Mitten durch Waren:

Die NPD marschiert im Schutz der Dunkelheit

Die Rechtsextremen sind da und keiner hat's gewusst. Jedenfalls nicht rechtzeitig, um den Widerstand gegen den Aufmarsch der NPD-Anhänger zu organisieren.

Fünf Fahnen und drei Fackeln: Mehr hatten die Behörden den Rechtsextremen auf ihrem Zug durch Waren nicht erlaubt.
Carsten Schönebeck Fünf Fahnen und drei Fackeln: Mehr hatten die Behörden den Rechtsextremen auf ihrem Zug durch Waren nicht erlaubt.

Oje, was ist bloß aus der deutschen Pünktlichkeit geworden. Um 19 Uhr sollte es losgehen, da tummelten sich die NPD-Anhänger noch im Schatten des Parkplatzes an der Warener Kietzstraße. Erst deutlich nach 19.33 Uhr setzte sich der Zug der Rechtsextremen in Marsch. Als auch die letzten angereisten Gäste eingetroffen waren. Denn für ihren Gedenkmarsch hatte die NPD sich extra Unterstützung aus Dresden kommen lassen. Gedrängt um einen roten Mini-Bus wurden die letzten Anweisungen von Versammlungsleiter Norman Runge verlesen. Die Kreisverwaltung hatte den Aufzug zwar genehmigt, allerdings auch eine Reihe von Einschränkungen auferlegt, was Transparente, Fackeln und Plakate anging. „Fahnen sind erlaubt. Aber nicht die mit den Winkeln“, wies Runge seine Kameraden an. Der Aufmarsch steht im Zusammenhang mit dem Jahrestag der Luftangriffe auf die Stadt Dresden während des Zweiten Weltkrieges.

Rund 50 Anhänger hatten er und seine stellvertretende Versammlungsleiterin Doris Zutt organisiert, die vom Kietzufer aus gen Marktplatz und von dort in Richtung Schweriner Damm zogen. Eine ähnliche Zahl an Polizisten begleitete den Marsch, der mit einer „Mahnwache“ in der Nähe der Bundesstraße abschließen sollte. Doch außer den Rechtsextremen und den Ordnungshütern waren die Straßen der Innenstadt zur späten Stunde beinahe leer gefegt. Von den Gegnern der Partei war am Donnerstagabend keine Spur.

Demo zu kurzfristig für Gegenwehr

Auch Norbert Möller hat es nicht verhindern können. Dem SPD-Bürgermeister in Waren seien die Hände gebunden gewesen, sagt er. Der Marsch der NPD-Anhänger sei vom Ordnungsamt des Landkreises genehmigt worden. Angemeldet habe die Demonstration der Kreisverband der NPD erst am Donnerstag Vormittag, so der Bürgermeister. „Und ich erfuhr erst am späten Nachmittag von der leidigen Geschichte. Und für ein Verbot hatte ich keine Handhabe.“ Er sei entsetzt, das Neo-Nazis jetzt auch durch Waren marschieren. „Leider eine neue Qualität.“ Für die späte Anmeldung der Sache habe er eine Erklärung, so Möller: „Die wollen natürlich nicht, das sich Gegenwehr organisiert“.

Rudolf Borchert teilt das Entsetzen des Bürgermeisters. Dass die NPD jetzt auch in „seinem“ Wahlkreis ungehindert marschiere, sei kaum zu fassen. „Wenn man das eher gewusst hätte“, so der Landtagsabgeordnete, „dann wäre sicherlich eine Gegendemonstration möglich und notwendig gewesen.“ Die Tatsache, dass die Neo-Nazis die entsetzliche Bombardierung Dresdens und die vielen Opfer für ihre schmutzige Sache missbrauchen, erschüttere ihn immer wieder, so Borchert. Andreas Handy, CDU-Stadtvertreter und Leiter der Europäischen Akademie in Waren, stößt in das gleiche Horn. „Die Bombardierung Dresdens, so tragisch und fürchterlich das gewesen ist, war eine Folge des Beginns der Zweiten Weltkriegs. Und den haben die Deutschen begonnen.“

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Kommentare (1)

und keiner hätte es gewußt, stände es nicht in der Zeitung. In Dresden hat sich bunt statt braun durchgesetzt, nun weicht man aus. Nach Waren an der Müritz? Gebt ihnen möglichst keinen Raum -nicht auf der Straße, nicht in der Zeitung.