Warener befürchten Lärm:

Heiße Diskussion um die Ortsumgehung

Eine neue Lärm-Studie soll zeigen, wie sich der Bau einer Ortsumgehung in Waren auswirkt. Das Gutachten wollten sich Dienstag gut 200 Warener anhören. Und dann wurde heftig diskutiert.

Mehr als 10000 Fahrzeuge nutzen täglich die Bundesstraße durch Waren.
Carsten Schönebeck Mehr als 10000 Fahrzeuge nutzen täglich die Bundesstraße durch Waren.

19.05 Uhr: Der offizielle Teil ist jetzt beendet. Es geht an die so genannten Expertentische um individuelle Fragen zu beantworten. Abschließende Worte vom Verkehrsexperten Schiller aus Dresden: "Denken Sie daran, Lärm spielt für die Planung des Bundesverkehrswegeplanes keine Rolle." Er warnt davor: Es wird nicht ruhig werden, weil eine Touristenmetropole immer mit Waren beliefert werden muss. Daran ändert die Ortsumgehung nichts.

19.00 Uhr: Was zu erwarten war: Der Vertreter des Ministeriums hat wenig Sympathien bei den Gegnern der Ortsumgehung. Die sagen: Die Abstimmung entspricht nicht der Verfassung. Wulfhorst entgegnet: Es gibt tatsächlich keine rechtliche Grundlage dafür. Aber damit sei es auch noch lange nicht verboten. Der Minister verpflichte sich freiwillig, sich daran zu halten. Ein Zuschauer befürchtet, die Kosten würden unterschätzt, der künftige Verkehr weit überschätzt. Wulfhorst: "Wenn sie das so sehen, dann müssen Sie eben dagegen stimmen."

18.53 Uhr: Abstimmen dürfen übrigens alle Warener ab 16 Jahren. Benachrichtigungen wird es gesondert nicht geben. Auch keine Briefwahl. Wulfhorst räumt ein: Das soll Geld sparen. Wer am 22. September nicht zur Abstimmung gehen kann, hat ab kommendem Montag die Möglichkeit, das vorher im Einwohnermeldeamt zu erledigen. Achtung: Gewählt werden kann nur im Wahllokal, in das man auch zur Wahl des Bürgermeisters und des Bundestages geladen ist. Ein Ergebnis wird der Landesminister übrigens erst am 25. September verkünden.

18.50 Uhr: Reinhard Wulfhorst vom Ministerium für Infrastruktur erklärt und rechtfertigt das Bürgervotum. Und wieder gibt es Zwischenrufe. Wulfhorst verteidigt insbesondere die Tatsache, dass die Bürger nicht über die Varianten abstimmen dürfen. "Wir müssen den Realitäten ins Auge sehen. Wie und wo gebaut wird, müssen die zuständigen Behörden nach entsprechenden Prüf-Verfahren entscheiden. Wir dürfen den Bürgern nicht vorgaukeln, sie könnten das entscheiden."

18.48 Uhr: Jetzt wird es sehr detailliert. Hat die Wohnungsgesellschaft Waren nun in einzelnen Wohnungen Schallschutz installiert? Und hat Herr Möhler das auch überprüft und eingerechnet? Hat er übrigens nicht.

18.46 Uhr: Eine Zuschauerin mahnt: Auch wenn die Umgehung kommt bleibt viel Verkehr in der Innenstadt. Nur sind Mozartstraße und Co dann keine Bundesstraße mehr. "Die Stadt muss dann für die Instandhaltung zahlen. Da wird kein Geld für Lärmschutz bleiben." Der Chef des Straßenbauamtes bezweifelt derweil die Effizienz des so genannten Flüsterasphalts. "Die Wirkung ist kurzfristig, dann setzen sich die Poren zu. Eine langfristige Lärmminderung damit entspricht nicht dem Stand der Technik."

18.40 Uhr: Wilhelm räumt ein: Bisher ist wenig passiert an der jetzigen Bundesstraße. Einziger Erfolg: Nächtliches Tempo 30 für Lkw. Allerdings arbeite man an einem Aktionsplan. "Es hängt natürlich viel davon ab, wie sich die Bürger am 22. September entscheiden." Rainer Espig lädt dazu ein, am Lärm-Aktionsplan mitzuwirken. Dafür müsse man allerdings noch der richtige Rahmen finden. Er wirkt dabei allerdings ein wenig desillusioniert. Ob er glaubt, dass es helfe, wenn sich viele einbringe, will der Moderator wissen. Espig verweist auf mangelnde hellseherische Fähigkeiten. Sonst würde er Lottozahlen tippen.

18.36 Uhr: Jetzt wird es ein bisschen aggressiver. Einer der Aktivisten gegen die Umgehung ruft laut dazwischen und greift das Gutachten an. Sein Argument: Die Lärmgeschädigten im Norden, die eine Umgehung mit sich bringt, kommen zu kurz. Damit ist die Diskussion zum Lärm-Gutachten dann auch beendet. Als nächstes sprechen Stadtvertreter Rainer Espig und Herr Wilhelm vom Bauamt. Es geht um die Möglichkeiten der Stadt den Lärmgeschädigten zu helfen.

18.32 Uhr: Möhler erläutert, dass der Bahnlärm bisher nicht mit in das Modell eingerechnet sei. Zur Orientierung will er das noch mal nachholen und zur Verfügung stellen.

18.30 Uhr: Vorschlag aus dem Publikum: Flüsterasphalt statt Ortsumgehung. Das bringe ungefähr den doppelten Schallschutz. Mathematisch gibt Möhler recht. Allerdings: Auf so eine Maßnahme besteht nur Rechtsanspruch wenn eine Straße neu gebaut wird. Ob der Bund oder sonst ein Geldgeber bereit ist, den Flüsterasphalt in der Innenstadt zu bezahlen sei sehr fraglich.

