Alt Schwerin:

Dach wird aus Stroh „gesponnen“

VonPetra KonermannWas lange währt, wird endlich gut. Die Präsentationshalle des Agroneums bekommt was aufs Dach, und zwar einen ungewöhnlichen ...

Firmeninhaber Ulf Behrend steuert den Kran, der die Ballen aufs Hallendach bewegt.

VonPetra Konermann

Was lange währt, wird endlich gut. Die Präsentationshalle des Agroneums bekommt was aufs Dach, und zwar einen ungewöhnlichen „Baustoff“.

Alt Schwerin.Wie aus Stroh zwar kein Gold, dafür aber ein Dach „gesponnen“ wird, das ist derzeit im Alt Schweriner Agroneum zu erleben. Der Warener Architekt Thomas Kisse hatte der neuen Präsentationshalle nicht nur ungewöhnliche Wände und Fassaden gegeben – schräge Edelstahlträger symbolisieren wogende Getreidefelder und gleichzeitig auch Sonnenstrahlen –, sondern sich auch etwas Besonderes als Dacheindeckung einfallen lassen: einen Strohriegel aus rund 400 Strohballen. Dachdecker Ulf Behrend und seine Kollegen haben das ungewöhnliche Projekt realisiert. „Das ist etwas Einmaliges. Wann hat man denn schon mal die Möglichkeit, ein Dach ganz aus Stroh zu bauen“, ist Firmeninhaber Behrend stolz. Dass dabei auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten waren, das war dem Fachmann klar und auch kein Problem. „Das ist nun mal kein Projekt von der Stange. Das ist eine Herausforderung.“
So griffen die Dachdecker zu ungewöhnlichem Handwerkszeug. Mit einer großen Stahlnadel wurde Strohballen für Strohballen an das Hallengewölbe genäht. Damit das Gewölbe, das erst im Inneren der Halle zu erkennen ist, auch wirklich hält, musste mit zugeschnittenen Holzkeilen für Stabilität gesorgt werden. Dass einige Ballen nicht ganz das vorgeschriebene Maß hatten, ärgert den Warener Dachdecker doch ein bisschen: „Dadurch sind an einigen Stellen Lücken entstanden. Aber das kriegen wir bestimmt auch noch hin“, meint Ulf Behrend, der weiß, dass von vielen Besuchern das Dachprojekt im Agroneum mit Argusaugen verfolgt wird. Denn bis die ungewöhnliche Architektenidee ihren Weg vom Papier in die Realität fand, vergingen zwei Jahre. Anfangs hatte ein Landwirt den Landkreis als Bauherr des umgestalteten Agroneums im Regen stehen lassen. Obwohl die Ballen bereits bezahlt waren, konnte oder wollte der Landwirt nicht liefern. Die nächste Schlappe folgte 2011: Die Ernte fiel so schlecht aus, dass Stroh in ausreichenden Mengen einfach nicht zu bekommen war. 2012 sah alles anders aus: 400 Ballen, im Quaderformat gepresst, wurden planmäßig ins Agroneum geliefert. „Doch dann machte uns der Winter einen Strich durch die Rechnung“, berichtet Museumsleiter Axel Müller. Erst nach Ostern konnte mit dem Einbau der Strohballen begonnen werden. Komplett fertig sein soll das Dach dann im Juni, doch schon jetzt ist die Präsentationshalle ein Hingucker.

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