Zahnarzt im Bärenwald:

Hanna, die erste Bärin mit Zahnstein

Au Backe, eine Wurzelbehandlung – da behält wohl nicht mal ein Bär ein dickes Fell. Doch ein Mal im Jahr landen die Petze aus dem Bärenwald auf dem OP-Tisch von Zahnarzt Marc Loose. Und was der bei Bärin Hanna entdeckt, ist eine kleine Sensation.

Dr. Marc Sven Loose rückt erst der Parodontose von Bärin Hanna zu Leibe und macht auch eine Wurzelbehandlung.
Simone Pagenkopf Dr. Marc Sven Loose rückt erst der Parodontose von Bärin Hanna zu Leibe und macht auch eine Wurzelbehandlung.

Hanna müffelt. Und zwar aus dem Mund. Gar nicht schön. Und auch nicht normal. Denn: „Bären riechen nicht“, weiß Dr. Marc Sven Loose. Grund genug, dass er sich die 23 Jahre alte Bärendame mal genauer ansah: Am Freitag war Zahnarzt-Tag im Bärenwald Müritz in Stuer. Insgesamt vier Bären hatten einen Termin.

Hanna war die Erste – und schmiss schon mal den gesamten Zeitplan über den Haufen. Vor allem schaffte sie es aber auch, dass der Zahnarzt aus dem Häuschen geriet. Bevor sich Marc Loose nämlich an eine Wurzelbehandlung machte, rückte er erst mal dem Zahnstein zu Leibe. „Das ist wohl einer der ersten Bären, der Zahnstein hat“, kommentierte er. Und kam auf die mögliche Ursache: „Hanna atmet nur durch den Mund, weil sie in der Nase eine Entzündung hat. Das ist ein Teufelskreis, deshalb wird vielleicht auch die Nase nicht besser.“

Oh oh, sieben Zentimeter lange Eckzähne

Indes lag Hanna ruhig atmend auf dem großen OP-Tisch. Die 130 Kilo schwere Bärendame bekam nichts davon mit. Glück gehabt. „Von der Narkose her ist sie stabil, alle Werte sind gut“, prüfte Tierärztin Johanna Painer vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Berlin, immer wieder. Hanna hatte sie vor einem Jahr schon mal auf dem Tisch. Damals war die Bärendame gerade aus einem Tierpark in den Bärenwald gekommen. Die Nasenschleimhaut war chronisch geschädigt, musste die Tierärztin feststellen. Durch Dämpfe von Urin und Kot, weil das Innengehege kaum gelüftet werden konnte.

Mindestens einmal jährlich kommt Marc Loose, der in seiner Praxis in Hamburg für Menschen da ist, nach Stuer. Was den Unterschied zum Menschen ausmacht? Schmunzelnd weist der Zahnarzt auf die Eckzähne. Bei einem Bären seien die zum Teil sieben Zentimeter groß, beim Menschen seien drei Zentimeter schon lang. „Man braucht also längere Instrumente, ansonsten ist es schon sehr ähnlich.“

Und natürlich schlafen seine tierischen Patienten tief und fest. Unplanmäßig ist bei Johanna Painer noch nie ein Bär aufgewacht. „Ich kenne aber viele Geschichten von Kollegen“, erzählt die Tierärztin. Selbst habe sie ein solches Erlebnis mal mit einem Löwen gehabt, der ganz kurz aufgewacht war. Da war sie noch Studentin. „Da kannst du schon einen halben Herzinfarkt kriegen.“

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