Warener Rathaus sucht sich neue Einnahmen:

Gebühren steigen um mehr als 600 Prozent

Wer viel ausgibt, muss auch schauen, dass er viel einnimmt. Das sagt sich auch die Warener Stadtverwaltung und möchte gewaltig an der Gebührenschraube drehen. Auch dort, wo es gar keine Schrauben mehr zu drehen gibt.

Ein bisschen Kleingeld sollte man schon in der Börse haben, wenn man eine Dienstleistung im Amt bezahlen will. Waren plant dafür eine neue Gebührensatzung.
Marco2811 Ein bisschen Kleingeld sollte man schon in der Börse haben, wenn man eine Dienstleistung im Amt bezahlen will. Waren plant dafür eine neue Gebührensatzung.

Bürger, die künftig Auskünfte, Bescheide oder Kopien aus dem Rathaus möchten, müssen tiefer in die Tasche greifen. Zwar hat die Stadtvertretung noch keinen endgültigen Beschluss gefasst, doch der dem Nordkurier vorliegende Entwurf der Verwaltung für eine neue Gebührensatzung der Stadt Waren hat es in sich. Beispiele gefällig? Bitteschön: Wer das Archiv benutzen möchte und bisher für einen gesamten Tag vier Euro zahlen musste, ist künftig mit fünf Euro dabei. Für die erste Stunde wohlgemerkt! Jede weitere angefangene Stunde kostet 2,50 Euro zusätzlich.

Wer schriftliche Auskünfte aus alten Akten haben möchte, zahlt 10 Euro - je angefangene halbe Stunde. Bisher hatte eine schriftliche Auskunft 1,50 Euro gekostet. Eine Steigerung um mehr als 600 Prozent. Aber es geht noch besser beziehungsweise teurer: Das Bereitstellen von digitalen Daten möchte sich die Stadt künftig mit zehn Euro vergüten lassen. Bisher war das umsonst. Für jede beglaubigte Urkunde müssen ebenfalls zehn Euro gelöhnt werden. Auch das gab es bisher zum Nulltarif. Richtig ins Geld geht es bei Baubescheiden: Je nach Zeitaufwand sind zwischen 64 Euro (Zeitaufwand 1,5 Stunden) bis zu 192 Euro (Zeitaufwand 4,5 Stunden) in die Stadtkasse zu entrichten.

Fern jeglicher Realität?

Und da Verwaltungen nun mal Verwaltungen sind - und besonders gründlich in den Amtsstuben gearbeitet wird, kann auch mal die Realität im Leben außerhalb des Rathauses auf der Strecke bleiben. Die "Mehraufwendungen für Eheschließungen im Schloss Ulrichshusen und Müritz Hotel Klink" steigen von 0 auf 100 Euro. Aha. Müritz Hotel Klink? Wurde das nicht zum Jahreswechsel geschlossen? Ja, wurde es. Insofern dürften diese 100 Euro die Stadtkasse nicht bereichern.

Doch es gibt auch Gebühren - wenn auch nur wenige -, die gesenkt werden sollen. Kostete die Flaggengenehmigung mit der Verwendung des Stadtwappens bisher zehn Euro, so kann das Portmonee in dieser Angelegenheit geschlossen bleiben. Und auch Freigabeerklärungen für das Grundbuch sind künftig umsonst. Vorher mussten neun Euro bezahlt werden.

Ein Beamter arbeitet für 71 Cent pro Minute

Ebenso spannend wie die Gebühren selbst ist ihre Berechnung. Die geht so: Ein durchschnittlicher Beamter oder Angestellter schlägt in der Warener Stadtverwaltung laut Personalkostentabelle mit 71 Cent pro Minute zu Buche. Heißt: Wenn dieser Beamte für das Bereitstellen von digitalen Daten 15 Minuten benötigt wird diese Zeit mit eben jenen 71 Cent multipliziert. Macht 10,65 Euro. Um leichter abzurechnen, wird abgerundet - die Gebühr beträgt dann - wie oben schon aufgelistet - 10 Euro.

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