Staranwalt macht Ex-Geschäftsführer Mut:

Awo-Affäre: Diestel sieht Kartenhaus, das zusammenfällt

Während die Staatsanwaltschaft seit knapp drei Monaten ermittelt, hat sich Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel kurzfristig in die Awo-Affäre eingearbeitet. Der Staranwalt hatte erst Ende September die Verteidigung von Ex-Awo-Geschäftsführer Peter Olijnyk übernommen. Nach Durchsicht der Akten zeigt sich Diestel optimistisch.

Nach Durchsicht der Awo-Akten zeigt sich Peter-Michael Diestel optimistisch.
Stefan Sauer Nach Durchsicht der Awo-Akten zeigt sich Peter-Michael Diestel optimistisch.

Im Raum steht der Verdacht der Untreue und der unsachgemäßen Verwendung von Elternbeiträgen - während sich die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg zu den Vorwürfen und Ermittlungen nicht weiter äußern möchte, schlug Peter-Michael Diestel im Gespräch mit dem Nordkurier am Dienstag einen dicken Pflock ein. "Die Anschuldigungen werden wie ein Kartenhaus zusammenfallen", betonte Diestel - und schob nach: "Da bin ich mir ganz sicher." 

Mitte Juni war Peter Olijnyk nach monatelangen internen Auseinandersetzungen mit dem Vorstand als Geschäftsführer der Awo Müritz entlassen worden. Olijnyk und Ex-Awo-Chef Götz-Peter Lohmann sollen sich über Jahre gegenseitig hoch dotierte Verträge zugeschachert haben - angeblich am Vorstand vorbei. Der Vorstand versicherte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass er von dem "System Olijnyk/Lohmann" nichts gewusst habe.

Awo und Olijnyk überziehen sich mit Klagen

Der Anwalt mit Kanzleien in Zislow, Potsdam und Berlin steht nicht nur hinsichtlich der Untreuevorwürfe an der Seite Olijnyks, auch in der arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Awo Müritz und Olijnyk hat Diestel das Mandat übernommen. Vor dem Landgericht Neubrandenburg klagt Olijnyk gegen seine Entlassung - und fordert in einer Klageschrift eine knappe halbe Millionen Euro an ausstehenden Gehältern sowie ihm vermeintlich zugesagten Pensionsansprüchen. Ursprünglich lief Olijnyks Vertrag als Geschäftsführer der Awo Müritz noch bis Ende 2017.

Im Gegenzug macht auch die Awo Müritz gegenüber Olijnyk eine Rechnung auf und klagt die Rückzahlung von rund 390000 Euro ein. Dieser Betrag bezieht sich auf den Zeitraum von Oktober 2011 bis Juni 2016 und den darin "vorgenommenen Zahlungen auf Geschäftsführervergütung". Für diese Zahlungen habe es laut Awo Müritz keine Rechtsgrundlage gegeben.

 

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