Hilfe für Ängstliche:

Wenn die Panik mitfährt

Experten gehen davon aus, dass rund eine Million Autofahrer unter Angst beim Fahren leiden. Dagegen kann man etwas tun. Zum Beispiel über spezialisierte Fahrlehrer, die ihren Schülern eine stressfreie Verkehrsteilnahme vermitteln können.

Die Angst im Nacken: In Extremfällen kann Panik das Fahren unmöglich machen.
Jens Kalaene Die Angst im Nacken: In Extremfällen kann Panik das Fahren unmöglich machen.

Die Hände sind schweißnass. Das Herz rast und die Augen zucken. Nervös dreht sich der Kopf hin und her. Manche Autofahrer haben hinter dem Lenkrad Angst zu versagen, Angst, einen Unfall zu verursachen. Für diese Piloten ist das Fahren mehr als eine Qual. Denn Angst am Steuer kann gefährlich werden.

Nach ADAC-Schätzungen haben in Deutschland mindestens eine Million Autofahrer Angst im Straßenverkehr, ein traumatisches Erlebnis wie ein Unfall kann der Auslöser sein. So muss laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) nach einem Verkehrsunfall ein Viertel aller Schwerverletzten mit psychischen Folgen rechnen. Oft ist das eine Agoraphobie, bei der Menschen vor bestimmten Orten oder Situationen Panik bekommen. Das können die Fahrten in fremde Städte, Tunnelfahrten oder bestimmte Wetterbedingungen wie Regen, Schneefall oder auch Dunkelheit sein, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Autofahrer zwischen 30 und 60 Jahren suchen Rat

„Die Angst kann aber auch in negativen Selbstbildern begründet sein“, sagt er. Solche Menschen denken, sie seien schlechte Fahrer und würden andere behindern.

„Ängste muss man ernst nehmen. Nach einem Parkrempler kann man zwar viel üben, aber man muss auch die Angst vor dem Versagen nehmen“, sagt Frank Müller. Der 71-Jährige ist Fahrlehrer in Berlin und betreut seit rund 20 Jahren ängstliche Fahrschüler. In Zusammenarbeit mit einem Therapeuten entstand die Idee mit den speziellen Kursen und auch das Ratgeberbuch „Keine Angst mehr hinterm Steuer“. In seine „Angsthasen-Runde“ kommen jeden Monat rund zehn Schüler, die über ihre Probleme und Katastrophengedanken reden wollen. Es seien weniger Fahranfänger, die seinen Rat suchen, sondern Autofahrer zwischen 30 und 60 Jahren. Rund 90 Prozent davon seien Frauen.

Situationen, die Angst machen, üben

Fahrlehrer Müller rät Autofahrern zu einer Routine gegen Nervosität: „Während der Fahrt kann man laut reden, das beruhigt den Atem und bringt den Verstand zurück. Auch der Gedanke an ein schönes Erlebnis kann die Angst eindämmen.“ Übungen zur Muskelentspannung und frische Luft können ebenfalls helfen. Wenn möglich, sollten verunsicherte Fahrer nicht mehr allein im Auto sitzen. Hilfreich ist da eine Vertrauensperson, die das Verhalten beobachtet, kommentiert und lobt.

Für DVR-Mann Rademacher ist die Ausprägung der Angst entscheidend: „Nimmt sie das Ausmaß von Panikattacken an, ist therapeutische Begleitung sicherlich unabdingbar.“ Auch helfe es, mit einem Fahrlehrer die Verkehrssituationen zu üben, die Angst machen. Müller lässt seine Schützlinge auch bewusst Fehler machen um diese dann korrigieren. „Dann merken sie, dass es gar nicht so schlimm ist“, sagt er. Ansonsten spricht Müller viel mit den Schülern. „Bei
den Stunden für Fahrängstliche fahren wir ungefähr die Hälfte der Zeit, die andere Hälfte reden wir über die Angstgedanken“, sagt er.

Dass ängstliche Menschen irgendwann ganz ohne Angst fahren können, glaubt er indes nicht. Vielmehr sei das Ziel, Ängste zu kontrollieren und damit gut umgehen zu können. Und dazu hilft nur: Üben, üben, üben.

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