Landesverband legt Prüfbericht vor:

Awo-Skandal: "Systematischer Missbrauch" durch Geschäftsführung

Der Awo-Landesverband hat seine Schuldigen für den Skandal im Kreisverband Müritz gefunden. Awo-Landeschef Rudolf Borchert spricht in einem Prüfbericht von einem "System Olijnyk/Lohmann", das der Awo großen finanziellen und einen Glaubwürdigkeitsschaden zu gefügt habe.

Selbstbedienungsmentalität: Nach Aussage des Landesverbandes habe die ehemalige Führungsriege der Awo Müritz systematisch ihre Funktionen missbraucht.
Marco2811 - Fotolia Selbstbedienungsmentalität: Nach Aussage des Landesverbandes habe die ehemalige Führungsriege der Awo Müritz systematisch ihre Funktionen missbraucht.

Laut Prüfbericht, den eine Neustrelitzer Anwaltskanzlei im Auftrag des Awo-Landesverbandes erstellt hat, soll der im Juni entlassene langjährige Geschäftsführer der Awo Müritz, Peter Olijnyk, in den letzten vier Jahren ein Jahresgehalt von 150000 Euro kassiert haben - zuzüglich jährlichen Tantiemen zwischen 6000 und 50000 Euro.

Der mittlerweile zurückgetretene langjährige Vorstandschef der Awo Müritz, Götz-Peter Lohmann, sei laut Prüfbericht als Psychologe bei einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft angestellt gewesen und habe über neuneinhalb Jahren ein monatliches Gehalt von 5100 Euro bezogen - plus eigenes Büro und entsprechender Ausstattung. Insgesamt habe Lohmann der Awo jährlich 85000 Euro gekostet. Lohmann war vom 1. September 2009 bis zum 31. Dezember 2015 bei der Tochtergesellschaft der Awo Müritz angestellt - ohne "abrechenbare Leistungen zu erbringen", wie es der Vorstand der Awo Müritz bereits vor 14 Tagen eingeräumt hatte. Der Vorstand selbst, so heißt es im Prüfbericht, habe von dem "System Olijnyk/Lohmann", in dem dauerhaft gegen Satzungen der Awo - beispielsweise beim Unterschreiben von Verträgen - verstoßen sei, nichts gewusst. 

Landeschef Borchert: "Ich habe nichts gewusst"

Und auch der langjährige Weggefährte Olijnyks und Lohmanns, Awo-Landeschef Rudolf Borchert, dementiert, dass er vom "Versorgungssystem" seiner beiden SPD-Parteifreunde gewusst habe. "Ich hätte es niemals akzeptiert", versicherte Borchert, der seit Jahrzehnten als Awo-Funktionär und als sozialdemokratischer Politiker eng mit Lohmann und Olijnyk verbunden ist. Für Borchert ist klar, "dass Peter Olijnyk seine Funktion als Geschäftsführer der Awo Müritz über Jahre missbraucht hat". Es gelte jetzt juristisch zu prüfen, inwieweit der Kreisverband gegen Olijnyk und Lohmann Schadensersatzansprüche einklagen könne. Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Olijnyk und Lohmann wegen des Verdachts der Untreue.

Landeschef Borchert nimmt nicht nur sich aus der Schusslinie, sondern auch die neue Geschäftsführerin der Awo Müritz, Simone Ehlert. Sie war über Jahre Finanzchefin und Prokuristin im Kreisverband und galt als rechte Hand von Olijnyk. "Der Landesverband unterstützt Simone Ehlert - sie hat uns überzeugt. Die Zeit der Patriarchen ist vorbei", betonte Borchert.

 

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Kommentare (4)

ZITAT: "Awo-Skandal: "Systematischer Missbrauch" der Geschäftsführung" So so, die Geschäftsführung wurde mißbraucht.... von wem ??? Merkt der Autor Andreas Becker nicht, daß seine mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache den Sinn eines Satzes ins Gegenteil verkehrt ? So macht er aus Tätern Opfer.

Vielen Dank für den Hinweis.

Sofern Herr Lohmann über neuneinhalb Jahre bei der Tochtergesellschaft der AWO angestellt gewesen ist, hat er sich wohl nach seiner Zeit als SPD-Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 18 ausreichend abgesichert.

Ich kann und will nicht glauben, das ein Herr Borchert und erst recht eine Frau Ehlert, die bekanntlich als Prokuristin der AWO fungierte, nichts von den Machenschaften der Führungsriege wusste. Es reicht nicht aus, wenn man als Prokurist die Herren anspricht, die für die Misstände verantwortlich sind, sondern in diesem konkreten Fall hätte das übergeordnete Organ, sprich der Landesverband informiert werden müssen.