Stallpflicht für Geflügel:

Eingesperrtes Federvieh sorgt für Ruhe im Dorf

Die Einstallpflicht für Geflügel nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in Vorpommern reicht bis in die Penzliner Ecke. Und obwohl die behördliche Maßnahme eigentlich das Federvieh schützen soll, beschert die Anordnung erhebliche Dezimierungen der Tierarten.

Kein Scharren, kein Picken. Gähnende Leere auf diesem Hof in Mallin, wo sonst Hühner und Enten herumlaufen.
Thomas Beigang Kein Scharren, kein Picken. Gähnende Leere auf diesem Hof in Mallin, wo sonst Hühner und Enten herumlaufen.

Kein Gegacker, kein Geschnatter. Nach dem aus Furcht vor Ansteckung mit der Vogelgrippe auch für die Stadt Penzlin und seine Ortsteile ausgesprochenen Freiluft-Verbot für Hühner, Enten, Gänse und Co. herrscht Ruhe in vielen Dörfern ringsum. In Mallin, dem östlich der Stadt gelegenen Vorposten, sind die Höfe und Gärten, wo sonst das Federvieh bei jeder Kleinigkeit in Aufregung gerät, leer. Robert Ernst, früher hier Bürgermeister und seit der Fusion Mallins mit Penzlin „nur“ noch Ortsteilvorsteher, lobt seine Landsleute. Wohl fast alle, wie er weiß, hätten ihr Geflügel auch eingesperrt. Sicher ist sicher.

Nun gibt es Stubenarrest

So wie René Levenhagen. Der Ur-Malliner, Herr über fünf Hühner und einen Hahn, hat seinem Geflügel Stubenarrest verordnet. „Alle im Hühnerstall.“ Aber, so der Hobby-Züchter, das bedeute natürlich Stress für das Federvieh. „Eng und dunkel. Das sind die nicht gewöhnt.“ Artgerecht gehalten und fast immer im Freien, so hätten seine Hühner bislang gelebt. Die Enten auch, bis vor wenigen Tagen. Allerdings haben die jetzt alle dran glauben müssen. Am Wochenende hat René Levenhagen geschlachtet. „Sicherheitshalber. Aber die Zeit wäre jetzt ohnehin bald reif gewesen.“ Und weil seine Schwiegermutter gerade zu Besuch war, musste die helfen. Denn immerhin 13 Enten galt es für die Tiefkühltruhe bereit zu machen. Eine Menge Arbeit.

Hühner und Gänse geschlachtet

Die Seenplatten-Kreisverwaltung hat am Freitag Stallpflicht auch für einige Gebiete der Müritzregion verhängt – in einem Umkreis von 50 Kilometern um den verseuchten Betrieb in Vorpommern. Darunter fällt auch die Stadt Penzlin. Darüber hinaus gilt das für einen 500 Meter breiten Uferstreifen an mehreren Seen. Geflügel darf dort nur noch in Ställen oder entsprechenden Schutzvorrichtungen wie dichten Volieren gehalten werden.

In Mallins Nachbardorf Passentin wischt sich gerade Rita Garling die Hände an der Schürze ab. Auch auf ihrem Hof sind gerade Hühner und Gänse geschlachtet worden, die Frau des Hauses hat noch viel zu tun. 30 Hühner drängeln sich auf einem mit Draht umzäunten Teil des Hofes, alles abgedeckt. „Mal sehen“, schaut sich Rita Garling das Treiben an, „wenn es zu eng wird, müssen noch zehn dran glauben.“ Aber, mischt sich bedenklich Ehemann Harry ein, langsam werde es zu eng in den Tiefkühltruhen.

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