Aus Protest gegen Warens Stadtpräsidenten:

Eklat! FDP und Linke verlassen Sitzung

Es war 18.45 Uhr am Mittwochabend, als die Stadtvertretung Waren ein Novum erlebte: Aus Protest gegen die Weigerung von Stadtpräsident René Drühl, sein Amt nach nächtlichen Eskapaden niederzulegen, räumten FDP und Die Linke ihre Abgeordnetenplätze.

Sichtbare Abgrenzung gegen Stadtpräsident René Drühl: Dagmar Willisch, Rüdiger Prehn, Rita Hidde (Fraktion Die Linke) und die FDP-Stadtvertreter Toralf Schnur und Daniel Niebuhr (v. li.) haben sich in eine Ecke des Sitzungssaales zurückgezogen.
Florian Ferber Sichtbare Abgrenzung gegen Stadtpräsident René Drühl: Dagmar Willisch, Rüdiger Prehn, Rita Hidde (Fraktion Die Linke) und die FDP-Stadtvertreter Toralf Schnur und Daniel Niebuhr (v. li.) haben sich in eine Ecke des Sitzungssaales zurückgezogen.

Selbst alteingesessene Parlamentarier konnten sich an einen solchen Eklat nicht erinnern – die Stadtvertretung Waren ist um ein unrühmliches Kapitel reicher. In der Hauptrolle: Stadtpräsident Drühl und sein Auftreten am Abend des 14. September auf dem Neuen Markt, als der CDU-Mann laut Zeugenaussagen gegen Absperrhütchen von Rettungskräften getreten und zweifelhafte Aussagen zu seinem Selbstverständnis als oberster Repräsentant der Warener Volksvertreter gemacht haben soll. Das Treten hatte Drühl später dementiert, seine nächtliche, lautstarke und öffentliche Bemerkung, dass Waren seine Stadt sei und er wissen müsse, was hier los sei, mit seiner starken Heimatverbundenheit erklärt.

Enttäuschung auf beiden Seiten

„Wir haben erwartet, dass René Drühl zurücktritt und weiteren Schaden vom Amt des Stadtpräsidenten und auch vom Warener Parlament abwendet“, begründeten Toralf Schnur (FDP) und Rüdiger Prehn (Die Linke) stellvertretend für ihre Parteikollegen den temporären Rückzug von der Sitzung. Prehn nannte noch einen weiteren Grund für den Protest: „Da die NPD einen Antrag auf Abwahl Drühls gestellt hat, nutzten wir genau diesen Tagesordnungspunkt, um uns an den Schweriner Weg zu halten – sprich: an der Abstimmung nicht teilzunehmen.“

Zur Erinnerung: Der „Schweriner Weg“ ist eine gemeinsame Strategie von SPD, CDU, Linken und Grünen zum Umgang mit der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Die Abgeordneten dieser Parteien verständigten sich darauf, stets geschlossen gegen die NPD aufzutreten und keinen der Anträge und Gesetzentwürfe der rechtsextremen Partei zu unterstützen.

Die Unterstützung versagten der NPD auch die Fraktionen von CDU und SPD. Sie lehnten den NPD-Antrag ab. Ergo: René Drühl darf im Amt bleiben. „Ich hatte nach den nächtlichen Vorfällen zumindest eine Erklärung von Drühl erwartet“, zeigte sich Dagmar Willisch von der Linken schwer enttäuscht. Drühl selbst zeigte sich wiederum enttäuscht, dass Linke und FDP einfach die Sitzung verlassen hätten.

Kommentare (2)

Welch ein Kindergarten in den Amtsstuben der Republik! ...mit Dir spiel ich nicht...ich mit Dir auch nicht...und alle anderen sind sowieso doof... Kein Wunder, dass in dem Land nichts voran geht, wenn solche geistigen Kleinkinder in der Politik sitzen. Anstatt miteinander zu reden, stellt man sich wie ein bockiges Kind in die Ecke. Das Titelbild und die Gesichter sprechen schon Bände! Jeder der da sitzt wurde auch von irgendwelchen Bürgern gewählt und dann hat man sich auch dementsprechend zu benehmen und Themen sachlich miteinander zu kommunizieren. Dieser Kindergarten gehört komplett entlassen und gegen erwachsene Menschen ausgetauscht!

Der "Schweriner Weg" heisst in diesem Fall, sich in die Ecke stellen bzw. demonstrativ nicht an Abstimmung teilnehmen. In welchem Politikseminar wird solch Blödsinn gelehrt? Man will am politischen Geschehen nicht teilnehmen, weil eine "falsche" Partei den Antrag gestellt hat. Stattdessen verlangt man, dass ein Politiker einer anderen Partei freiwillig geht. Der widerum sieht seine Chance und veralbert die FDP und Linken. Bitte mehr Satire dieser Art, wird der NK lesenswerter und die "Heute-Show" im ZDF bekommt ernstzunehmende Konkurrenz.