Immer mehr suchen Hilfe bei häuslicher Gewalt:

Der Fausthieb ist viel zu oft Familiensache

Frauen können brutal sein. Männer auch. Doch es geht nicht nur um die Frage nach dem Wer? Es geht darum, wie man den Gepeinigten helfen kann.

Körperliche Gewalt gegen den Partner werde noch viel zu oft vom Umfeld toleriert, sagt Sabine Jonitz von der Beratungsstelle in Waren
Dan Race - Fotolia Körperliche Gewalt gegen den Partner werde noch viel zu oft vom Umfeld toleriert, sagt Sabine Jonitz von der Beratungsstelle in Waren

Tränen. Vor Schmerz. Vor Scham. Vor Verzweiflung. Viele davon fließen heimlich, ungesehen. Aber ebenso viele auch vor den Augen von Sabine Jonitz. Die Mitarbeiterin in der Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt „Klara“ in Waren, kommt ganz nah ran an die Menschen, die Gewalt aller Art in der eigenen Familie erfahren.

Oft leiden Frauen über viele Jahre. Sich daraus zu befreien, dafür möchte Sabine Jonitz mit vielen Helfern da sein. Wer den Weg zu ihr in die Beratungsstelle gefunden hat, der hat den ersten Schritt getan. „Es bedeutet natürlich große Überwindung für die Betroffenen sich zu öffnen, von den schlimmen Erlebnissen zu erzählen“, weiß Jonitz.

Allerdings sind es auch in unseren Breiten längst nicht mehr nur die Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben. Nach Erfahrungen von Sabine Jonitz wären es vor allem jüngere Frauen, die Männer vor allem psychischer Gewalt aussetzen.

Am Schutz der Opfer wird gespart

Von den knapp 1000 Menschen, die von 2001 bis 2013 Rat und Hilfe suchten, waren die meisten Frauen. Vom Ohrfeigen bis hin zur Vergewaltigung reichten die Fälle. Rasche Hilfe habe oft das Frauenhaus in Waren geboten. Doch das wurde 2010 dichtgemacht. Und auch die Schutzwohnung, die die Kommune finanzierte, musste mangels Geld aufgegeben werden.

Häusliche Gewalt, so betont Sabine Jonitz, ist keine Frage des Alters und der Gesellschaftsschicht. In der Stadt und auf dem Land werde gleichermaßen geschlagen, gedemütigt und gedroht. „Ich habe aber die Vermutung, dass Gewalt gegen Frauen in den ländlichen Gegenden noch immer mehr toleriert wird als in Städten“, hat sie in ihrer Arbeit beobachtet.

Die ausgestreckte Hand - zur Hilfe

Wie sieht nun die Hife aus, die Sabine Jonitz und ihre Kollegin in der Warener Beratungsstelle geben können? „Wenn wir erfahren haben, was sich in der Familie abgespielt hat und rasch etwas geschehen muss, dann unterstützen wir dabei, Anzeige zu erstatten, suchen einen Anwalt, arbeiten mit dem Jugendamt und dem Jobcenter zusammen“, informiert sie. Dabei sei alles freiwillig für den Betroffenen. Niemand werde zu irgendeiner Aktion gezwungen.

Wann sieht Sabine Jonitz Erfolg in ihrer Arbeit? „Wenn die Betroffenen uns nicht mehr brauchen und sich an vielen Stellen in unserem Beratungsnetz Hilfe geholt haben und ein selbstbestimmtes Leben führen.“ Bei allem Erfolg sorgt Sabine Jonitz sich dennoch: Um die hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt. „Doch es gibt Hilfe“, appelliert sie.

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