend viel Kraft

Durch das offene Fenster weht ein kräftiger Geruch nach Benzin und Schadstoffen. Hoch motiviert frage ich, wie ich denn den zweiten Gang einlegen kann, aber Rüberg bremst mich. Eine Fahrt im ersten Gang reicht erst einmal für Anfänger wie mich. Und er soll Recht behalten: Ich bin mehr als froh, dass ich mich nicht im offenen Straßenverkehr befinde. Bremsen erfordert überraschend viel Kraft und ich schaffe gerade noch anzuhalten, bevor ich gegen einen Bordstein rollen würde.

Der Schweiß steht mir auf der Stirn. So nervös war ich nicht mehr seit meiner ersten Fahrstunde. Als nächstes steht Wenden auf dem Programm. Ich ziehe und drücke am Schalthebel und nach mehreren Fehlversuchen habe ich auch endlich den Rückwärtsgang eingelegt. Dann kurbele ich am Lenkrad. Wieder passiert kaum etwas. Für einen kurzen Moment ist mir entfallen, dass Autos in der DDR noch keine Servolenkung hatten. Nach nervenaufreibenden fünf Minuten habe ich den Trabi soweit, dass ich zurück zum Startpunkt fahren kann. Langsam tuckere ich über den Parkplatz zurück.

Als ich das Auto mit viel Mühe zum Stehen bekommen habe und das Knattern des Motors verklingt, bin ich erleichtert und ein bisschen stolz. Nicht viele 24-Jährige können von sich behaupten, einmal Trabi gefahren zu sein. Aber für den Heimweg bevorzuge ich mein eigenes Auto...

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