Keine Passagiere:

Bahnstreik trifft Taxi-Gewerbe hart

Alle Räder stehen still, wenn der Lokführer es will. Doch der Streik der Deutschen Bahn beschert noch weiteren Fahrzeugen eine Zwangspause. Denn was in Berlin etwa das Taxi-Gewerbe ins Rollen bringt, bedeutet an der Müritz pure Langeweile.

Bis zu zehn Taxifahrer warten am Bahnhof auf Kundschaft. Üppig war die noch nie. Doch mit dem Bahnstreik kommt nun fast niemand mehr dort an. Hartes Brot für die Taxifahrer.
Carina Göls Bis zu zehn Taxifahrer warten am Bahnhof auf Kundschaft. Üppig war die noch nie. Doch mit dem Bahnstreik kommt nun fast niemand mehr dort an. Hartes Brot für die Taxifahrer.

So langsam wird Heinrich Niemann ungehalten. Seit drei Stunden hat der Taxifahrer seinen beigen Mercedes nicht bewegt, hört Radio und blickt auf den nahezu menschenleeren Warener Bahnhof. Dass der Bahnstreik ihn und seine Kollegen derart treffen würde, das hat er nicht gedacht.

Wenn es nun den Mega-Streik bei der Deutschen Bahn gibt, werde das dem einen oder anderen vielleicht sogar das wirtschaftliche Genick brechen, so seine Befürchtung. Waren es sonst wenigstens bis zu drei Stadtfahrten oder eine weitere auswärts, stehen sich die Autos in diesen Tagen die Räder platt. So viel Sudoku und Kreuzworträtsel kann man gar nicht lösen. „Wenn weniger Leute hier ankommen, dann nehmen auch weniger ein Taxi. Und viele von denen, die überhaupt noch ankommen, fahren mit dem Bus weiter“, sagt Niemann. So locker säße das Geld der Leute hier nicht, dass sie statt der Bahn ein Taxi nehmen, um beispielsweise nach Bützow oder gar Berlin zu kommen. Und mal eben zur S-Bahn – das gibt es nur in Großstädten. Somit bleiben er und seine Kollegen oft lange allein in ihren Autos.

Malchow liegt auch an einer Bahnstrecke, und die wird von der Eisenbahngesellschaft  ODEG bedient. Deren Mitarbeiter streiken zwar nicht, die Züge rollen, aber die Auswirkungen des Bahnstreiks sind trotzdem in der Inselstadt zu spüren. „Wir haben weniger Fahrten“, sagt Eva-Maria Kemnitz von Taxi Kemnitz. Wenn Reisende mit der Deutschen Bahn nicht bis nach Waren oder Hagenow gelangen würden, können sie auch nicht in den ODEG-Zug bis nach Malchow steigen. „Dadurch fehlen uns die Kunden“ erklärt die Unternehmerin. Sie könne immer weniger Verständnis für die wiederholten Streiks der GdL aufbringen: „Die Pendler zahlen die Zeche, wenn die Lokführer streiken, ein ganze Land leidet darunter. Ich finde, dass es bei dem Streik um persönliches Machtgerangel geht“, kritisiert die Malchowerin.