Mann muss zahlen:

Geldstrafe wegen Beleidigung der Feuerwehr

Ein Mann fühlte sich gestört, weil Feuerwehr-Fahrzeuge während eines Einsatzes bei ihm in der Einfahrt standen. Für seine Reaktion muss er jetzt büßen.

Die Malchower Feuerwehr während eines Einsatzes.
Carsten Schönebeck Die Malchower Feuerwehr während eines Einsatzes.

Am Ufer des Plauer Sees stürzt ein Radfahrer an einem Sonntag im Juli eine mehrere Dutzend Meter tiefe Böschung herab. Schwer verletzt liegt der Mann im flachen Wasser, Hilfe tut dringend Not. Augenzeugen alarmieren die Rettungsstelle, ein Notarzt rast an den Ort des Geschehens, zur Bergung des Mannes müssen die Feuerwehren aus Malchow und Rogeez an die Unglücksstelle. Von Land aus ist die Rettung kaum möglich, die Malchower müssen mit ihrem Einsatzboot vom Wasser aus zum Unfallopfer. Die Einsatzfahrzeuge müssen geparkt werden, aus Platzgründen in der engen Straße des kleinen Ortes in einer Einfahrt. Anhalten, raus. Jetzt zählt nur noch das Opfer.

Doch der Hausbesitzer hat etwas dagegen. Und weil der Mann dabei die Kameraden der Feuerwehr beschimpft, zeigen die ihn an. „Alles“, sagt einer derjenigen, die bei dem Einsatz im vergangenen Sommer dabei waren, „hat seine Grenzen“. Wegen Beleidigung steht der Hüter seiner Einfahrt am Dienstag vor den Schranken des Amtsgerichtes in Waren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen Beleidigung vor, er habe die Absicht gehabt, heißt es, die Männer in ihrem Ehrgefühl zu verletzen. Weil während des Einsatzes niemand seine Einfahrt benutzen konnte, habe er die Rettungskräfte als „Idioten“ bezeichnet und als „Minderbemittelte, denen man ein Blaulicht gegeben hat“.

Mächtig an der Ehre gekratzt

Starker Tobak. In der Tat, berichten die vier Feuerwehrleute während der Verhandlung, habe das mächtig an ihrer Ehre gekratzt. Zumal der Angeklagte auch während der Verhandlung nicht davon ablässt, die Wehren madig zu machen. Gerade erst, erzählt er, habe es bei einem Bekannten, Pächter einer Tankstelle, gebrannt. Und die Feuerwehr? Habe nichts anderes zu tun gehabt, als dessen Verkaufsraum unter Wasser zu setzen. Na, ja.

Die Löscher und Retter, die seinerzeit den schwerverletzten Fahrradfahrer noch rechtzeitig aus dem Wasser des Plauer Sees bargen, müssen heute noch schlucken, wenn sie an die fast unglaubliche Geschichte von damals denken. Sie hatten keine Wahl, heißt es, die Fahrzeuge mussten dort in der Einfahrt stehen bleiben. Und überhaupt, ein ganz junger Feuerwehrmann, zur Bewachung der Technik abgestellt, berichtete gar, der Schimpfer habe Anstalten gemacht, ein Fahrzeug selbst von der Stelle zu bewegen.

Staatsanwältin fordert Geldstrafe als Sühne

An dem Kritiker der Feuerwehr prallen die Vorwürfe ab. Eigentlich, will er geltend machen, sei er doch das Opfer, nicht die Jungs von der Wehr. Denn die hätten, so seine Interpretation der Dinge, wohl erst dann Anzeige wegen Beleidigung gegen ihn gestellt, als er schon längst eine Anzeige wegen Behinderung in die Welt gesetzt hat.

Gott sei Dank, erzählen die Feuerwehr-Männer aus Malchow und Rogeez nach der Verhandlung auf dem Flur, komme derartiges „höchst selten“ vor. Eigentlich immer, na gut, fast immer, würden sie bei ihren Einsätzen als Helfer und Retter gesehen und nicht als „Störer“.

400 Euro Geldstrafe verlangt Staatsanwältin Heilwig Voß als Sühne für die Beleidigung und das Gericht schließt sich dem an. Es sei nun einmal so, sagt Richter Kasberg, dass „falsches Parken“ der Feuerwehr im Einsatz geduldet werden müsse. Und der Angeklagte? Lässt vielleicht Sinneswandel erkennen. Demnächst, kündigt er an, wolle er der Feuerwehr in Malchow wohl eine Spende zukommen lassen.

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