Kaufhallen-Streit:

Duell Rewe gegen Edeka geht in die letzte Runde

Warens Stadtvertreter müssen während ihrer nächsten Zusammenkunft darüber diskutieren und entscheiden, wer in ihrer Stadt eine neue Kaufhalle bauen darf. Ärger ist schon jetzt programmiert, denn dabei kann es nur einen geben.

Die Warenerin Ruth Sanftleben will auf ihren Garten nicht verzichten.
Thomas Beigang Die Warenerin Ruth Sanftleben will auf ihren Garten nicht verzichten. Eine Supermarkt-Kette möchte aber genau hier eine neue Kaufhalle bauen.

Ruth Sanftleben kämpft gegen das Unkraut. Fast 60 Jahre schon bestellt die Warenerin den Pachtgarten direkt vor ihrem Wohnhaus im Warenshöfer Weg. Seit 1956 lebt die 82-Jährige hier und kann sich noch jedes Jahr an selbst geernteten Äpfeln, Zwiebeln und Kartoffeln freuen.

Vielleicht aber nicht mehr lange. Denn genau dort, wo Ruth Sanftleben und neun andere Hobbygärtner ihre Beete bestellen, will die Supermarkt-Kette Rewe eine neue Kaufhalle bauen. „Seit Jahren bemühen wir uns schon um einen Standort in Waren“, sagt die Konzern-Gebietsleiterin Expansion in Mecklenburg-Vorpommern, Marion Anton.

Aber auch Ingolf Schubert, der Edeka-Mann in Waren, will in der Teterower Straße neu bauen. Auf eigenem Grund und Boden. Dort, wo er Ende Juli einen eigentlich schon geschlossene Edeka-Supermarkt teilweise wieder eröffnet hat, soll eine neue supermoderne Kaufhalle entstehen. Aber - zwei sind einer zu viel. In der kommenden Woche müssen sich die Stadtvertreter entscheiden, für welchen Standort ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Der Hauptausschuss, in dem neben dem Bürgermeister auch die Chefs der Fraktionen aus der Stadtvertretung sitzen, hat schon eine Empfehlung gegeben: Mit großer Mehrheit votierte das Gremium für den Edeka-Standort.

Und genau das verstehen die Rewe-Leute nicht. Deren Eindruck: Die Stadtvertreter sind nicht unvoreingenommen. „Oder wie sollen wir das werten“, fragt die Verantwortliche Marion Anton, „dass wir uns bei der Vorstellung unseres Konzeptes im Stadtentwicklungsausschuss an die vorgegebenen 15 Minuten Redezeit gehalten haben, Herr Schubert von Edeka dagegen 45 Minuten sprechen durfte?“ Bei der Tour der Rewe-Verantwortlichen durch die Fraktionen der Stadtvertretung hätten sie immer wieder gegen Vorurteile kämpfen müssen, beklagt die Expansions-Beauftragte. So soll es geheißen haben, Rewe zahlt seinen Angestellten keinen Tariflohn und, weil der geplante Supermarkt nur als Filiale deklariert sei, fließen auch keine Steuern in Warens Stadtkasse. „Das alles“, wehrt sich Marion Anton, „stimmt nicht“.

Ruth Sanftleben jedenfalls will ihren Garten nicht aufgeben. Und, im Fall eines Rewe-Sieges, auch keinen der dann angebotenen Ersatzgärten mehr beziehen. „Mir wäre am liebsten, ich darf hier bleiben. Für einen neuen Garten bin ich doch schon viel zu alt“, so die 82-jährige Warenerin.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung