:

Gruft in Malchow ist wieder unsichtbar

Wer an einem Ort mit langer Geschichte gräbt, der muss damit rechnen, dass auch Historisches zu Tage kommt. Auf dem Malchower Klostergelände war für kurze Zeit der Blick frei - tief hinein in die Vergangenheit.

Das Umfeld der Malchower Klosterkirche wird derzeit komplett neu gestaltet. Bei den Bauarbeiten wurde eine Gruft entdeckt.
Petra Konermann Das Umfeld der Malchower Klosterkirche wird derzeit komplett neu gestaltet. Bei den Bauarbeiten wurde eine Gruft entdeckt.

Das muss ein Schreck gewesen sein: Bei den Bauarbeiten rund um die Malchower Klosterkirche ist die Decke einer Gruft leicht beschädigt worden, sodass der Blick frei war auf das Innere. Ein eingefallener Sarg war dort zu erkennen. Das bestätigte auf Nachfrage Malchows Bürgermeister Joachim Stein (Grüne). „Ich selber habe den Sarg zwar nicht in Augenschein nehmen können, aber es stimmt, es ist dort etwas entdeckt worden“, erklärte Stein. Während der Bauphase, bei der derzeit das Umfeld der Klosterkirche neu gestaltet wird, seien zudem auch Grabsteine gefunden worden. Vermutlich gehört einer dieser Grabsteine zu der Gruft mit dem Sarg im Inneren. In der Gruft ist wahrscheinlich eine Konventualin, eine Bewohnerin des Malchower Klosters, beerdigt, die etwa Anfang des 19. Jahrhunderts bestattet wurde. 

Eine Informationstafel erzählt von der Entdeckung

„Rund um die Klosterkirche befand sich früher ein Friedhof. Eine Gruft dort zu finden, damit mussten wir rechnen“, so Stein. Er hatte den Gedanken, dass man – entsprechend gesichert – Besuchern einen Blick in das Innere der neu entdeckten Gruft gewähren könne. „Mit einer unzerbrechlichen Glasscheibe wäre das meiner Meinung nach möglich gewesen. Das wäre eine Attraktion“, erläutert der Malchower Bürgermeister seine Idee. Mit der konnte er sich gegenüber den Bodendenkmalpflegern und den Archäologen aber nicht durchsetzen. Die Gruft wurde ihren Empfehlungen zufolge repariert und wieder mit Erde bedeckt. Zuvor wurde jedoch die genaue Lage der Gruft dokumentiert. „Es soll nun eine Informationstafel aufgestellt werden, die  auf den Fundort der Gruft hinweist“, legt Bürgermeister Stein das Ergebnis der Experten-Runde dar. Klar ist, dass nun auch die Wege, die rund um die Klosterkirche neu angelegt werden, am Fundort der Gruft eine Änderung erfahren. So soll ausgeschlossen werden, dass weder Fußgänger noch Versorgungsfahrzeuge die Gruft erneut zum Einsturz bringen können. Für die bei den Bauarbeiten gefundenen Grabsteine wurde auch eine Lösung gefunden: Sie wurden gesichert, sollen restauriert und später im Malchower Kloster so aufgestellt werden, dass sie vor Wind und Wetter geschützt sind. 

Die Geschichte des Malchower Klosters reicht über 700 Jahre zurück und ist eng mit der Geschichte der Nachbarstadt Röbel verbunden. Im 13. Jahrhundert gab es in der Müritzstadt gleich zwei Klöster: Ein Nonnenkloster vom Orden der Büßerinnen sowie ein Mönchskloster der Dominikaner. Röbel konnte beide Klöster nicht ernähren, sodass die Nonnen von Röbel nach Malchow umsiedelten. Im Mai 1298 begannen die Röbeler Nonnen damit, in Malchow ein neues Kloster aufzubauen – übrigens mit Erfolg: Das Malchower Kloster mehrte über Jahrhunderte seinen Besitz und seine Einkünfte und zählte zu den reichsten Klöstern.  Aus dem katholischen Kloster wurde mit der Reformation ein evangelischer Stift für adelige Damen. Während der Revolution von 1918 wurde das Kloster enteignet, adelige Damen lebten dort aber weiter. Die letzte Domina, die Vorsteherin des Klosters, Gertrud von Lücken, starb im Jahre 1971 als verehrte Malchower Persönlichkeit.

Kontakt zur Autorin

p.konermann@nordkurier.de