Winterspeck gegen tierischen Schmerz:

Bären erstmals mit Stammzellen behandelt

Die Petze im Bärenwald haben schon mal eine Mütze künstlichen Winterschlaf genommen. Während sie unter Narkose schlummerten, zapfte eine Stammzellspezialistin für eine bisher einmalige Behandlung die dicke Fettschicht an.

Stammzellen-Spezialistin Christine Fuchs hatte aus der bäreneigenen Fettschicht Stammzellen gewonnen, mit denen sie die Tiere gegen Arthrose behandelte.
BÄRENWALD Müritz, Thomas Oppermann Stammzellen-Spezialistin Christine Fuchs hatte aus der bäreneigenen Fettschicht Stammzellen gewonnen, mit denen sie die Tiere gegen Arthrose behandelte.

Der Winterspeck kam Christine Fuchs gerade gelegen. Natürlich nicht an ihrer eigenen Bauchpartie, sondern bei den Bären Hanna und Balou. Zum ersten Mal wurde an den beiden Petzen im Bärenwald Müritz am Wochenende eine Stammzellentherapie durchgeführt, um deren Schmerzen zu lindern. Denn auch Bären sind vor Arthrose nicht gefeit.

Dafür entnahm die Stammzellen-Expertin Hanna und Balou Fettgewebe. Die darin enthaltenen sogenannten regenerativen Zellen wurden aufbereitet und den Tieren in die schmerzenden Gelenke injiziert. Eine Therapie, die selbst für die Spezialisten der Münchener Firma eine Premiere war. „Balou und Hanna waren die ersten Wildtiere, die wir in Deutschland mit dem System von InGeneron behandelt haben“, sagte Christine Fuchs.

Auch der Zahnarzt hat zu tun

Die Methode der Fettabsaugung sei ein relativ neues Verfahren, um Fett für Stammzellen zu gewinnen. Das habe bei den Bären sehr gut geklappt. Denn die hatten für den Winterschlaf schon ordentlich gefuttert. „Wir mussten nur einen kleinen, etwa 0,5 Zentimeter großen Schnitt  machen. Beachtlich war hierbei die unglaublich dicke Haut der Bären, und dass sie sehr viel Fettgewebe hatten – was uns die Arbeit leichter gemacht hat“, sagte die Expertin, die die Gelegenheit nutzte, dass die Bären ohnehin in Narkose waren.

Denn auch die große Visite beim Zahnarzt stand an. Der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose, Spezialist für Wildtierzahnmedizin, hatte gleich fünf Braunbären auf seinem Zahnarzttisch - für Wurzelbehandlung, Fangzahnziehen und Zahnsteinentfernung. Mittlerweile sind alle fünf Bären wieder fit und können weiter für den Winterspeck futtern.