Er will es genau wissen:

Bürgermeister in spe stellt sich Stasi-Check

Hat er nun oder hat er nicht? Ganz klar, einen Tarnnamen hat er gehabt und auch diverse Dinge unterschrieben.  Doch kann Jürgen Schulz damit Gemeindeoberhaupt werden? Das ist die Frage, die viele Vipperower bewegt.

Jürgen Schulz ist in Vipperow auch Feuerwehrchef – seit 19 Jahren. Nun geriet er ins Rampenlicht, weil er seine Stasi-Mitarbeit öffentlich machte.
Elke Enders Jürgen Schulz ist in Vipperow auch Feuerwehrchef – seit 19 Jahren. Nun geriet er ins Rampenlicht, weil er seine Stasi-Mitarbeit öffentlich machte.

Noch immer ist die Gemeinde Vipperow ohne neues Gemeindeoberhaupt. Sabine Siedler (Wählergemeinschaft) führt als erste Stellvertreterin die Amtsgeschäfte. Dabei wollten die Vipperower längst einen Nachfolger bestimmt haben. Alle anderen Gemeinden rund um die Müritz hatten ihre konstituierenden Sitzungen im Juni. Warum nicht Vipperow? Was war los?

Weil sich bei der Kommunalwahl kein Direktkandidat gefunden hatte, sollte das neue Gemeindeoberhaupt aus der Mitte der Vertreter gewählt werden. Einen Vorschlag hatte Sabine Siedler auch unterbreitet: Sie plädierte für Jürgen Schulz (parteilos, Liste SPD), der seit 1995 Feuerwehrchef im Ort ist. Ein Name, der auf Wohlwollen stieß. Auch Jürgen Schulz selbst zeigte sich für das Amt offen – unter einer Bedingung, er wollte sich vorab seine Unbedenklichkeit bescheinigen lassen hinsichtlich seiner früheren Stasi-Mitarbeit, wie er kundtat.

Eine Offenbarung, die im Umfeld von Jürgen Schulz auf Befremden stieß und kontroverse Diskussionen hervorrief.

Dorfbewohner müssen sich weiter gedulden

Erst Anfang Oktober werden die Gemeindevertreter entscheiden, ob Schulz tatsächlich neuer Bürgermeister wird. Das Ergebnis aus der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ist dagegen schon offiziell. Dass er anderen Personen geschadet habe, sei nicht nachweisbar, heißt es unter anderem in dem Antwortschreiben.

Aber wie sah seine inoffizielle Mitarbeit (IM) aus? „Ich habe Protokolle unterschrieben, selbst Verschwiegenheitsprotokolle. Ich habe aber keinem geschadet und keine Zuwendungen bekommen.“ Doch warum hat er sich darauf eingelassen? Von Beruf gelernter Schlosser hatte er damals auch im Russenobjekt auf einer Anhöhe zwischen Melz und Priborn zu tun. Er führte Schweißarbeiten aus.

Erklärungen für das lange Schweigen

Aufgrund seiner Russischkenntnisse aus der Schulzeit wurde er öfter geholt. Und danach sei die Stasi auf ihn zugekommen, um ihm Fragen zu stellen, etwa zu den Waffen, die er dort gesehen habe. In dem Objekt waren Flugabwehrraketen postiert. Damals musste er dafür unterschreiben, dass er über die Unterhaltungen kein Wort verliert. Schulz sah sich unter Druck, Aussagen zu machen. „Sonst hätte man mir Strafe angedroht, das war unter vier Augen, knallhart“, wie er schilderte. Warum er sich erst jetzt outet? „Ich hätte das viel eher getan, wenn mich jemand gefragt hätte.“ Seit 15 Jahren ist er Gemeindevertreter. Manche hätten ihm jetzt auch gesagt, den Mut aufzubringen, die Sache öffentlich zu machen, sei erstaunlich.

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