Wer hat wen beleidigt?:

Die Mafia-Drohung aus Malchow

Eine Frau fordert nach einer Versteigerung die Herausgabe der Ware. Stattdessen wird sie aber bedroht und kassiert eine deftige verbale Abreibung. Angeklagt wird für die Beleidigung ein Koch aus Malchow. Die Beweise sind aber äußerst dünn.

Der Streit um einen Laptop uferte aus und endete mit Beleidigungen und Drohungen.
NK-Bildmontage mit Foto: Udo Roll Der Streit um einen Laptop uferte aus und endete mit Beleidigungen und Drohungen.

Die Frau aus Dortmund musste wüste Beschimpfungen und Drohungen über sich ergehen lassen. Der Anrufer, so schilderte sie es der Polizei, habe sie angebrüllt: „Du russische Schlampe, ich fi... deinen Sohn und dich in Dortmund. Du bekommst Dein Geld in deinem Grabstein“ Zum Schluss soll der Mann noch geprahlt haben: „Ich bin ein großer Mann der italienischen Mafia.“

Hinter dem Anruf soll nach Ermittlungen der Polizei ein Koch aus Malchow stecken – der 32 Jahre alte Kerim N. Die Staatsanwaltschaft hat den gebürtigen Mazedonier vor dem Warener Amtsgericht wegen Beleidigung angeklagt. „Ich bin ein einfacher Mann, der nur seine Arbeit macht“, übersetzt der Dolmetscher die Aussage des Angeklagten. Er habe überhaupt nicht mit der Frau aus Nordrhein-Westfalen telefoniert, erklärt er gegenüber Richter Michael Kasberg.

Die Beleidigte fordert Geld für einen Laptop

Ein bisschen mehr Licht in diesen merkwürdigen Fall mit Beteiligten aus Malchow und Dortmund soll die Zeugin F. bringen. Sie ist die Freundin des Angeklagten und arbeitet ebenfalls in dem Malchower Restaurant. Während ihres Dienstes im Lokal habe sie einen Anruf erhalten. „Ich habe die Ware von dir noch nicht bekommen“, teilte ihr eine Frau mit. Mit dem Satz kann F. zunächst nicht viel anfangen. „Ich wusste gar nicht, was los war“, erzählt sie im Gericht. Die Anruferin forderte von ihr einen Laptop, den sie über das Internet-Auktionshaus Ebay für 431 Euro ersteigert hatte. Die Restaurantmitarbeiterin  soll die Verkäuferin gewesen sein. „Ich habe das Geld auf ihr polnisches Konto überwiesen“, erklärte ihr die Dortmunderin.

Doch die Zeugin F. hat mit dem Geschäft überhaupt nichts zu tun. Sie ist die falsche Ansprechpartnerin. Wie später auch die Polizei bestätigt, wurde das Ebay-Konto der Malchowerin von Hackern geknackt und für den Betrug mit dem Computer missbraucht – die Kriminellen hatten die Telefonnummer des Restaurants als Kontaktadresse hinterlegt. Im Lokal klingelt daraufhin ständig das Telefon.

Die geprellte Kundin will ihr Geld zurückhaben. Es seien aber auch andere wegen dieser Sache dran gewesen. „Die waren nicht gerade nett“, schildert die Zeugin. Eines der Telefonate soll dann Kerim N. angenommen haben.

Keine weiteren Beweise

„Das war aber ein Toni. Der hat mich beschimpft und bedroht“, erklärt der Anklagte. Er habe aufgelegt und weitergearbeitet. „Mit einer Frau haben sie nicht telefoniert“, fragt Richter Kasberg. Der Koch verneint. Damit ist der Fall schon so gut wie erledigt.

Die Staatsanwältin kann keine weiteren Beweise vorbringen, dass Kerim N. tatsächlich der Anrufer gewesen sei. Sie fordert deshalb in ihrem Plädoyer einen Freispruch. Richter Kasberg schließt sich an. „Wir können ihm die Tat nicht nachweisen“, begründet er sein Urteil. Hinzu komme, dass in der Aussage der Dortmunderin auch einige Widersprüche stecken. In einer Vernehmung habe sie den Akzent des Anrufers als albanisch bezeichnet – bei einer zweiten Aussage dann als türkisch oder arabisch. Gut möglich, dass es die Beleidigung gegeben hat. Nur von Kerim N. kam sie nicht. „Und was gibt‘s heute zu essen“, fragt Kasberg den Koch zum Abschluss der Verhandlung.