Historie:

Beschönigende Ostalgie ist hier fehl am Platz

Der einstige Pastor Eckart Hübener berät Betroffene von Systemunrecht in der DDR. Er selbst hat Widerstand geübt und Leid erfahren: Als Theologiestudent saß er im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen.

Pastor i.R. Eckart Hübener möchte nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass es dem Engagement und dem Leiden einiger zu verdanken sei, dass wir heute in einer Demokratie leben.
v Pastor i.R. Eckart Hübener möchte nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass es dem Engagement und dem Leiden einiger zu verdanken sei, dass wir heute in einer Demokratie leben.

 Die DDR ist seit  Jahrzehnten nicht mehr, aber in allen, die dort lebten, hat sie Spuren hinterlassen - auf sehr subtile Weise,  oft mit weitreichenden, nicht zu verharmlosenden Folgen.

Deshalb leistet Pastor i.R. Eckart Hübener aus Rambow einen für die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit wichtigen Dienst: Er bietet an, Betroffene von Systemunrecht und Gewalt in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR zu beraten, unterstützt durch Caritas Mecklenburg und Diakonie.

Der ehemalige Pastor macht die Dimensionen deutlich, die so eine Beratung dringend notwendig sein lassen. Beschönigende Ostalgie ist da fehl am Platz, wenn man hört: „Viele Hunderttausend saßen aus politischen Gründen im Gefängnis. Sie wurden allein wegen Literatur, wegen politischer Witze, wegen Reisewünschen eingesperrt. Die Kinder wurden in einigen Fällen zwangsadoptiert, Jugendliche ohne Gerichtsurteil in gesonderten Heime gesperrt und dort mit kalten Wasserduschen ,erzogen‘: Sie mussten in 120 Zentimeter hohen nassen Zementkammern tagelang ausharren“, weiß Eckart Hübener, der schließlich selbst ein Betroffener war.

Als Theologiestudent aus Neustrelitz nämlich saß Hübener Anfang der 1980er Jahre Monate lang im Stasi Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Wo er sich stundenlangen Verhören unterziehen musste, nur weil er Zeitschriften der streikenden Gewerkschaft Solidarnosc aus Polen in DDR bringen wollte. Der Vorwurf: Er hatte gegen die Zollvorschriften verstoßen.

Eckart Hübener begründete dies mit seinem persönlichen Informationsbedürfnis, wie aus einem jüngst ausgestrahlten Fernsehbericht hervorgeht. Letztlich zählte er zu einem der politisch Inhaftierten, die vom Westen freigekauft werden sollten. Pro Häftling sollte es 40 000 D-Mark geben, später wurde die Summe auf 95 000 erhöht. Der umtriebige DDR-Anwalt Wolfgang Vogel schließlich hatte Hübener ungefragt auf die Freikaufs-Liste gesetzt. In einem Bus sollte Hübener mit anderen Häftlingen in den Westen gebracht werden, hieß es in der Sendung weiter.

Aber Hübener wollte diesen Menschenhandel nicht mitmachen, sich „nicht ‚rausdrücken lassen aus einem Land, in dem es noch so viel zu erledigen gab“, und in dem immerhin noch seine Familie sowie sein Arbeitgeber, die evangelische Landeskirche waren. „Das alles war kein Spaziergang in Disneyworld“, kommentiert der einstige Pastor das Unrecht in der DDR, derart in Menschenleben einzugreifen.

Man sollte sich heute deshalb immer wieder vergegenwärtigen, dass es dem Engagement und dem Leiden, dem Widerstand einiger zu verdanken sei, dass „wir heute in einer Demokratie leben und zum Beispiel jeder Hartz4-Empfänger ein Handy und Internetzugang sein eigen nennen kann“, findet Hübener. Zum Glück gebe es Gedenkstätten, wie in Berlin-Hohenschönhausen, Rostock, Neustrelitz oder auch in Torgau. „Wir sind verpflichtet, die Leiden der Vergangenheit, deren Tragweite heute immer mehr offenbar wird, durch solche Beratungsangebote zu lindern.“

Diktaturfolgen-Beratung von Caritas und Diakonie mit Pastor i.R. Eckart Hübener, Alter Pfarrhof Rambow, Tel:039953-70249.

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