Nachbarschaftsstreit vor Gericht:

Angeklagter Rentner aus Silz hält den Mund

Mit dem Verlesen der Anklage ist der Prozess gegen einen mutmaßlichen Messerstecher aus der Müritzregion richtig gestartet. Laut der Gerichtsmedizinerin hat das Opfer bei der Attacke richtig Glück gehabt.

Der Prozess um einen Nachbarschaftsstreit in Silz wird fortgesetzt.
Daniel Reinhardt Der Prozess um einen Nachbarschaftsstreit in Silz wird fortgesetzt.

Der 29. März war kein guter Tag. Diesen Sonnabend würden alle Beteiligten am liebsten aus dem Gedächtnis streichen – wenn sie es denn könnten. Aber besonders der mutmaßliche Täter, ein 66-jähriger Rentner aus Silz, und das Opfer, ein 31-Jähriger Nachbar, werden ihr Leben lang an den verhängnisvollen Tag denken müssen.

Mit dem Verlesen der Anklage hat der Prozess gegen den Silzer am Mittwoch richtig begonnen. Zum eigentlichen Auftakt vor knapp zwei Wochen musste die Verhandlung unterbrochen werden, weil einem der Anwälte des Angeklagten die Neubesetzung des Gerichts erst zu spät mitgeteilt wurde. Mit unbewegtem Gesicht, aber fleißig mitschreibend, hörte sich der Mann an, was ihm der Staatsanwalt vorwirft. An jenem 29. März soll es gegen 12.30 Uhr einen Streit zwischen dem späteren Opfer und dem Angeklagten gegeben haben – zunächst nur mit Worten ausgetragen. Jener junge Mann war der Sohn der Nachbarin des Rentners, mit der es seit dem Umzug des älteren Herren aus Rostock nach Silz im vergangenen Herbst wohl ständig Theater gab. Eine halbe Stunde nach der verbalen Auseinandersetzung wollte der Jüngere das Haus verlassen und traf im Hausflur auf sein Gegenüber. Der hielt ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser in der Hand und stach, so der Staatsanwalt, sofort auf den Mann ein.

Ärztin: Das hätte lebensbedrohend sein können

Glück gehabt – auf diese kurze Formel kann die Einschätzung der Gerichtsmedizinerin aus Greifswald gebracht werden. Der Stich, der mehrere Zentimeter tief in den Bauch des Opfers eindrang, habe keine Organe verletzt, akute Lebensgefahr bestand nicht. Aber, hebt die Medizinerin warnend den Zeigefinger, dies sei nur Zufall gewesen. Bei einer Verletzung des Bauchraums könne es jederzeit zu lebensbedrohenden Folgen kommen und wenn die Messerklinge Darm oder Niere getroffen hätte, wäre ohnehin Alarm angesagt. Ob man mit so einer Verletzung noch weglaufen können, will der Vorsitzende Richter Klaus Kabisch wissen. „Oder bricht man damit nicht sofort zusammen?“ Man könne laufen, nickt die Ärztin, wenigstens für den Moment.

Vor dem Richter liegt das Messer

Mit der nüchternen Asservatennummer 5011/003308/03/14 ausgerüstet, liegt jetzt das Messer vor Richter Kabisch auf dem Tisch. Lang, glänzend und sehr scharf, kleben noch Blutspuren an dem Tatwerkzeug. Einer der Anwälte des angeklagten Rentners, Benjamin Richert aus Zislow, will von der Gerichtsmedizinerin wissen, ob für so eine Verletzung viel Kraft und ein bewusster Stoß Voraussetzung sei. Er sei schließlich Jäger und wisse aus eigener Erfahrung, wie leicht selbst die Schwarte beim Schwarzwild mit einem scharfen Messer zu durchtrennen sei. Oder ob die Wunde nicht auch hätte entstehen können, wenn das Messer nur locker in der Hand gehalten wird. Hintergrund der Frage sicherlich: Unfall oder bewusste Tat? Die Medizinerin verweist darauf, dass das Opfer schließlich auch Jacke und Pullover getragen hätte und auch die Haut beträchtlichen Widerstand entgegen setzt. Einfach so könne eine solche Verletzung nicht entstehen.

Und der Angeklagte selbst? Schweigt. Sein gutes Recht. Bleibt sein Mund auch weiter geschlossen, hat die bestellte  Psychologin ein Problem. Denn weil der Rentner eine psychiatrische Begutachtung ablehnt, ist sie darauf angewiesen, sich ihr Urteil aus den Worten zu bilden, die der Mann während des Prozesses sagt. Bislang Fehlanzeige. Der Prozess wird am 14. Oktober am Landgericht in Neubrandenburg fortgesetzt.

 

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