Zweirad:

Sitzbänke nach Maß schonen Bandscheiben und Po

Nicht nur Bandscheiben-Patienten schmerzen auf Motorradtouren Rücken und Hinterteil. Das liegt oft an der serienmäßig verbauten Sitzbank. Denn die Physiognomie der Biker ist so verschieden wie die Bandbreite an Bikes. Sitzbänke nach Maß schaffen Abhilfe.

Schleifarbeit: Sitzbank-Schmiede-Chef Marc Steinike bringt einen Motorradsattel für einen Kunden passend in Form.
Frank Rumpenhorst Schleifarbeit: Sitzbank-Schmiede-Chef Marc Steinike bringt einen Motorradsattel für einen Kunden passend in Form.

 Viele Motorradfahrer können ein Lied davon singen: Irgendwann zwickt und zwackt es im Sattel am Allerwertesten. Abhängig vom Fahrzeug und der eignen Konstitution kann sich das bereits nach wenigen Kilometern einstellen oder erst nach langen Autobahnetappen. Dann wird das schöne Hobby zur schmerzhaften Angelegenheit. Das Problem kann laut Achim Kuschefski, Leiter des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz), oftmals die Sitzbank sein: Sie ist zu weich, zu hart, zu schmal oder bietet zu wenig Stützkraft. Das trifft meist nicht nur den Fahrer. Häufig klagt auch der Sozius über nachlassendes Sitzfleisch oder eine viel zu anstrengende Sitzposition. Der Grund: Neue Motorräder werden mit einheitlichen Sitzbänken ausgeliefert, ganz gleich, ob der Biker nun 1,60 Meter groß und 50 Kilogramm schwer ist oder 2,10 Meter misst und 120 Kilogramm auf die Waage bringt. Mitunter kann der Kunde beim Hersteller aus verschieden hohen Sitzbänken wählen, meist gegen Aufpreis. Doch auch dabei handelt es sich um Bänke von der Stange, die nicht auf die individuellen Bedürfnisse des Bikers abgestimmt sind.

„Es gibt keinen Universalhintern“

Hier setzen Sitzbankspezialisten an. Bei der Firma Bagster zum Beispiel kann der Kunde den Nachrüstsattel online konfigurieren: In einer Suchmaske wählt er sein Motorrad aus und stellt in sieben Schritten eine Sitzbank mit unterschiedlicher Polsterdicke für Fahrer und Beifahrer zusammen. Oder er konfiguriert eine Maßsitzbank, bei der er Parameter für Sitzflächenhöhen und -längen vorgeben kann.

Einen anderen Weg geht Marc Steinike, Chef der Sitzbank-Schmiede in Darmstadt. „Es gibt keinen Universalhintern, jeder Mensch ist anders gebaut“, sagt der frühere Orthopädie-Schuhmacher. Das Gewicht des Fahrers müsse auf das gesamte Gesäß gleichmäßig verteilt werden, damit sich Komfort einstellt. Er fertigt das Polster exakt nach den Wünschen und der Physiognomie des Kunden, und zwar auf der Basis der Originalsitzbank. Die neue Polsterung wird in mehreren Schichten aus verschieden festem Verbundschaum auf die Unterschale aufgebracht und in Form geschliffen.

Nach Fertigstellung der Sitzbank ist ein Test durch den Kunden vorgesehen. Der Biker fährt das neue Sitzmöbel zur Probe und füllt einen Fragebogen aus. Dann schickt er das Bauteil zur weiteren Bearbeitung zurück. Für Kunden, die die Route der Probefahrt nach Darmstadt legen, hält der Betrieb eine 3D-Messung mit einer Messmatte parat, die auf die Sitzbank gelegt wird. Anhand von 1024 Messpunkten lassen sich per Computer die Stellen ermitteln, an denen der Druck auf das Gesäß am größten ist. So wissen die Sitzbankbauer, wo die Druckspitzen liegen und legen dort noch einmal Hand an. Eine solche Sitzbank kostet 350 bis 400 Euro. Für Bandscheibengeplagte und Prostata-Patienten bietet Steinike Speziallösungen.

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