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Brutale Liebe kommt vor Gericht

Ein Mann rastet aus und geht auf seine Freundin los. Vor Gericht spielt das Opfer die Tat jedoch herunter, nimmt ihren Peiniger in Schutz.

Die Messer-Attacke? Ach, halb so schlimm, meint die Freundin. Sie habe ja auch zugeschlagen.
NK-Montage/Udo Roll Die Messer-Attacke? Ach, halb so schlimm, meint die Freundin. Sie habe ja auch zugeschlagen.

Täter und Opfer haben sich wieder lieb. Dirk R. und seine Freundin Ricarda B. sind zusammen ins Warener Amtsgericht gekommen, unterhalten sich, lachen. So harmonisch war das Verhältnis zwischen den beiden aber nicht immer. Dirk R. hat seine Ricarda laut Anklageschrift vor einem halben Jahr geschlagen, gewürgt und ihr ein Brotmesser an die Kehle gehalten. „Ich stech dich ab“, hatte er ihr gedroht.

Für die Staatsanwältin ist das gefährliche Körperverletzung und Bedrohung. Doch der Angeklagte kann sich nicht recht erinnern. Er sei betrunken gewesen. „Es ist jetzt aber alles wieder in Ordnung zwischen uns“, beteuert Dirk R. noch. Diese Harmonie möchte auch Ricarda B. nicht zerstören. Sie will unbedingt verhindern dass ihr Freund und Peiniger verurteilt wird.

Er hatte nur ein bisschen gewürgt

Vor dem Prozess hatte B. bereits versucht, die Anzeige gegen Dirk R. zurückzuziehen. „Das geht bei dieser Straftat nicht“, erklärt ihr der Richter und fordert sie auf, den Zwischenfall zu schildern. „Wir hatten eine kleine Rangelei. Er hat mich in den Würgegriff genommen, aber gleich wieder losgelassen“, verharmlost die Freundin den Übergriff ihres Freundes. Dann habe Dirk R. habe mit dem Messer vor ihr gestanden. „Aber ich habe ihn ja auch gereizt und zugehauen“, nimmt die Zeugin den Angeklagten in Schutz.

Wie brutal Dirk R. gegen seine Freundin vorgegangen ist, zeigen die Fotos der Polizei: Ricarda B. hatte Druckstellen am Arm und am Hals, die Nase und ein Auge waren stark geschwollen. In der Ermittlungsakte ist ebenfalls erwähnt, dass die Frau vorübergehend bewusstlos war. Nicht durchs Würgen, sondern durch den Sturz auf den Boden sei das passiert, erzählt Ricarda B. Damit würde aus der gefährlichen eine einfache Körperverletzung, die nicht zwangsläufig mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden muss.

Die Staatsanwältin belässt es bei einer einfachen Körperverletzung und der Bedrohung mit dem Messer. Weil Dirk R. aber bereits 15 Vorstrafen auf dem Kerbholz hat, reiche eine Geldstrafe nicht mehr aus. Die Anklägerin fordert fünf Monate Freiheitsstrafe, die zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt werden soll. Dem schließt sich auch Richter Kasberg an.