Riskantes Überholmannöver:

Bewährungsstrafen für Raser nach Unfall mit zwei Toten

Durch Raserei haben zwei Autofahrer einen Unfall mit zwei Toten und zwei Schwerverletzten verursacht. Ein 35-Jähriger wollte den anderen Angeklagten nicht vorbei lassen. Die Fahrer erhalten jetzt Bewährungsstrafen.

Neben zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafen verurteilte das Gericht die Verursacher des Unfalls zu Geldauflagen von jeweils 3000 Euro.
Udo Roll Neben zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafen verurteilte das Gericht die Verursacher des Unfalls zu Geldauflagen von jeweils 3000 Euro.

Im Prozess um einen Autounfall mit zwei Toten und zwei Schwerverletzten hat das Amtsgericht Waren gegen beide Verursacher Freiheitsstrafen verhängt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. "Beide sind der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung schuldig", sagte Richterin Alexandra Sprigode-Schwencke am Mittwoch. Ein 46-jähriger Angeklagter erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ein 35-Jähriger von 16 Monaten - beide Strafen wurden jeweils zu einer Bewährung von drei Jahren ausgesetzt. Jeder der Männer muss außerdem eine Geldsumme in Höhe von 3000 Euro zahlen.   

Den jüngeren Angeklagten sprach das Gericht auch der Verkehrsgefährdung schuldig. Er muss seinen Führerschein abgeben. Er habe mit seinem 200 PS starken Auto durch kräftiges Gasgeben verhindert, das der Ältere ihn nicht gefahrlos überholen konnte - und so den Unfall mitverursacht. "Sie haben die Gefahr heraufbeschworen und eskalieren lassen", sagte die Richterin. Nach dem Motto: "Was willst du eigentlich." Die Staatsanwaltschaft hatte von einem "Kräftemessen auf der Straße" gesprochen.

Ein Paar kommt auf Weg zur Hochzeit ums Leben

Die Tragödie hatte sich im Juni 2013 auf der engen Bundesstraße 192 bei Waren ereignet. Der ältere Angeklagte erklärte vor Gericht, er habe an der letzten Ampel gehupt, weil der vor ihm fahrende Wagen nicht losfuhr. Dann habe er den Wagen des 35-Jährigen überholen wollen, aber dieser habe ebenfalls bis auf Tempo 140 beschleunigt. Ein Zeuge beschrieb, wie er vor dem Zusammenstoß ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" der Autos der Angeklagten beobachtete.

Nach kurzen Abbremsen konnte der ältere Angeklagte kurz vor dem Unfall den 35-Jährigen doch noch überholen, streifte den Wagen des Rivalen aber beim Einscheren. Das Auto schleuderte gegen die Leitplanke und einen Baum, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. In das Wrack fuhr das entgegenkommende Auto, in dem ein 59-Jähriger, seine 56 Jahre alte Frau und der 15-jährige Sohn saßen. Die Eltern starben, der Junge wurde schwer verletzt. Die Familie war auf dem Weg zu einer Hochzeit. Auch eine Frau aus einem vierten Auto, das in die Unfallstelle fuhr, erlitt schwere Verletzungen.

Ein Angeklagter zeigt Reue

Im Prozess zeigte der ältere Angeklagte mehrfach Reue und bot der Familie - das Paar hinterließ drei Kinder -  seine Hilfe an. "Es tut mir leid, aus heutiger Sicht hätte ich bremsen und mich wieder einordnen müssen", sagte er. Der 35-jährige Mann bestritt, den 46-Jährigen behindert zu haben.

Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die ähnlich hohe Haftstrafen, aber Bewährung nur für den geständigen 46-Jährigen verlangt hatte. Der Verteidiger des Älteren hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Der Anwalt des 35-Jährigen wollte einen Freispruch für seinen Mandanten. Den Einzug des Führerscheins begründete die Richterin auch mit einer Geschwindigkeitsübertretung des 35-Jährigen von 107 Stundenkilometern sechs Monate nach dem Unfall. "Das hat mich entsetzt. Das ist ein Ausdruck von Rücksichtslosigkeit", sagte die Richterin.

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