Für Bedürftige auf Tour:

Er lässt seine Mitmenschen nicht im Stich

Weil andere Leute nicht mehr so können, hat sich ein Melzer zur nachbarschaftlichen Hilfe bereit erklärt. Einfach so, ohne Vergütung, aber mit viel Muskelkraft, Herz und Verstand.

Albert Simon hat seinen Wagen wieder voll beladen; Regina Hartmann, hier an einem Rechliner Getränkemarkt, staunt über das Engagement des Melzers.
Elke Enders Albert Simon hat seinen Wagen wieder voll beladen; Regina Hartmann, hier an einem Rechliner Getränkemarkt, staunt über das Engagement des Melzers.

Jede Woche montags hat Albert Simon aus Melz seinen großen Auftritt. Und das buchstäblich. Der Mann tritt nämlich mächtig in die Pedale. Warum? Wie eine Sportskanone sieht er doch eigentlich gar nicht aus? Aber alles hat seinen Grund.

„Ich mache das, um meinen Mitmenschen zu helfen, einfach so aus freien Stücken, für umsonst“, sagt der 57-Jährige, der auf sein Engagement hin häufiger angesprochen wird. So auch vor dem Rechliner Getränkemarkt, an dem der Radler diesmal einen Zwischenstopp einlegte. Kundin Regina Hartmann glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Der aktive Herr hatte seinen ganzen Anhänger voll mit Verpflegungsbeuteln geladen. Jeder beschriftet mit Namen und Wohnort des Adressaten. „Sechs Leute versorge ich“, schilderte der Melzer darauf hin.

Bei jedem Wetter für die anderen unterwegs

Immer montags werden die Tüten mit allerlei Lebensmitteln wie Gemüse, Joghurt oder auch mal Pizza bei den Ausgabestellen für Bedürftige verteilt. In Rechlin befindet sich diese Ausgabe in der Marktpassage. Bewohner anderer Orte werden von hier aus mitversorgt. Und weil die Empfänger aus seiner näheren Umgebung nicht mobil sind und so auf die Hilfe anderer angewiesen, hat sich Albert Simon bereit erklärt, den Transport zu übernehmen. Immer mit dem Fahrrad samt Anhänger, bei jedem Wetter. Dabei versorgt er nicht nur Melzer, sondern auch Priborner, Friedrichshofer oder Vipperower Betroffene.

Ja, sogar bis nach Röbel radelt Albert Simon, wenn er weiß, dass er dort gebraucht wird. „Ich selbst habe mein Auskommen, und ich habe Zeit“, sagt er. Seine Leute, die er versorgt, sind allesamt schon älter. „Um die 80, 84 oder 86 Jahre alt“, zählt er auf.

Angefangen hat er 2006 mit diesem Service, „als ich meinen zweiten Zuckerschock und einen Schlaganfall überstanden hatte.“ Sein Arzt hatte ihm seinerzeit gesagt:  „Herr Simon, Sie müssen abnehmen“. Die selbst verordnete wöchentliche Radtour war ein Schritt in die richtige Richtung. „Ich bin schon von 180 Kilogramm auf 128 runter“, erzählt er stolz. Außerdem würden ihn sein Garten und seine Tiere fit halten: Katzen, Enten, Gänse, Broiler und bald auch Hühner.

Bis nachmittags mit dem Verteilen beschäftigt

Dann ist es aber auch schon Zeit, die Tour in Richtung Heimat fortzusetzen. Der „Fahrrad-Engel“ aus Melz schaut auf die Uhr. „Bis 17 Uhr bin ich normalerweise mit dem Verteilen durch“, sagt er noch. Und fügt dann hinzu: Heute müsse er sich sputen.

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