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Das einstige Problem-Kind wird zur Augenweide

VonSören MusyalChristiane Zechbauer ist Leizens Bürgermeisterin. Woldzegarten, sagt sie, hat sich zwar gemacht. Aber es gibt noch einiges zu ...

VonSören Musyal

Christiane Zechbauer ist Leizens Bürgermeisterin. Woldzegarten, sagt sie, hat sich zwar gemacht. Aber es gibt noch einiges zu tun.

Woldzegarten.„Ich mache es einfach wie der Papst“, versichert Christiane Zechbauer. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Leizen will zur nächsten Kommunalwahl nicht mehr antreten. Weil die Kräfte wegen des fortgerückten Alters nicht mehr reichten, wie Papst Benedikt XVI. bei seinem Rücktritt sagte.
Der große Unterschied aber ist: „Auf den Posten gehört junges Blut“, sagt Zechbauer, die dem Papst a. D. mit dieser Einsicht einiges voraus hat. Dabei ist das Gemeindeoberhaupt, also Christiane Zechbauer, im noch gar nicht päpstlichen Alter von erst 53 Jahren. Dennoch wird sie 2014, wenn die Wahlen sind, 30 Jahre im Amt gewesen sein – drei Päpste lang. Im Land war niemand länger Bürgermeister als Zechbauer.
Und damals, vor ein paar Jahren, sei Woldzegarten immer ein Problemkind gewesen. „Es war den Leuten nie ordentlich und sauber genug“, erinnert sie sich. Aber heute, nachdem man viel Mühe investiert hätte: „Eine richtige Augenweide.“
Alles sei sauber, der Gutshof liebevoll saniert und die Badestelle in Woldzegarten erfreue sich über das Dorf hinaus großer Beliebtheit. Nichts zu meckern also? „Es gibt keinen Gehweg, aber das ist schwer realisierbar.“ Das Dorf sei sehr lang und die Besitzverhältnisse oft ungeklärt. Es sei aber eine Herzensangelegenheit, die sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben will. „Schließlich sind Gartenzäune und Gräben oft direkt neben der Straße.“ Wenig Platz für Fußgänger also.
Und viel Platz für Schnee. „Die Häuser liegen weit auseinander. Wer soll den Bürgersteig da im Winter räumen“, fragt sich Lilly Walter. Sie lebt seit 83 Jahren in Woldzegarten und hätte bisher nie einen Gehweg gebraucht. „Die Autofahrer müssen sich anpassen. Und das tun sie eigentlich auch“, findet sie. Nein, nein, einen Gehweg brauche Woldzegarten ihrer Meinung nach nicht. Stattdessen solle sich mal jemand um den alten Glockenturm kümmern.
Das werde dieses Jahr leider nichts mehr, vertröstet Christiane Zechbauer. „Aber im kommenden Jahr wird der Turm soweit wie nötig abgetragen und wieder aufgebaut.“ Eine Nachricht, über die sich Lilly Walter freuen dürfte. Wenngleich die Glocke verschwunden bleibt. Es habe immer das Gerücht gegeben, die Glocke sei zu DDR-Zeiten nach Röbel gebracht worden, erzählt die Bürgermeisterin. „Ich war mit Frau Walter dort, aber der Beschuldigte wies alle Vorwürfe von sich.“ Allerdings hoffe sie noch immer auf einen ehrlichen Finder oder jemanden, der einen Tipp gibt.
Einen Nachfolger für ihr Amt gebe es indes noch nicht. Ein bisschen Verständnis hat Zechbauer aber: „Der Bürgermeister ist der Pfahl, an dem sich jeder scheuert“, habe ihr mal jemand gesagt. „Recht hatte er.“

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