:

Dieses Haus kostet Steuerzahler 97000 Euro Kaltmiete - pro Monat!

Schulden in zweistelliger Millionenhöhe drücken den Kreis Mecklenburgische Seenplatte an den Rand der Existenz. 90 schmerzhafte Sparmaßnahmen soll das Überleben sichern. Doch reicht das aus? Wohl kaum. Denn es gibt noch anderen millionenschweren Ballast.

Ein gigantischer Posten im maroden Kreishaushalt: Die horrenden Mietkosten für das Landratsamt in Waren laufen über 30 Jahre.
Andreas Becker Ein gigantischer Posten im maroden Kreishaushalt: Die horrenden Mietkosten für das Landratsamt in Waren laufen über 30 Jahre.

Es ist Mittwoch, kurz nach 12 Uhr. Draußen ziehen dichte Nebelschwaden über die Müritz, leichter Nieselregen und eine dichte Wolkendecke machen den Tag grau. November-Blues. Drinnen ist es zappenduster. Eine kleine Taschenlampe hilft, den langen Gang vorsichtig zu ertasten. Links eine abgeschlossene Tür. "Leerzimmer" steht an der Wand. Einige Schritte weiter - die nächste Tür. "Leerzimmer" heißt es auch dort. Dann plötzlich eine große Karre - voll gepackt mit Umzugskartons. Es folgt der nächste Raum - "Leerzimmer" ist auch hier zu lesen. Der Gang geht weiter, das nächste "Leerzimmer". Ein ganzer Bürotrakt im Erdgeschoss - stillgelegt. Willkommen im Regionalstandort Waren des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte.

35 Millionen Euro Miete für 30 Jahre

Es ist ein gigantischer und repräsentativer Bau, der in den Jahren 1996 und 1997 mit zig Millionen Fördermitteln von einem privaten Investor errichtet worden ist - als Landratsamt für den Landkreis Müritz. Dieser ist mittlerweile Geschichte, die (finanziellen) Folgen aber belasten den neuen Kreis umso mehr. Der Landkreis muss nach eigenen Worten monatlich eine Kaltmiete von 97000 Euro für die 330 Büroräume zahlen. Kurz gerechnet - der Taschenrechner hilft: Seit der Einweihung des Gebäudes am 1. Dezember 1997 betrug die Miete fast 20 Millionen Euro - Steuergelder versteht sich. Von den weiteren Millionen an Strom und Heizung sei an dieser Stelle einmal ganz abgesehen.

Kreis befürchtet keinen Leerstand

Damit nicht genug des millionenschweren Ballast, den der neue Landkreis für diese Immobilie mit schleppt - obwohl sich selbige bereits in der Abwicklung befindet und immer weitere Ämter in die Kreisstadt abgezogen werden. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer endet erst in fast genau 13 Jahren - am 1. Dezember 2027. Wieder leistet der Taschenrechner freundliche Dienste: Bis zum genannten Datum muss der Landkreis nochmals 15,132 Millionen Euro an Kaltmiete zahlen. Wie gesagt: Von Strom- und Heizungskosten ganz zu schweigen.

Auch wenn der Eindruck vor Ort ein anderes Bild vermittelt, dementiert Kreissprecherin Haidrun Pergande auf Nordkurier-Nachfrage, dass es zurzeit Leerstand in dem Gebäude gebe. Nichtsdestotrotz: In Abstimmung mit dem Eigentümer versucht der Landkreis den permanenten Abzug von Mitarbeitern nach Neubrandenburg mit neuen Untermietern zu kompensieren. Aktuell, so die Kreissprecherin, seien 25 Prozent an andere öffentliche Einrichtungen vermietet. Weiterer Bedarf sei angezeigt, so dass das Objekt auch künftig als Behördenzentrum genutzt werde. Insofern sei laut Pressesprecherin zum gegenwärtigen Zeitraum nicht zu erkennen, das mitten in Waren in exponierter Lage ein riesiger Leerstand entstehen würde.