Die Bahn geht:

Ersatzverkehr wird zur Dauerlösung

Aus eins mach zwei. Die Mecklenburgische Südbahn wird geteilt. Dazwischen klaffen 70 Kilometer Strecke. Die will das Verkehrsministerium mit möglichst flexiblen Angeboten überbrücken. Den Bahn-Fahrern schwant Böses. 

Am Wochenende gab es in Waren erneut Proteste gegen die Verkehrspolitik. Bei einer Festveranstaltung mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hatte die Bürgerinitiative Pro Schiene ihre Banner entrollt.
Carsten Schönebeck Am Wochenende gab es in Waren erneut Proteste gegen die Verkehrspolitik. Bei einer Festveranstaltung mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hatte die Bürgerinitiative Pro Schiene ihre Banner entrollt.

„Alles Umsteigen“, soll es schon bald auf der Strecke der Mecklenburgischen Südbahn heißen. Und das gleich mehrfach. Das Verkehrsministerium des Landes entzieht sich der Sitte, vor Wahlen keine unliebsamen Entscheidungen zu treffen. Am Freitagabend verkündete Minister Volker Schlotmann (SPD) das Aus der Südbahn in ihrer jetzigen Form. (Der Nordkurier berichtete). Statt einer durchgehenden Bahnlinie von Hagenow nach Neustrelitz sollen Reisende künftig zwei Züge und zwei Busse nutzen um das Land zu queren. Die Müritz-Region trifft es dabei besonders hart. Einen regelmäßigen Zugverkehr von Parchim über Malchow nach Waren soll es ab 2015 nicht mehr geben.

Im Ministerium spricht man von „Weiterentwicklung“ und „Bedarfsorientierung“. Bei den Betroffenen klingt das weniger euphorisch. Es sei ein schwarzer Tag für Malchow, kommentiert Stadtvertretervorsteherin Elke-Annette Schmidt (Die Linke). Die Region werde in Sachen Infrastruktur abgehängt. „Man muss sich schon fragen, wie Signale aus der Kommunalpolitik von der Regierung wahrgenommen werden“, so Schmidt. Erst vor wenigen Tagen hatte der Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte an das Ministerium appelliert, die Strecke zu erhalten.

Auch für Monika Göpper, Sprecherin der Initiative Pro Schiene in Malchow, ist der Ersatzverkehr auf der Straße kein Kompromiss. Vielen Älteren Menschen seien die langen Busfahrten nicht zuzumuten. Besonders dann, wenn sie häufig umsteigen müssten. Die Aktivisten nutzten den Wochenend-Besuch von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in Waren, um mit Bannern und Protestrufen auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Sie machen sich auch Sorgen um eine weitere Ausdünnung des Verkehrs. „Wenn ich morgens nur mal zum Arzt will, kann ich jetzt schon ewig auf eine Rückfahrt warten“, so eine Demonstrantin. Wie nicht anders zu erwarten, versprach Sellering keine andere Lösung. Er wolle sich aber mit den Bürgern „an einen Tisch setzen um das Problem zu besprechen“.

Ein Gutachten im Auftrag des Verkehrsministerium hatte in den vergangenen Monaten die Bahnlinie zwischen Hagenow und Neustrelitz unter die Lupe genommen. Die Experten waren zu dem Schluss gekommen, dass ein weiterer Betrieb der Bahnstrecke zwischen Parchim und Waren nur mit hohen Investitionen in die Gleisstrecke möglich sei. Fast 50 Millionen Euro sollte die Modernisierung kosten. Auch im laufenden Verkehr soll die Bus-Lösung dem Land 4 Millionen Euro im Jahr sparen. Dafür wird die Stadt Plau mit in das Verkehrsnetz integriert.

Nicht enthalten in dieser Rechnung ist allerdings das Projekt Müritz-Bahn. In den Sommermonaten soll das Busangebot durch Züge zwischen Malchow und Waren ergänzt werden. damit soll der Touristenstrom abgefedert werden. Doch ob nun Bus oder Bahn: Bisher gibt es noch keinen neuen Fahrplan oder ein Preissystem für die Verkettung der Verkehrsmittel. „Das werden wir in den nächsten Monaten im Gespräch mit den Landkreisen ausloten“, so Ministeriumssprecher Steffen Wehner.

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