Vorstand bestätigt in offenem Brief Anschuldigungen:

700.000 Euro für den Awo-Chef

Am späten Donnerstagabend brachen alle Dämme: Nachdem in den vergangenen Tagen die Telefondrähte geglüht hatten sowie eine Sitzung auf die andere gefolgt und hinter den Kulissen um Posten und Postionen gerungen worden war, gab der Vorstand der Awo Müritz alle bisher im Raum stehenden Vorwürfe zu.

Da war die Awo-Welt noch heile: Götz-Peter Lohmann (links) und Peter Olijnyk (Zweiter von rechts) bei einer Grundsteinlegung in Röbel.
NK Da war die Awo-Welt noch heile: Götz-Peter Lohmann (links) und Peter Olijnyk (Zweiter von rechts) bei einer Grundsteinlegung in Röbel.

In einem offenen Brief an alle Mitglieder und Mitarbeiter der Awo Müritz räumen die Vorstandsmitglieder ein, dass es "richtig ist, das der Vorstandsvorsitzende Götz-Peter Lohmann seit fast neun Jahren in der Awo Service GmbH bis Ende 2015 angestellt war, und die Awo dafür insgesamt eine Summe von 700000 Euro ohne wesentlich abrechenbare Leistungen aufbringen musste". Diese dubiose Doppelrolle des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten hatte in der Öffentlichkeit - außerhalb und innerhalb der Awo - Empörung und Entsetzen verursacht. Die Begriffe Kontrollverlust und Abhängigkeitsverhältnis machten schnell die Runde.

Verstoß gegen die Awo-Satzung

Weiter heißt es in dem offenen Brief, "dass Anstellungsverträge von Dr. Peter Olijnyk allein von dem Vorstandsvorsitzenden gezeichnet worden sind. Diese gegenseitige Unterschriftenregelung konnte ohne Kenntnis des Vorstandes zur gegenseitigen Vorteilsnahme genutzt werden". Laut Awo-Satzung hätten aber Verträge von zwei Vertretern des geschäftsführenden Vorstandes unterzeichnet werden müssen. Dazu heißt es in dem offenen Brief weiter: "Auch wenn es wenig glaubhaft klingen mag, es war leider eine Tatsache, dass selbst der große Teil des Vorstandes den Wortlaut des Anstellungsvertrages von Dr. Olijnyk nicht kannte." Olijnyk war vom Vorstand am 15. Juni aufgrund der immer stärker aufkommenden Anschuldigungen gekündigt worden. 

Vorstand fühlt sich in die Irre gefühlt

Der Vorstand selbst ist sich laut Brief offenbar keiner Schuld bewusst - "als Vorstandsmitglieder bedauern wir es übrigens sehr, dass wir selbst durch Unaufrichtigkeit und Unwahrheiten ebenfalls in die Irre geführt worden sind", heißt es dazu lediglich in dem Schreiben.

Jetzt gehe es dem Vorstand darum, "dass jetzt mit hoher ethischer Verantwortung zum Unternehmen und der überaus großen Zahl der Beschäftigten sowie einem klaren Blick auf das Gemeinwohl von Menschen das Unternehmen Awo Müritz vor Schaden bewahrt bleibt".

Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue

Und noch etwas betont der Vorstand: Trotz des "hervorgerufenen Misstrauens stellen wir nicht in Frage, dass der Geschäftsführer Dr. Peter Olijnyk in mehr als zwei Jahrzehnten ein Unternehmen der freien Wohlfahrt erfolgreich aufgebaut hat".

Wie die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg das Wirken Olijnyks bewertet, wird die Zukunft zeigen - aktuell wird gegen den Ex-Geschäftsführer wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Parallel dazu hat der Awo-Landesverband eine Neustrelitzer Anwaltskanzlei mit der Prüfung der Vorkommnisse in der Awo Müritz beauftragt. Deren Ergebnisse sollen Mitte August feststehen.