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Ein Dorf, ein Haus, eine Heimat

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg DöbereinerWenn eine Sparow kennt, dann Helga Behrens. Für unsere Dörpgeschichten hat sie sich erinnert: an Honeckers ...

Urgemütlich wirkt das Feldsteinhaus der Familie Behrens. Hinter dem Haus baut das Ehepaar sein eigenes Gemüse an.  FOTOs:Jörg Döbereiner

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Döbereiner

Wenn eine Sparow kennt, dann Helga Behrens. Für unsere Dörpgeschichten hat sie sich erinnert: an Honeckers Jagd, Bonges mit Weintrauben und rauschende Erntefeste.

Sparow.Keine lebt länger in Sparow als Helga Behrens. 1935 wurde die Frau mit den blauen Augen und dem freundlichen Gesicht in dem lang gezogenen Feldsteinhaus am Dorfrand geboren, in dem sie noch heute lebt. Seit 1958 wohnt auch ihr Mann Hans-Joachim, ein gebürtiger Güstrower, in dem markanten Gebäude. In der Berufsschule Nossentiner Hütte hatten sich die beiden kennen gelernt, ein Jahr nach der Hochzeit zog er bei ihr ein - in einer Zeit, als Sparow noch anders aussah als heute.
„Wo jetzt die Kirche steht, befand sich früher ein Schafstall und dahinter eine Fohlenzucht“, erinnert sich Helga Behrens. „Außerdem gab es eine Sägerei, eine Stellmacherei und einen Schmied.“ Besonders gern blickt sie auf die Dorfgemeinschaft in der Nachkriegszeit zurück, als die Kinder auf dem Weg zur Schule Weintrauben vom Zaun naschten und rund 20 Jugendliche das Dorf bevölkerten. „Damals war in Sparow ein großer Zusammenhalt“, sagt sie. Aus dem Mitteldorf, wo heute der Gutshof steht, und aus dem Unterdorf, das in Richtung Alt Schwerin lag, besuchten die Dörfler ihre Nachbarn vom Oberdorf. Zum Erntefest verwandelte sich der Heuboden im Pferdestall in eine Tanzfläche, da wurde aufgespielt und die Sonnenseiten des harten Landlebens in vollen Zügen genossen. „Die Arbeiter bekamen Kaffee, wir Kinder huschten durch die Scheune und verschlangen die „Bonges“ – also Süßigkeiten“, erinnert sich die 77-Jährige.
Später, in Zeiten der LPG, arbeitete Helga Behrens in der Bullenmast und in der LPG-Küche. Dann kam ihre Tochter, die inzwischen ihrerseits eine längst erwachsene Tochter hat. Aus der DDR-Zeit sind der Ur-Sparowerin Chor und Theatergruppe des Dorfes im Gedächtnis geblieben – und Erich Honeckers Jagd-Besuche. „Bis hier am Weg durfte er schießen“, sagt sie, und zeigt aus dem Fenster auf die gegenüberliegende Straßenseite. Wenn der Generalsekretär wieder einmal beschlossen hatte, am Drewitzer See zu jagen, patrouillierte vor seiner Ankunft alle zwei Stunden die Polizei durch Sparow. Die Straße war da noch ein grobes Kopfsteinpflaster, ein „Knüppeldamm“, wie Helga Behrens sagt. Heute rollen Holztransporter auf ihrem Weg von der Autobahn nach Waren am Fenster vorbei.
Langweilig war es Helga Behrens in Sparow nach eigenem Bekunden nie. „Es war immer wat“, sagt sie. Auch wenn den Behrens von ihren vielen Haustieren nur noch einige Hühner geblieben sind, hat das Ehepaar immer noch genug zu tun. Bald geht die Gartenarbeit wieder los, dann pflanzen die beiden eigenes Gemüse an, wie sie das schon immer tun.
Manche Dinge ändern sich eben doch nicht in Sparow.

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