Dem Krebs davonlaufen:

Der Regen gehört mit zum neuen Lebensgefühl

Kann frau dem Krebs davonlaufen? Aber ja, meinen die Frauen, die gerade eine Müritz-Umrundung auf Schusters Rappen wagen. Fast 90 Kilometer lang ist die Strecke. Da bleibt genug Zeit zum Reden, aber auch zum Nachdenken.

25 Frauen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, die an Krebs erkrankt sind, wandern rund um die Müritz - mit viel guter Laune.
Petra Konermann 25 Frauen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, die an Krebs erkrankt sind, wandern rund um die Müritz - mit viel guter Laune.

Noch sehr genau kann sich Birgitt Pluta aus Klocksin an das Gefühl erinnern, das sie beherrschte, als sie die Diagnose Krebs bekam: „Angst, man spürt echte Angst,  und ich habe gedacht, als ich selbst den Krebsknoten in der Brust gefühlt habe, das war es jetzt.“ Heute, neun Jahre nach der erfolgreichen Chemotherapie, bewegt Birgitt Pluta ein ganz anderes, ein neues Gefühl: „So, nun erst recht“, ist ihr Wahlspruch.

Für die meisten Frauen, die sich an der Müritz-Umwanderung der Selbsthilfegruppe nach Krebs beteiligen, bedeutet die Diagnose Krebs ein tiefer Schnitt durch alle Bereiche ihres Lebens: „Nichts ist mehr wie es vorher war“, weiß auch Birgitt Pluta.

Vielen der 25 wandernden Frauen von zehn Selbsthilfegruppen aus dem gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern geht es genauso: Sie wollen ihr Leben, das die Krankheit Krebs auf den Kopf gestellt hat, selbst in die Hand nehmen.

Zum zweiten Mal nach 2012 machen sich Frauen aus dem ganzen Land auf den Weg, um der Krankheit davonzulaufen, aber auch, um ganz gezielt etwas für die Gesundheit zu tun. „Ich habe durch die Krankheit ganz viel gelernt, auch, dass ich jetzt meist nur die Dinge mache, die mir guttun. Meine Prioriäten haben sich verändert“, sagt Birgitt Pluta.

Die Wanderung, die von Waren über Klink, Gotthun, Röbel, Rechlin und Boek wieder zurück nach Waren führt, gehört mit zum neuen Lebensgefühl. Dabei ist es egal, dass es immer wieder mal regnet. „Das ist nicht schlimm, wir haben alle Schlimmeres erlebt“, stellt Brigitt Pluta klar.

Sport, das haben Untersuchungen erwiesen, kann helfen, das Krebsrisiko zu senken. Eine Chance, die die wandernden Frauen nicht ungenutzt lassen wollen. Bei der Wanderung aber geht es um sehr viel mehr. „Es geht um die Gemeinschaft, um das Miteinander in der Gruppe“, sagt Birgitt Pluta.

Eine Mitarbeiterin eines Sanitätshauses war es, die ihr noch im Krankenhaus den Flyer der Frauen-Selbsthilfegruppe ans Bett brachte. „Es war gut, dass ich hingegangen bin. Auch wenn mein Umfeld wirklich sehr verständnisvoll mit mir und meiner Krankheit umgegangen ist, braucht man doch mal jemanden, der genau weiß, was in einem vorgeht, der das Gleiche erlebt hat“, meint Birgitt Pluta.

 

 

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