Prozess um Kindesmissbrauch:

Haftstrafe gegen Betreuer ist rechtskräftig

Der verurteilte ehemalige Hotel-Animateur, der am Flesensee vier minderjährige Mädchen missbrauchte, wird seine Strafe im Gefängnis verbüßen. Das Gericht will im schriftlichen Urteil außerdem darauf hinweisen, dass der junge Mann dringend professionelle Hilfe benötigt, um nicht rückfällig zu werden.

Der Angeklagte Robert O. aus Chemnitz wurde im Warener Amtsgericht wegen sexuellen Missbrauchs in 13 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt.
Udo Roll Der Angeklagte Robert O. aus Chemnitz wurde im Warener Amtsgericht wegen sexuellen Missbrauchs in 13 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Im Prozess um 13 sexuelle Übergriffe auf Kinder hatte die Verteidigung noch um eine Bewährungsstrafe für den ehemaligen Animateur Robert O. gebeten - nun steht fest, dass der 28-jährige Mann aus Sachsen die gegen ihn verhängte mehrjährige Haftstrafe absitzen muss. Die Verteidigung habe darauf verzichtet, gegen die Entscheidung des Gerichtes vor zwei Wochen in Berufung oder in Revision zu gehen, teilte Direktor Matthias Brandt mit. Auch die Staatsanwaltschaft habe keine Rechtsmittel eingelegt. Die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ist damit rechtskräftig. Der Mann sitzt derzeit bereits wegen eines anderen Deliktes im Gefängnis. 

Bei Robert O. hält das Gericht außerdem eine Therapie zur Aufarbeitung seiner Taten für angebracht. "Holen sie sich Hilfe", hatte ihm die Richterin bereits im Prozess geraten. Auf den Therapiebedarf werde auch noch einmal der schriftlichen Urteilsbegründung hingewiesen, erklärte Gerichtssprecher Brandt. Die Justizvollzugsvollzugsanstalt könne dann entsprechende Maßnahmen für Robert O. festlegen. Das Gericht selber hätte nur im Falle einer Bewährungsstrafe eine Sexualstraftäter-Therapie als Auflage für Robert O. anordnen können.

Der gelernte Koch aus Chemnitz hatte vor zwei Wochen im Prozess zugegeben, im Juli 2015 als Animateur in einem Hotel am Flesensee vier Mädchen im Alter von sieben bis elf Jahren beim Baden im Schwimmbad, auf der Couch beim Spielen sowie bei einer Übernachtung im Zelt in die Hosen gefasst und im Intimbereich berührt zu haben.

Das Gericht war mit dem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt, die eine dreijährige Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert hatte. Der Verteidiger plädierte für seinen geständigen Mandanten auf eine Bewährungsstrafe. Richterin Sprigode-Schwencke folgte diesem Antrag nicht: "Es ist noch viel Aufarbeitung erforderlich. Sie stehen noch nicht einmal am Anfang. Das bereitet uns Bauchschmerzen", sagte sie dem ehemaligen Betreuer. Die Richterin  schloss eine Wiederholungsgefahr nicht aus, wenn sich der Mann aus Sachsen keine professionelle Hilfe nehme.

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