Warener Fleischverarbeiter schließt:

Aus für die Wurst trifft die Mitarbeiter hart

Die Schließung des Nölke-Werkes zieht vielen Angestellten den Boden unter den Füßen weg. Eine Abfindung steht ihnen zu, doch in der Warener Niederlassung gibt es keinen Betriebsrat.

Geplatzte Wurstproduktion, geplatzte Träume: Mit der Schließung des Warener Fleischverarbeitungswerkes fühlen sich die Mitarbeiter getäuscht von den Inhabern.
Nadine Schuldt Geplatzte Wurstproduktion, geplatzte Träume: Mit der Schließung des Warener Fleischverarbeitungswerkes fühlen sich die Mitarbeiter getäuscht von den Inhabern.

Haben auch die geringeren Kosten für Betriebszugehörigkeiten im Osten Deutschlands zur Entscheidung beigetragen, das Nölke-Fleischverarbeitungswerk in Waren zu schließen? Das vermuten Branchenkenner. Ein Sprecher der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Neubrandenburg kritisierte unterdessen die überraschende Schließungsentscheidung. Die 130 Mitarbeiter seien erst Ende 2014 mit dem geplanten Verkauf an die Zur-Mühlen-Gruppe in Sicherheit gewogen und dann vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Ihnen stehe mindestens eine Abfindung zu, leider gebe es bisher keinen Betriebsrat in Waren.

Montagmittag in der Müritzstadt: Graue Wolken ziehen über den Nölke-Betrieb in der Springer-Straße. Zum größten Teil hatte die Belegschaft zu diesem Zeitpunkt schon per Post von der Schließung der Wurstfabrik und den damit verbundenen Kündigungen erfahren. „Das Schreiben wurde wohl noch nicht einmal per Post zugestellt, da war keine Briefmarke oder Stempel drauf“, sagte ein Mitarbeiter, der zur Spätschicht wollte. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Genauso wenig wie auch andere Angestellte, die noch im Nölke-Werk arbeiten.

Branchenkenner zeigen sich überrascht

Den 130 Mitarbeitern der Wurstfabrik wurde am Freitag auf einer Belegschaftsversammlung mitgeteilt, dass das Werk, das zur Heiko Nölke GmbH und Co. KG gehört, Mitte Juli geschlossen wird. Was aber da im Hintergrund gehauen und gestochen wird, wisse er nicht, sagte der Angestellte. Ob es an der Produktivität gelegen habe, ist für ihn unklar. „Heute Abend verlassen aber wieder zwei 40-Tonner das Gelände“, erklärte der Mann. Dass in der Fleischverarbeitungsbranche ein starker Verdrängungswettbewerb herrsche, bestätigen indes die Branchenkenner, die sich allerdings von der Schließung überrascht zeigten. „Es sind zwar harte Bandagen am Wurstmarkt, aber in den vergangenen Jahren gab es eher Zuwächse beim Wurstverbrauch“, sagte Walter Kienast, Geschäftsführer der Greifswalder Greifenfleisch GmbH.

Geschäftsführer mit Personenschutz?

Der Warener Nölke-Mitarbeiter hat die Belegschaftsversammlung noch genau vor Augen. Der Geschäftsführer sei keine fünf Minuten da gewesen und habe die Nachricht nur kurz verkündet, schildert der Mitarbeiter. Es werde sogar gemunkelt, dass er Personenschutz dabei gehabt haben soll. Für eine andere Mitarbeiterin ist diese Zusammenkunft sehr schlimm gewesen. „Ich habe noch nie in so viele enttäuschte Gesichter geschaut, es wurde auch geweint“, sagte eine andere Mitarbeiterin, die auch zur Spätschicht will. Mit dem Aus habe keiner der Angestellten gerechnet, schon gar nicht so kurzfristig. Über den Buschfunk hieß es im Dezember noch, dass man die Jobs ein Jahr lang sicher habe, erzählt sie.

Die Angestellte, die Ende 40 ist, sieht ihre persönliche Zukunft nicht gerade in einem rosaroten Licht. „Wenn ich nicht so schnell wieder Arbeit finde, muss ich 2016 mein Haus verkaufen“, sagt sie. Sie und ein weiterer Kollege sind seit zehn Jahren im Unternehmen tätig. „Man hat uns einfach den Boden unter den Füßen weggezogen“, schimpft sie. Wie es nun weitergehen soll, vermag kaum jemand der Angestellten zu sagen.

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