"Hammer der Woche" im ZDF:

Ganz Deutschland lacht über Warens Millionengrab

Reif fürs Fernsehen – der Ausbau des Warener Stadthafens interessiert nun auch die Macher von TV-Beiträgen. Mit dem Zweiten sieht man allerdings vor allem eins: versenkte Steuer-Millionen in der Müritz. Und den dementierenden Bürgermeister in HD.

„Der Hafen ist zu 80 Prozent fertig: Da kann im Grunde nicht mehr so viel dazu kommen“ – sagt Chefplaner Wolfgang Horn.
Udo Roll „Der Hafen ist zu 80 Prozent fertig: Da kann im Grunde nicht mehr so viel dazu kommen“ – sagt Chefplaner Wolfgang Horn.

Bürokratenwillkür und Geldverschwendung – das ist der Stoff für den „Hammer der Woche“ im ZDF-Länderspiegel. Nun hat sich auch die Stadt Waren mit ihrem Hafenausbau einen Platz in der Sendung gesichert. Wie sie es schaffte, die Kosten von rund fünf auf knapp zehn Millionen Euro für den Stadthafenausbau zu verdoppeln, das lockte die Mainzer an die Müritz. Mit 1,13 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 8,3 Prozent sei die Sendung, in der nicht nur Waren gezeigt wurde, „gut gesehen worden“, wie Thomas Hagedorn vom ZDF auf Nachfrage sagte. Die kritische Rubrik sei beliebt. Raus geschmissenes Geld für Fehlinvestitionen – das bringe Bürger in Rage. In die redet sich auch der eine oder andere in dem TV-Beitrag, der nach wie vor in der Mediathek des Senders zu sehen ist. Verständnis oder Begeisterung für das Projekt zeigt niemand der Befragten. Dass der Müritzgrund zum Bauen kein einfacher sei, das wisse jedes Kind der Stadt.

Zu denen gehört als Ur-Warener auch Bürgermeister Norbert Möller. Er stand vor der TV-Kamera und dem fixen Anstieg der Baukosten um das Doppelte für das Prestige-Objekt in Deutschlands Osten entspannt gegenüber: Möller versicherte den Fernsehleuten, dass die Stadt keine Fehler gemacht habe: „Wir haben uns auf das Ergebnis der Fachleute verlassen müssen.“

Fehlerfreier Bürgermeister

Einer davon ist Wolfgang Horn, der Architekt vom Ingenieurbüro Plan 4 aus Neubrandenburg. Er sieht in dem TV-Bericht nur Negativ-Schlagzeilen, „die dem Projekt nicht gut tun“. „Der Hafenausbau in Waren ist außergewöhnlich und extrem kompliziert. Auch wenn bekannt war, dass es nicht einfach sein würde mit dem Baugrund, lässt sich so ein Projekt nie auf Heller und Pfennig bestimmen. Im wasserbaulichen Bereich kann ein Plus von 20 Prozent durchaus passieren“, hat Wolfgang Horn erfahren. Extra-Aufwendungen und Veränderungen bei den Planungen erforderten eben auch Extra-Kosten. Zudem seien beispielsweise mit dem Granit zur Molenabdeckung auch edle Materialien verwendet worden.

Unerfahrener Chefplaner

Wenig Erfahrung hingegen hat Plan 4 mit solchen Projekten, dessen europaweiten Ausschreibung es gewann. Der Hafenausbau, wie in Waren gefordert, sei „Neuland“, hatte das Planungsbüro gestanden. Es hatte aber das  aus technischer Sicht wirtschaftlichste Angebot vorgelegt. Und das segneten die Stadtvertreter ab. Planungsbüros wie etwa eines aus Rostock, das weltweit Häfen mit ganz anderen Ausmaßen und mit ganz anderen wirtschaftlichen Dimensionen erfolgreich gebaut hat, mit dem Millionenprojekt zu beauftragen, wurde abgelehnt.

Dass sich die Kostenspirale noch weiter drastisch in die Höhe schraubt, davon geht Wolfgang Horn nicht aus: „Der Stadthafen ist zu 80 Prozent fertig. Da kann jetzt im Grunde nicht mehr so viel dazu kommen.“

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Kommentare (1)

Wie ein Planungsbüro ohne entsprechende Referenzen eine europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen für sich gewinnen konnte, kann der Bauherr als Ausschreibender hoffentlich lückenlos und justiziabel nachweisen. Er hätte genügend Möglichkeiten gehabt, sich auf den Fachverstand eines vielleicht teureren, aber erfahreneren Planers stützen zu können. Der Zuschlag ist auf das wirtschaftlichste Angebot zu erteilen, nicht auf das billigste. Ein gefundenes Fressen für eine möglicherweise nachtragsaffine Baufirma.