18.25 Uhr: Jetzt sind die Kritiker der Brückenbauten am Zug: Man verabschiede sich durch so einen Bau vom Erholungsort und erst recht vom Status Heilbad. Das betreffe letztlich alle, die Erholung suchen - Touristen wie Anwohner. Möhler erläutert noch mal: Auch mit Ortsumgehung werden vielerorts die Richtwerte in der Innenstadt überschritten. Die Eingaben aus der NPD ersparen wir uns an dieser Stelle.

18.20 Uhr: Eine passionierte Radlerin will wissen: Wie sieht es mit den Effekten für Fußgänger und Radler aus. Laut Möhler gewinne man durch die Verkehrsverlagerung auch Platz für breitere Radwege. Ob das die gewünschte Antwort war, bleibt offen. Der nächste Publikumsjoker weist darauf hin, dass die Dezibel eben keine lineare Größe sind. Soll heißen: 10 Dezibel weniger und der Mensch gewinnt den Eindruck, der Lärm habe sich halbiert. Er betont die gesundheitlichen Risiken durch den Lärm, aber auch durch den Verkehr selbst. Schließlich wären auch viele Kinder in der Innenstadt unterwegs. Möhler wiederholt sich ein wenig: Durch eine Ortsumgehung gibt es weniger Verkehr. Das sorgt an der Mozartstraße für 2 bis 3 Dezibel weniger. Mit zusätzlichen Maßnahmen käme man auf sieben bis acht Dezibel. "Das ist schon eine Hausnummer", so der Ingenieur. Er erklärt außerdem: Es geht hier immer um Mittelwerte und nicht um den Moment in dem der Lkw vorbei fährt.

18.15 Uhr: Der Moderator drängelt ein bisschen. Möhlers Fazit: Die ungeliebte Brücke über den Tiefwarensee hätte den insgesamt größten Effekt. Er weist aber noch mal darauf hin: Die Ortsumgehung allein reicht nicht aus. Allerdings gewinne die Stadt durch den Bau zusätzliche Möglichkeiten den Lärm durch Baumaßnahmen zu reduzieren. Möhler endet damit. Jetzt kann das Publikum Fragen stellen.

18.11 Uhr: Möhler zeigt jetzt die Varianten im Vergleich. Gerechnet hat er mit 16.000 Einwohnern, die von der Ortsumgehung betroffen wären - positiv oder negativ. Derzeit sind knapp 20 Prozent erhöhtem Straßenlärm in der Nacht ausgesetzt. Der Richtwert liegt bei 45 Dezibel. Gesundheitsgefährdend wird es ab 60 Dezibel. Das betrifft knapp drei Prozent. Alle Varianten würden da helfen. Besonders hilfreich sind die Varianten 1 bis 3. (Nördliche Umfahrung).

18.07 Uhr: Die Technik macht dem Live-Ticker noch ganz schön zu schaffen. Wir hoffen, Sie bekommen trotzdem alles korrekt angezeigt. Das Publikum lauscht den Ausführungen beeindruckend konzentriert. Das Gutachten soll ab morgen übrigens auf der Internetseite des Bürgerdialogs stehen. www.dialog-waren.de

18.03 Uhr: Jede Menge Karten und Diagramme. Die Varianten 1 bis 3, die um die Stadt herum führen, würden deutlich mehr Menschen entlasten als belasten. Allerdings: Nicht jede rechnerische Belastung hilft. Denn spürbar sind laut Möhler erst Lärmreduzierungen ab etwa zwei Dezibel.

17.55 Uhr: Möhler erklärt, dass Gutachten fuße auf Zahlen des Straßenbauamtes in Neustrelitz. Lärmschutz für die möglichen Umgehungen ist soweit eingerechnet, wie ihn der Gesetzgeber vorschreibt. Die Studie, so Möhler, sei sehr exakt, unterscheide auf den Wohnblock genau, wie viele Leute wo wohnen. Als Modell geht Möhler davon aus, dass die Hälfte der Anwohner ihre Fenster zur Straße haben, die andere Hälfte auf anderen Seiten des Hauses. Ein kurzer Publikumstest zeigt: Die meisten Anwohner, die anwesend sind, haben ihr Schlafzimmer zur Straße hin.

17.50 Uhr: Ulrich Möhler stellt sich vor. Der Ingenieur ist Experte für Lärm und seine Auswirkungen auf den Menschen. Er hat das neue Gutachten erarbeitet. Möhler sagt zum Beginn: EIne Ortsumgehung alleine löst das Problem nicht.

17.44 Uhr: Im Anschluss an die Vorträge stehen die Experten für Lärm und Verkehrsentwicklung für Einzelgespräche zur Verfügung. Ewen erläutert derweil, dass die Variante 1, die über den Tiefwarensee führt, die wahrscheinlichste ist. Über den Verlauf der Umgehung dürfen die Warener im Bürgervotum nicht entscheiden. Das behält sch die Politik vor.

17.35 Uhr: Moderator Christoph Ewen begrüßt die Teilnehmer und erläutert den geplanten Ablauf. Erst sprechen Experten über verschiedene Aspekte der Umgehung. Spannend: Es gibt ein neues Gutachten, dass zeigt wie potenzielle Umgehungen den Straßenlärm in der Stadt verschieben.

17.30 Uhr: Rund 200 Zuhörer haben sich im Warener Bürgersaal eingefunden. Heute die letzte Inforveranstaltung im Rahmen des Bürgerdialogs. Am 22. September sollen die Warener entscheiden: Soll sich das Landesministerium für eine Umgehungsstraße einsetzen oder nicht?