Nationale Kohorte richtet sich in Waren ein:

Gesundheitsstudie an der Müritz

Heute schon in den Briefkasten geschaut? Vielleicht liegt da ein grüner Brief. „NAKO“ steht da drauf. Und drin steckt die Chance, einen Gesundheitsscheck zu bekommen und Teil der Forschung zu werden. Nicht jedermanns Sache. Warum nicht?

Warens Bürgermeister Norbert Möller (l.) und Landrat Heiko Kärger (Bildmitte) informieren sich bei Laborantin Maja Schnarr (r.) über das Prozedere bei den Bluttests.
Thomas Türülümow Warens Bürgermeister Norbert Möller (l.) und Landrat Heiko Kärger (Bildmitte) informieren sich bei Laborantin Maja Schnarr (r.) über das Prozedere bei den Bluttests.

Macht Armut krank? Ist Arbeitslosigkeit ein Risikofaktor für ein gesundes Leben? Sind die Seenplattler dicker als andere im Land und trinken mehr Alkohol? Antworten darauf und auf noch viel mehr erhoffen sich die Mitstreiter, die für die Nationale Kohorte (Nako) angetreten sind. Was etwas militärisch daher kommt, ist  Deutschlands größte Gesundheitsstudie, die langfristig Ursachen für Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs, aber auch über Demenz herausfinden möchte. Eine Bevölkerungsstudie, die darum nicht nur Forscher und Mediziner braucht, sondern vor allem das Volk.

Die Stadt Waren ist am Dienstag zum zweiten Unterschungsort in Mecklenburg-Vorpommern geworden. Neben dem festen Hautanlaufpunkt Bonhoeffer Klinikum Neubrandenburg, sollen in den nächsten gut zwölf Monaten etwa 4000 Menschen aller Schichten aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern und im Alter von 20 bis 69 Jahren im wahrsten Sinne auf Herz und Nieren geprüft werden. Dort, wo einst Müritzer auf Jobsuche waren und in den Fluren warteten, dort sind nun Mediziner am Start, um sich den Freiwilligen zu widmen, die quasi der Volksgesundheit auf die Forscher-Sprünge helfen wollen.

13 Freiwillige schon am ersten Tag

Doch gezwungen wird niemand. Wer in den nächsten Tagen und Wochen den grünen Brief im Kasten hat oder ihn gar schon in Händen hält, der kann selbst entscheiden, ob er mitmacht oder nicht. Die Nako schreibt Menschen an, die zufällig aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt wurden. Diese werden zur Teilnahme an einer rund dreistündigen Untersuchung aufgefordert, die nach vier Jahren wiederholt wird. Zu den 20 Einzeluntersuchungen zählen unter anderem ein Riech-Test, ein Ultraschall, die Messung des Augenhintergrundes, ein Handgreif-stärke-Test zur Messung der Muskelkraft oder ein Elektrokardiogramm (EKG).

Zudem werden die Probanden zu ihrem Lebensstil befragt. Größe, Gewicht und Körperfett werden bestimmt, auch ein ausgiebiger Blick aufs Gebiss steht an. Außerdem werden Blut- und andere sogenannten Bioproben wie Speichel und Urin genommen und für weitere Untersuchungen eingefroren. Zimmer für Zimmer stehen andere Untersuchungen an. Langeweile kommt da gewiss nicht auf.

Doch nicht jeder geht gern zu Ärzten. „Gerade jüngere Männer kommen eher selten zur Kohorte“, bedauert Dr. Henry Völzke vom Nako Organisationszentrum in Greifswald. Nicht nur keine Lust auf den Arzt zu haben, auch die Tatsache, dass viele ihren Job nicht am Wohnort haben, der Arbeitgeber nicht gleich Juchu ruft, wenn es eine Freistellung oder Extra-Urlaubstag braucht, trügen zu dem Dilemma bei. Er appelliert an die Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter für den Besuch im Studienzentrum freizustellen. Die Kohortenstudie dieser Größenordnung und Detailtiefe sei in Deutschland einmalig und auch im internationalen Vergleich unübertroffen.