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Funken, Fontänen, Feuerbild

Welch eine wunderschöne Verschwendung!

Funken sprühen zischend, Flammensäulen steigen bis zu vier Meter in die Höhe, Fontänen entzünden sich schnell nacheinander, Sterne blitzen auf, kleine Explosionen vereinigen sich zu einem Feuerbild - alles zu der Musik von Carl Orffs "O Fortuna" aus "Carmina Burana". Vier Minuten kurz. Dann haben sich etwa hundert Effekte in Rauch aufgelöst. Allein am Aufbau für dieses Feuerwerk bei einer Weihnachtsfeier dagegen haben der Pyrotechniker Frank Kotte und sein Mitarbeiter Jürgen Wagner etwa 15 Stunden gearbeitet - den Tag in der Werkstatt vorher noch nicht eingerechnet. Sie mussten die Positionen festlegen. Feuerwerkskörper auf Platten am Boden, an Gerüsten und einem Drahtnetz befestigen.

Sogar an die Beleuchtung hängten sie kleine Päckchen mit Sprengstoff. Der nächste Arbeitsschritt: sämtliche Effekte mit Kabeln verleiten, denn gezündet werden die Feuerwerkskörper durch elektrische Impulse. Nervös ist der Unternehmer aus Buchholz (Landkreis Demmin) jedes Mal wieder. Auch wenn "O Fortuna" zum Standard-Repertoire gehört. Ob die Verbindungen alle funktionieren, kann er vorher schlecht ausprobieren. Erst wenn der Feuerwerker mit einer an einem Stirnband befestigten kleinen Taschenlampe vor dem aufgeklappten Koffer mit dem Zündsystem sitzt und die Show beginnt, ist die Aufregung wieder verflogen. Nun läuft alles automatisch. Die Zündzeiten sind programmiert.

Den Drehplan für seine Feuer-Aufführung hat sich Frank Kotte am Computer ausgedacht. Akribisch listet er die verschiedenen Zündnummern in einer Tabelle auf, durchgeplant bis auf die Zehntelsekunde. Wenn es nach dem 46-Jährigen ginge, würde er dabei gern öfter auch noch andere Effekte einplanen, zum Beispiel Laser- oder Wassertechnik. Aber schon so können sich hier nur wenige seine Kunst leisten. Etwa die Hälfte seiner Feuerwerke macht er in Mecklenburg-Vorpommern. Ansonsten reist er quer durch die Republik.

Kürzlich hat der Beruf Frank Kotte nach Dubai geführt. Im Auftrag einer Feuerwerksfirma, für die er neben seinem eigenen, seit 2000 bestehendem Unternehmen "Papyros" tätig ist. So kommt der Ex-Berliner Kotte öfter mal aus dem Mini-Dorf Buchholz heraus, in das er der Liebe wegen gezogen war. Feuer gefangen für seinen jetzigen Beruf hat der ehemalige Lehrer 1993 bei der Feuerwerksinszenierung "Feuer, Wasser und Posaunen" im Kammertheater Neubrandenburg, für das er als Theaterpädagoge arbeitete. 1996 folgte die Ausbildung zum staatlich geprüften Pyrotechniker.

Silvester hat Kotte natürlich Hochkonjunktur. Eine Feier mit Frau und Kindern wie voraussichtlich in diesem Jahr ist die Ausnahme. Für seine Familie will der Pyrotechniker ein kleines, außergewöhnliches Feuerwerk vorbereiten. Aber wichtig sei ihm beim Jahreswechsel auch, sich "einfach schön in die Arme zu nehmen".