Entlassungswelle rollt durch Müritzstadt:

Dunkle Wolken über Warens Wirtschaft

Den Jahresauftakt hätte sich Bürgermeister Norbert Möller anders vorgestellt – massenhafte Entlassungen beherrschen die Szenerie. Der Rathauschef ist besorgt – was sagt die Wirtschaft zu den Hiobsbotschaften? Stimmen und Stimmungen von der Müritzperle, die derzeit ihren Glanz verloren hat.

Müritzperle? Waren hat derzeit an Glanz verloren.
Stephan Radtke Müritzperle? Waren hat derzeit an Glanz verloren.

Kaum hatte die Nölke-Wurstfabrik die Entlassung von 130 Mitarbeitern verkündet, kam die nächste Negativmeldung aus Warens Wirtschaft. Auch der Lachs-Produzent Friedrichs Mecklenburg schickt 26 Kollegen in die Arbeitslosigkeit. Und dass, obwohl das Unternehmen noch im vergangenen Jahr rund eine Million Euro in die Modernisierung der hiesigen Produktionsanlagen gesteckt hatte.

Wirtschaftsstandort nicht in Gefahr

Für Warens Stadtoberhaupt schlagen diese Nachrichten ganz schön ins Kontor – auch, weil durch die Schließung des Müritz-Hotels in Klink ebenfalls hunderte Warener Bürger ohne Arbeit da stehen. Um neuer Arbeit nachgehen zu können, ziehen sie schlimmstenfalls weg, befürchtet das Stadtoberhaupt nun. „Unsere Einflussmöglichkeiten auf Unternehmensentscheidungen sind sehr gering“, sagt Möller. Allerdings sehe er den Wirtschaftsstandort grundsätzlich nicht in Gefahr, denn es gebe noch einige große Betriebe in der Stadt.

Auch aus Sicht von Axel Müller, ehemaliger Amtsleiter für Wirtschaft, Kultur, Tourismus beim Landkreis, ist der Wirtschaftsstandort Waren nicht in Gefahr. „Die Stadt ist über Landes- und Bundesstraße, die Schiene und auch den Wasserweg zu erreichen, es gibt erschlossene Gewerbegebiet, die Infrastruktur stimmt einfach“, sagt Müller.

Dedizite in der Infrastruktur

Für Roland Grabiak, kaufmännischer Direktor des MediClin Müritz-Klinikum, gibt es infrastrukturell aber auch Defizite. „Wenn ich Topleute an die Klinik holen möchte, brauchen die Grundstücke, auf denen sie bauen können“, sagt Roland Grabiak. Aber von solchen Flächen gebe es einfach zu wenig. Und wenn, dann gehen sie unter der Hand weg, fügt Grabiak hinzu.

Ein Lob – wenn auch indirekt – für die hiesigen Strukturen vergibt Manfred Urban, Geschäftsführer des Schiffspropellerwerkes MMG. „Wenn wir es über Jahre geschafft haben, das Werk auszubauen, kann hier nicht alles falsch gelaufen sein“, sagt er. Allerdings müsse man sich auch selbst einbringen, Kontakte zum Landkreis oder der Landesregierung halten.

Rettungsanker Transfergesellschaft?

In die Entlassungswelle in Waren ist mittlerweile auch schon die Arbeitsagentur in Neubrandenburg involviert. Thomas Besse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Neubrandenburg, hat erste Ideen entwickelt: „Am 9. Februar gibt es einen Termin mit den neuen Geschäftsführern des Nölke-Unternehmens sowie Bürgermeister Norbert Möller. Dabei soll besprochen werden, wie es ab August 2015 für die Nölke-Mitarbeiter weitergehen könnte. Eine Möglichkeit wäre, eine Transfergesellschaft einzurichten.“

Auf das Treffen am 9. Februar stützt sich auch die Hoffnung von Bürgermeister Möller. „Das Schicksal der Mitarbeiter lässt mich nicht kalt, ich möchte alles in unser Macht stehende tun, um zu helfen“, gibt sich der Rathauschef kämpferisch.

 

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