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Dieser Mann kennt sein Stückchen Himmel

Welches Wetter schickt der Himmel? Eckhardt Knust aus Sembzin weiß darüber bestens Bescheid. Jeden Morgen notiert er die Wetterdaten aus seinem Garten und kann damit auf eine beachtliche Reihe verweisen.

Mit der Station im Garten beobachtet Eckhard Knust das Wetter in Sembzin und arbeitet so am deutschlandweiten Wetterbericht mit.
Petra Konermann Mit der Station im Garten beobachtet Eckhard Knust das Wetter in Sembzin und arbeitet so am deutschlandweiten Wetterbericht mit.

Am liebsten mag Eckhard Knust knackigen Frost, begleitet von strahlendem Sonnenschein. Diesen Gefallen erweist der „Wettergott“ dem 61-Jährigen an seinem besonderen Tag aber nicht. Stattdessen April-Wetter in Vollendung. Und das, obwohl der Sembziner eine hohe Auszeichnung bekommt: 25 Jahre lang hat er, Tag für Tag, die Niederschlagsmengen gemessen – im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes.

Eckhard Knust gehört damit zu einem deutschlandweiten Netz von rund 1800 ehrenamtlichen Wetterbeobachtern, die im Dienste genauer Vorhersagen jeden Tag den Blick in den Himmel erheben und mit Messbechern den genauen Niederschlagsmengen auf der Spur sind. Gerade mal ein oder zwei Tage hat er es verpasst, seinem „Wetter-Dienst“ nachzugehen. Mehr nicht, denn längst ist der tägliche Gang zu seiner Wetterstation zum Ritual geworden. „Ich war Landwirt, da schaut man ohnehin immer nach dem Wetter. In diesem Beruf ist man davon abhängig, was vom Himmel kommt“, meint Knust, der vor zehn Jahren die Sembziner Wetterbeobachtung übernommen hat.

Wetterfrosch - nicht ohne meinen Wecker

Zuvor hatte er schon in seinem alten Heimatort Benthe (Niedersachsen) eine Wetterstation betreut. Und das heißt früh aufstehen: 6.50 Uhr ist die Stichzeit für jeden ehrenamtlich Wetterbeobachter. Zu diesem Zeitpunkt füllen sie die Wassermenge, die die Station aufgefangen hat, in einen Messebecher und können soden Niederschlag errechnen, der pro Quadratmeter gefallen ist. Diese Daten werden gegen 7 Uhr an den Deutschen Wetterdienst gemeldet – früher per Fax heute übers Handy. Gab es Graupel oder Nebel, Schneetreiben oder Gewitter? Auch diese Sembziner Daten hat Eckhard Knust seit 25 Jahren gemeldet.

Seit 1946 gibt es in der Gemeinde eine ununterbrochene Messreihe, weiß Maria Funk vom Deutschen Wetterdienst. „Die Besatzungsmächte hatten ein großes Interesse an Wettervorhersagen, vor allem natürlich für militärische Zwecke, zum Beispiel war es für den Flugverkehr wichtig, genaue Wetterdaten zu haben“, macht sie deutlich.

Mit Kollegen erforscht sie die Geschichte der Wetteraufzeichnung in Norddeutschland und Brandenburg. „Es ist erstaunlich, wie viel Unterstützung die Wetterbeobachter bekamen: Ihnen wurden Räume, aber auch Mobiliar zur Verfügung gestellt, nur damit die Beobachtungen gemacht werden konnten“, berichtet die Potsdamerin. Manche der Messreihen sind noch älter als die in Sembzin. Auf der Insel Poel zum Beispiel reißt der Wetterdaten-Strom seit 1888 nicht ab