:

Die Abzocke mit der "MS Michaela" auf der Müritz

Es klingt wunderbar: Ein Tagesausflug mit einem Schiff auf der Müritz zu einem besonders günstigen Preis, vielleicht sogar ein kostenloses Mittagessen an Bord. Doch Vorsicht: Hier soll auf ein Fahrgastschiff gelockt werden, dass es auf der Müritz gar nicht gibt.

Ist die „MS Michaela“ ein Geisterschiff oder fährt sie gar unter der Piratenflagge? Auf dem Kleinen Meer jedenfalls ist das Motorschiff nicht bekannt.
Bernd Wüstneck Ist die „MS Michaela“ ein Geisterschiff oder fährt sie gar unter der Piratenflagge? Auf dem Kleinen Meer jedenfalls ist das Motorschiff nicht bekannt.

Die Schiffe, die auf der Müritz unterwegs sind, heißen „Diana“, „Stadt Röbel“, „Fontane“ oder auch „Sonnenschein“. Aber ein Fahrgastschiff mit dem Namen „Michaela“ gibt es auf dem Kleinen Meer definitiv nicht. Und die kann daher auch nicht für eine sogenannte Eröffnungsfahrt der „Müritzer Schifffahrt“ unterwegs sein.

Genau das aber will eine Firma aus Cappeln ihren Kunden derzeit in einem Brief weismachen: Das Motorschiff „Michaela“ lädt zu einer günstigen Tagesfahrt ein, es gebe Geschenke und Mittagessen. Doch stopp! Wer so einen Brief erhalten hat, der sollte den schnell im Papierkorb verschwinden lassen. „Eine uralte Masche wurden aus den Archiven geholt, um den Empfängern dieser Massenpost eine Kaffeefahrt schmackhaft zu machen“, warnt Aileen Rohde von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Unter wechselnden Firmen-Namen, aber immer mit dem gleichen Postfach und aus demselben Ort kämen solche Angebote. „Die Adresse ist mir schon bekannt, die versuchen so etwas öfter“, weiß die Expertin. Neu ist jedoch die Masche, sich eines offenbar nicht existenten Schiffes auf der Müritz zu bedienen.

Keiner kennt Michaela

Heinz Klatt, Geschäftsführer der Weißen Flotte Müritz, ärgert sich, dass der gute Name des Unternehmens hier missbraucht werde. „Es gab Nachfragen bei unseren Mitarbeitern, es gab vereinzelt Kunden, die wollten diese Fahrt mit der ‚Michaela‘ buchen“, bestätigt er auf Nordkurier-Nachfrage. „So etwas machen wir nicht, das ist nicht seriös“, betont er. Auch bei der Blau-weißen Flotte mit Sitz in Malchow oder bei der Fahrgastschifffahrt Wichmann in Plau ist die „MS Michaela“ übrigens nicht bekannt.

Aileen Rohde rät den Empfängern, „im Zweifel besser zu Hause bleiben oder auf einer Verkaufstour wachsam zu sein“. Geschulte Verkäufer würden  sprachlich geschickt auftreten und die Teilnehmer gekonnt zum Kauf von Waren animieren. Verläuft das Geschäft nicht so lukrativ wie erhofft, beginnen sie die potenziellen Käufer aggressiv zu bedrängen. „Und wenn man dann auf einem Schiff sitzt, kann man diese Veranstaltung nicht mal einfach so verlassen“, gibt Aileen Rohde zu bedenken.