Malchow wollte das Spektakel nicht mehr:

Ein Klinker wagt den Sommertour-Balanceakt

Was hat Klink, was Malchow nicht hat? Warum findet die NDR-Sommertour in diesem Jahr nicht in der 6600-Einwohner-Stadt Malchow, sondern im 1000-Seelen-Dorf Klink statt? Ein Blick hinter die Kulissen der Großveranstaltung fördert erstaunliches auf die Showbühne.

Standortwechsel: Fünf Jahre ging in Malchow die Post ab...
Janine Rabe Standortwechsel: Fünf Jahre ging in Malchow die Post ab...

Fünf Jahre war die Stadt Malchow für den NDR ein gern gesehener Gastgeber. Die Inselstadt bot der Sommertour ein wunderbares Ambiente, eine perfekte Infrastruktur und einen öffentlichkeitswirksamen Abend. Im Gegenzug profitierte Malchow von der gigantischen Werbekampagne der öffentlich-rechtliche Anstalt. „Das war viel Marketing für uns“, erinnert sich der scheidende Bürgermeister Joachim Stein. Vor und während der Sommertour waren zudem Hotels und Restaurants ausgebucht. Waren. Denn: Im Sommer 2015 bleibt der Volksfestplatz in Malchow leer. Nichts mit NDR-Sommertour.

„Irgendwann im Herbst signalisierte uns Malchow, dass man 2015 gerne aussetzen möchte“, berichtet Monika Muth, beim NDR in Schwerin für Pressearbeit verantwortlich. Was nun? Schließlich, so wird hinter vorgehaltener Hand – trotz aller NDR-Dementis – immer wieder gemunkelt, stünden Städte nicht gerade Schlange, wenn es um die Gastgeberrolle für die Sommertour gehe. Denn die kostet auch Geld – wer Stars in seinem Heimatort live erleben möchte, muss sich auch an den Kosten für Sicherheit, Ordnung, Personal und Catering beteiligen. Zwar spricht der NDR nur von „einem Bruchteil der Gesamtkosten“, doch nach Nordkurier-Informationen müssen Städte und Gemeinden mit einem satten fünfstelligen Betrag blechen.

Zu teuer für viele Städte

Da kam es dem NDR gerade recht, dass vor zwei Jahren bereits jemand aus Klink die Hand gehoben hatte, um sein Interesse anzumelden. „Oliver Kell vom Müritzer Bauernmarkt übernimmt den Part des Gastgebers. Er betreibt auch die Fläche, auf der wir am 15. August mit der Sommertour zu Gast sind“, sagt Monika Muth. Ein Privatunternehmen statt einer Kommune – das sei laut NDR aber nichts außergewöhnliches. Fakt ist: Nachdem Malchow abgewunken hatte, fragte der NDR bei der Stadt Waren nach – und blitzte dort ab. „Nach Abwägung aller Dinge, die wir dieses Jahr leisten, haben wir aus finanziellen Gründen davon Abstand genommen“, heißt es aus dem Rathaus der Müritzstadt.

Oliver Kell aber geht das Risiko ein – und rechnet mit rund 20 Prozent der Kosten, die sein Unternehmen zu tragen hat. Insider schätzen die Gesamtsumme, mit der ein solcher Abend zu Buche schlägt, auf knapp 100000 Euro. Kell aber ist Geschäftsmann – setzt auf die Werbung für seinen Bauernmarkt und hat noch einen anderen Aspekt im Blick: „Wenn ich nicht Ja gesagt hätte, wäre die Sommertour aus der Müritzregion verschwunden. Und das wäre für unsere Gegend nicht gut gewesen.“ Doch der Klinker weiß: „Das ganze Ding ist ein Balanceakt.“

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