Eiserne Hochzeit:

Alte Liebe rostet eben nicht

Große Feier in Groß Plasten. Ein Ehepaar feiert sein 65. Jubiläum und beweist nicht nur in der Liebe ganz viel Beständigkeit. Über die Anfänge allerdings bestehen Unklarheiten.

Wanda und Heinz Schnur haben auf den Tag genau vor 65 Jahren geheiratet und das bis heute nicht bereut.
Thomas Beigang Wanda und Heinz Schnur haben auf den Tag genau vor 65 Jahren geheiratet und das bis heute nicht bereut.

Rüben machen lustig. Niemand weiß das besser als Wanda und Heinz Schnur. Zur Hochzeit am 27. Dezember 1948 spendierte das Hochzeitspaar den Gästen zur besserer Verdauung des Rippenbratens schwarzgebrannten Schnaps. „Aus Rüben“, grinst der 86-jährige Ehemann. Zur Qualitätsprobe wurde das mörderische Getränk angezündet. „Das hat gebrannt“, freut sich Heinz Richter heute noch.

Das Paar aus Groß Plasten feiert heute das seltene Jubiläum der Eisernen Hochzeit. „Pfingsten 1948 haben wir uns verlobt und nach Weihnachten geheiratet“, erklärt Wanda Schnur. Das sei nicht einfach gewesen. Denn die in Deven lebende Familie des Liebsten hatte etwas gegen die Beziehung zu der jungen Frau aus dem Osten, die mit einem Flüchtlingstreck in Groß Plasten landete. „Zur Hochzeitsfeier erschienen nur einige Freunde und meine Familie“, erzählt die Jubilarin von den alten schweren Zeiten. Kein Verwandter des Mannes sei gekommen. „Aber ich wollte sie unbedingt“, lächelt Heinz Schnur die Frau seiner Wahl an. Später allerdings sei man sich dann doch näher gekommen, heißt es. Zur Trauung haben sich alle in viel Geduld üben müssen. Schon damals hatten die Pastoren eine Menge zu tun. „14 Uhr sollten wir in der Devener Kirche getraut werden, aber weil der Pastor vor uns noch zwei Beerdigungen und eine Taufe bewältigen musste, sind wir erst zwei Stunden später an die Reihe gekommen“, erinnert sich Heinz Schnur, der sich viele Jahrzehnte als Schmiedemeister einen Namen in der Region gemacht hat.

Allerdings – ob sich das in die Jahre gekommene Liebespaar schon 1946 oder doch erst 1947 schätzen lernte, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Meine Schwester hat 1946 geheiratet, seitdem kennen wir uns“, lautet ihre Variante. „Aber richtig zusammen sind wir erst seit 1947“, hält er dagegen. Egal – die Beziehung hält bis heute. Beständigkeit beweisen die Schnurs nicht nur in der Liebe. Die Familie lebt auch schon seit 1957 in ihrer Wohnung in Groß Plasten. Jetzt allerdings gerät dieser Rekord ins Wanken. „Die Ärzte raten uns, ins betreute Wohnen zu ziehen“, erzählt Wanda Schnur. Aber weg mit solchen traurigen Gedanken kurz vor dem Jubiläum, jetzt soll erstmal gefeiert werden. Mit 25 Gästen rechnet das Paar, „nur die engste Familie“. Dazu zählen immerhin vier Kinder, sechs Enkel und auch schon vier Urenkel, die sich in Dratow versammeln, um das Paar zu ehren. Wie das alles ablaufen soll, wissen Wanda und Heinz Schnur nicht. Die Organisation liegt komplett in den Händen der Kinder und Enkel. Aber eines steht wohl fest: Selbst gebrannten Rübenschnaps muss heute niemand trinken.

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