Motorradpflege:

Wie Biker die Winterpause nutzen können

Nur ganz harte Motorradfahrer sind ganzjährig unterwegs. Für alle anderen beginnt im Herbst eine Zeit der Entbehrungen. Doch auch wenn keine Touren mehr anstehen, gibt es viele sinnvolle Möglichkeiten, sich mit dem Krad zu beschäftigen. Manche sparen sogar Geld.

Nach der Saison ist vor der Saison: Gerade die dunkle Jahreszeit eignet sich sehr, um das geliebte Krad wieder fit zu machen.
Kai Remmers Nach der Saison ist vor der Saison: Gerade die dunkle Jahreszeit eignet sich sehr, um das geliebte Krad wieder fit zu machen.

Bald verschwindet das Zweirad bei vielen Motorradfahrern wieder in der Garage, im Schuppen oder unter einer Plane. Doch auch wenn die Saison zu Ende ist, müssen die Herbst- und Wintermonate keine motorradfreie Zeit sein. Biker können den Stillstand nutzen: für Umbauten, Tuning oder eingehende Pflege.

• Gut gelagert: Ein Motorrad muss auf die lange Standzeit vorbereitet werden. Wer keine trockene Garage hat, sollte es mit Rostschutzmittel konservieren, rät das Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Vorher gehören alle Flüssigkeiten wie Motor-, Getriebe- oder Kardanöl überprüft und müssen gegebenenfalls nachgefüllt werden. Bei der Kühlflüssigkeit auf den Frostschutz achten. Kraftstofftanks aus Stahl randvolltanken – das schützt vor Rost. Kunststofftanks werden komplett ausgeleert. Sinnvoll ist es, die Maschine beim Einmotten auf Beschädigungen und Undichtigkeiten zu untersuchen. So kann man notwendige Reparaturen in der Winterpause erledigen oder diese bei einer Werkstatt veranlassen.

• Zügiger Reifenwechsel: Sind die Reifen rissig oder ist das Profil abgefahren, tun Biker gut daran, den Tausch nicht auf die lange Bank zu schieben. „Wer nicht erst dann wechselt, wenn alle wechseln, bekommt beim Reifenhändler meist günstigere Preise“, sagt Klaus Herder von der Zeitschrift „Motorrad“. „Die Sorge, dass die Reifen nicht lange genug lagerbar sind, ist definitiv unbegründet“, sagt er.

• Versteckte Mängel: Die Winterpause ist auch die richtige Zeit, um beginnenden Rost zu entfernen. Manchmal offenbart der sich nämlich nicht ohne Weiteres, wie Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) weiß. „Wenn sich erste Korrosion unter der Sitzbank oder unterm Tank bildet, sieht man das natürlich nur, wenn man die Teile abbaut“, sagt er. Losen Rost mit einer Drahtbürste entfernen, dann die Stellen mit Rostumwandler behandeln. Ein Schutzanstrich sorgt dafür, dass sich kein neuer Rost bildet.

• Neue Leuchten: Umfangreiche Umbauten brauchen Zeit und sind daher prädestiniert für die Fahrpause im Winter. Doch gerade an modernen Motorrädern lässt sich vieles gar nicht mehr selber machen, wie Klaus Herder sagt. Ein „Klassiker“ sei noch immer die Umrüstung auf Mini-Blinker, um die Optik zu verbessern. Das sei oft schwieriger als mancher glaubt: „Mit Umstecken ist es nicht getan.“ Hobbyschrauber sollten sich Zeit nehmen und sich in die Elektronik einfuchsen.

• Rohr verlegen: Ob die alte Abgasanlage durchgerostet ist oder ob ein neuer Auspuff für besseren Sound sorgen soll – die Winterpause ist der richtige Zeitpunkt für so einen Umbau. „Der Anbau eines neuen Auspuffs ist meist nicht so schwierig“, sagt Michael Lenzen. „Und wenn das Ersatzteil eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) hat, muss es auch nicht von Tüv oder Dekra abgenommen und eingetragen werden.“ Bei einigen modernen Motorradmodellen können aber Probleme auftreten, warnt Klaus Herder: „Um die strikten Lärmbestimmungen auszutricksen, haben manche Motorräder Auspuffanlagen mit Klappensteuerung. Dann ist ein Umbau sehr kompliziert.“ Das sei eine Angelegenheit für Experten.

• Kettenpflege: Motorräder mit Kette erfordern – anders als solche mit Kardan- oder Riemenantrieb – regelmäßige Pflege des Antriebsstrangs. Das ist laut Michael Lenzen gar nicht so aufwendig. „Früher hat man noch gemeint, man müsse die Kette auskochen“, sagt der BVDM-Vorsitzende, doch das sei nicht nötig. „Es gibt hervorragende Mittel und Reinigungssätze im Handel, die die Kette säubern, entölen und auch wieder einölen. Dafür muss man das Teil nicht einmal mehr ausbauen.“ Auch in ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht seien die Mittel besser geworden – eine fachgerechte Entsorgung sei aber immer noch notwendig.

• Gut verhandelt: Während die meisten Motorradfahrer im Winter pausieren, gilt das für die Werkstätten nur bedingt. Sie müssen das ganze Jahr über Geld verdienen. Die geringe Nachfrage nach Reparatur-, Service- oder Wartungsarbeiten birgt Vorteile für Motorradfahrer. „Ab Oktober oder November sind die Werkstätten oft leer“, sagt Klaus Herder. Um die Auslastung zu erhöhen, würden viele Kampfpreise machen. Wer dann Umbauten oder größere Wartungsarbeiten erledigen lässt, könne also Geld sparen. Außerdem bieten Werkstätten auch Stellplätze an. Michael Lenzen empfiehlt: „Wenn die Maschine ohnehin schon beim Händler steht, kann man sich auch prima über größere Umbauten mit ihm beraten.“