Gerichtsverfahren eingestellt:

17-jähriges Unfallopfer hat noch immer Schmerzen

Den 19. Juni 2014 wird eine Gymnasiastin aus Waren im Leben nicht vergessen. An diesem Tag wurde die Mopedfahrerin bei einem Unfall schwer verletzt. Der  Schuldige an dem Drama musste sich jetzt vor Gericht dafür verantworten.

Der schreckliche Unfall am 19. Juni im vergangenen Jahr: Ein Rettungshubschrauber musste in Waren auf der Strelitzer Straße landen, Sanitäter und Ärzte kümmerten sich um das 17-jährige Opfer.
Thomas Beigang Der schreckliche Unfall am 19. Juni im vergangenen Jahr: Ein Rettungshubschrauber musste in Waren auf der Strelitzer Straße landen, Sanitäter und Ärzte kümmerten sich um das 17-jährige Opfer.

Der Schultag war endlich vorbei und im Tank herrschte Ebbe. Allerhöchste Zeit für die 17-Jährige, an diesem schicksalhaften Tag endlich an der Tanke Halt zu machen und das Moped aufzufüllen. Die Strelitzer Straße hoch in Richtung Neubrandenburg, dann auf die linke Abbiegespur zur Team-Tankstelle. Der zähflüssige Gegenverkehr zwingt zum Warten.

„Ab dann weiß ich nichts mehr“, sagt die Schülerin am Dienstag im Amtsgericht in Waren. Denn urplötzlich scherte ein Kleintransporter aus dem Gegenverkehr aus, geriet in ihre Spur und begrub die junge Mopedfahrerin unter sich. Mit schlimmen Folgen für die junge Frau: Eine Beckenfraktur, ein gebrochenes Bein, ein Trümmerbruch im rechten Unterarm und ein Schädel-Hirn-Trauma, so die Diagnose der Rettungsärzte. Vor Gericht muss sich dafür ein 49-jähriger Monteur aus Berlin verantworten, der Fahrer jenes Transporters. Die Staatsanwaltschaft klagt den bis dahin unbescholtenen Mann der fahrlässigen Körperverletzung an.

Nach dem Unglück geschockt

Der Berliner ist ratlos. Wie er, aus Prenzlau kommend unterwegs zu einem Kunden in Malchow, plötzlich an dieser Stelle in den Gegenverkehr geraten konnte, ist ihm immer noch ein Rätsel. „Ich weiß es nicht, beim besten Willen“, schüttelt er den Kopf. Weder sei der Tag besonders stressig gewesen, noch sei er bewusst abgelenkt gewesen. Ein Bild, gesteht der erschütterte Fahrer, verfolgt ihn seitdem besonders: „Der Kopf des Mädchens, das gegen meine Windschutzscheibe knallt.“

Augenzeugen, die den Unfall mit ansehen mussten, berichten, dass der Fahrer noch Minuten nach dem Unglück wie erstarrt am Lenkrad saß und erst nach Aufforderung aus der Kabine kletterte. „Der stand sichtlich unter Schock“, berichtet einer vor Gericht.

Zwei Wochen lang lag das Mädchen im Krankenhaus, zur Schule konnte sie erst am letzten Schultag wieder gehen. Noch immer leidet sie an Spätfolgen des Unfalls. Schmerzen in den Gelenken, häufige Kopfschmerzen und Übelkeit in Stresssituationen. Im rechten Arm steckt eine Metallplatte, die irgendwann wieder heraus muss. Auch der Verursacher der Leiden musste sich nach dem Unfall krankschreiben lassen. „Ich habe selbst eine Tochter in dem Alter“, erzählt er dem Vorsitzenden Richter Michael Kasberg. Doch noch vor dem Ende der Krankschreibung sei er wieder auf der Arbeit gewesen. „Ich musste mich ablenken, sonst wäre ich vor lauter Grübelei noch verrückt geworden.“

Richter folgt dem Vorschlag

Der Rechtsanwalt des Unglücksfahrers bittet das Gericht darum, das Verfahren einzustellen. Die Versicherung des Verursachers habe ein gutes Schmerzensgeld gezahlt und wie sein Mandant auf die Gegenfahrbahn gelangen konnte, wird niemand in Erfahrung bringen können. Richter Kasberg steht dem Vorschlag wohlwollend gegenüber – allerdings vermisst er die Entschuldigung. Der Berliner bittet um Nachsicht, schließlich sei er total aufgeregt. Es tue ihm sehr leid, wendet der sich jetzt an die 17-Jährige und wenn er könnte, würde er alles ungeschehen machen. Das Gericht stellt das Verfahren ein – gegen die Zahlung einer Geldbuße: 1250 Euro. Den Adressaten der „Spende“ legt Kasberg gleich fest: die Kreisverkehrswacht an der Müritz.

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