Es war einmal ein Drogeriemarkt...:

Na, Frau Schlecker, wie geht‘s?

Gut zwei Jahre ist es her, dass die Kunden beim Ausverkauf anstanden. Auch im Altkreis Müritz schlossen seinerzeit mehrere Drogerie-Märkte ihre Türen. Was bleibt, sind Erinnerungen – und Versorgungslücken.

Extra in den Kittel geschlüpft. Gudrun Wieden denkt gern an die Schlecker-Zeit zurück. Das Kassen-Schild ist ein Andenken.
Elke Enders Extra in den Kittel geschlüpft. Gudrun Wieden denkt gern an die Schlecker-Zeit zurück. Das Kassen-Schild ist ein Andenken.

Da stehen sie – leer und verlassen. Die meisten Schlecker-Filialen der Region warten vergebens auf Wiederbelebung. Der frühere Röbeler Markt im Zentrum bildet da fast schon eine Ausnahme. Hier hat sich ein Anbieter aus dem Brandenburgischen niedergelassen, der zumindest einen Teil des Drogerie-Sortiments vorrätig hat. Aber der andere Röbeler Schlecker am Ortsausgang Richtung Mirow steht verwaist. Ebenso bietet der Rechliner einen traurigen Anblick.

Die Scheiben zugehängt, prangt noch immer die Reklame an der Fassade, in großen Lettern, als würde nur vorübergehend geschlossen sein. Dabei hatten die „Schlecker-Frauen“ immer gut zu tun, weiß eine ehemalige Mitarbeiterin zu berichten. 15 Jahre lang arbeitete Gudrun Wieden in der Rechliner Filiale. Weitere vier Jahre in einer Zweigstelle in Mirow. Wenn sie heute zurückblickt, war es für sie eine schöne Zeit. „Es war immer lustig“, schildert die Lärzerin. Ihre Arbeit war abwechslungsreich, ging weit darüber hinaus, nur an der Kasse zu sitzen. „Gut, es gab auch stressige Tage. Wenn Inventuren anstanden...“ Dann fuhr sie mit in andere Läden bis in den Berliner Raum.  Morgens um 6 Uhr los, abends um 10 Uhr zu Hause – auch das gehörte zum Arbeitsleben bei dem Drogerie-Giganten. Doch das beste: Sie hatte immer Kontakt zu den Menschen. Etwas, was lange nachwirkt.

Als die Verkäuferinnen vertrösten mussten

„Na, Frau Schlecker“, wird sie denn auch heute noch manchmal verschmitzt angesprochen. „Und wenn ich  nach Rechlin fahre, dann komme ich gar nicht wieder raus“, sagt sie lachend. So viele  Leute fragen, wie‘s geht.  Schließlich war sie ortsbekannt. Besonders ihr Lachen ist den Kunden vertraut. Laut und schallend, das war ihr Markenzeichen. Wie sagte ihr neulich ein Herr: „Das Lachen, das fehlt mir...“ Apropos Fehlen, überhaupt fehlt die Einkaufsmöglichkeit. Wer in ländlicher Gegend wohnt, der vermisst das breite Angebot, das die Schlecker-Märkte vorhielten, auch wenn einige Discounter oder auch privat geführte Drogerien ihr Sortiment inzwischen aufgestockt haben.

Den Anfang vom Ende bekamen die Verkäuferinnen schleichend zu spüren. „Man hat das schon gemerkt“, sagt Gudrun Wieden. Die Ware kam nicht oder unvollständig. „Ein Mann hat bei uns immer Sauerkrautsaft gekauft“, fällt ihr ein Beispiel ein. Als sich das Regal lichtete, fragte er, ob sie unfähig wären zu bestellen...? „Was sollten wir sagen, wir waren gar nicht in der Lage, die wirklichen Gründe zu nennen. Nicht geliefert, nicht vorrätig? Die Produkte sind einfach nicht gekommen, aber wir haben bestellt...“, versuchten die Verkäuferinnen zu vertrösten. Bis Weihnachten 2011 ging es noch, danach im Januar kam der Engpass. Wie bei vielen Familien ist es zum Jahresanfang finanziell eben besonders eng. Für die Schlecker-Kette bahnte sich das Aus an.

Wehmütige Erinnerungen bleiben

Übrigens, Gudrun Wieden hatte Glück. Sie konnte reibungslos in eine neue Tätigkeit wechseln. Heute arbeitet sie in einer Geflügelfarm. Sie weiß auch von Kolleginnen, die wieder in Lohn und Brot sind, viele als Verkäuferin.

Statt mit Duschbad, Kosmetik und Babynahrung hantiert Gudrun Wieden nun mit Eiern. Doch wehmütige Erinnerung bleibt an die Schlecker-Zeit.  Und spätestens, wenn sie etwas braucht, das es nur noch in Waren, Wittstock oder Neustrelitz bei der früheren Konkurrenz gibt, dann schreibt sie sich eine Notiz ins Handy – für die nächste Gelegenheit, wenn sie in der Stadt ist. Oder sie ruft eine Freundin an, die dort zu tun hat: Ach bring mir doch bitte das Shampoo, oder den Reiniger mit...

 

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