Am Tag, als das Jagdflugzeug abstürzte...:

Erinnerung an toten Retter wieder in Schuss

Wenn es das Denkmal nicht gäbe, viele wüssten vielleicht gar nicht mehr, was sich damals zugetragen hat, als ein Dorf an der Südzipfel der Müritz nur knapp einer Katastrophe entging. Nun wurde die Anlage wieder freigelegt.

So preschten die Flugzeuge bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1993 regelmäßig über die Straße. Kraftfahrzeuge mussten anhalten. Bei Flugbetrieb waren die Wachhäuschen besetzt.
Repro Elke Enders So preschten die Flugzeuge bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1993 regelmäßig über die Straße. Kraftfahrzeuge mussten anhalten. Bei Flugbetrieb waren die Wachhäuschen besetzt.

Im Mai 1982 war es, als ein russisches Jagdflugzeug vom Lärzer Flugplatz zu Trainingszwecken startete. Eigentlich Alltag. Aber dieser Flug war anders. Die MiG 27 gewann zunächst an Höhe. Aber nur wenige Kilometer hinter der Bahn, unweit der Ortschaft Neu Gaarz, geschah das Unfassbare. Der Flieger stürzte ab.

Einer, der damals zum Augenzeugen wurde, war Wolf-Dieter Ringguth, heute Bürgermeister von Rechlin. Er weilte gerade auf dem Hof seiner Schwiegereltern in Vietzen. „Es gab einen Riesenknall, eine Explosionswolke stieg in den Himmel“, beschreibt er das Gesehene, das ihm bis heute ins Gedächtnis eingebrannt ist. Keine Frage, was ein junger Mensch in solch einer Situation tut? Wolf-Dieter Ringguth, damals Student, schwang sich aufs Moped, eine Schwalbe, und fuhr los.

Der Flieger war randvoll mit Munition

Zwischen Gaarzer Mühle und Neu Gaarz, hinterm Wald auf einem Acker, war das Flugzeug zerborsten. Sehr schnell waren damals aber auch die russischen Truppen zur Stelle, die jegliche Zuschauer fernhielten. „Ich weiß noch, dass da so was wie ein Fallschirm auf dem Feld lag“, erinnert sich Ringguth. Erst allmählich wurde ihm klar, dass ein Jagdflieger abgestürzt sein musste. „Damals war ja alles so schrecklich geheim...“ Dass der Pilot davon absah, sich selbst zu retten, um das Dorf Neu Gaarz vor einem flammenden Inferno zu bewahren, drang erst im Nachhinein ans Licht der Öffentlichkeit.

Der Pilot soll die Maschine im letzten Moment herumgerissen haben, so ist es überliefert. Angeblich hatte er per Funk schon die Aufforderung erhalten, weil es beim Start Schwierigkeiten gab, den Schleudersitz auszulösen. Der Jagdbomber soll voll aufmunitioniert gewesen sein. Und Gaarz befand sich direkt in der Ausflugschneise. „Fakt ist, es hätte viel mehr Tote gegeben als dieses eine Opfer“, sieht Ringguth das tragische Ereignis auch heute noch in einem besonderen Licht.

Zahn der Zeit hatte dem Denkmal zugesetzt

Er findet es angebracht, dass ein Ehrenmal an den sowjetischen Unglückspiloten erinnert. Dessen Name war Sergej Viktorowitsch Arapow. Das Fliegerdenkmal wurde damals im Beisein hoher sowjetischer Militärs und Offiziere am Ortseingang von Neu Gaarz eingeweiht. „Der Absturz hat alle Menschen hier sehr bewegt, weil klar wurde, der Pilot hat verzichtet, selbst rauszukommen, um andere zu schonen“, so Ringguth.

Inzwischen ist das Denkmal auch optisch wieder aufgewertet. Der Zahn der Zeit hatte daran genagt. Zu DDR-Zeiten wurde es von der Ortsgruppe des Demokratischen Frauenbundes (DFB) gepflegt.

Jüngst hat nun die Beschäftigungsgesellschaft Ipse Hand angelegt und den Bereich rund um das Denkmal – eine nachgestaltete Flugzeugfläche mit einem Jagdflieger daran, der in Richtung Himmel kreist – von Sträuchern und Wildwuchs befreit. Auch Rasen wurde angesät und ein Weg angelegt, der im nächsten Jahr noch befestigt werden soll, wie Bürgermeister Hartmut Lehmann (CDU) sagte.

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