Hitzeempfindliches Konstrukt:

Warum klemmts an der Drehbrücke?

168 Mal hat sie sich nach dem Defekt gedreht – und 168 Mal ist nichts passiert. Das ist die gute Nachricht zur Drehbrücke in Malchow. Aber eine Reparatur am 6,8 Millionen Bauwerk ist wohl dennoch notwendig. Und wer bezahlt die?

Klare Ansage: Malchows Bürgermeister René Putzar.
Simone Pagenkopf Klare Ansage: Malchows Bürgermeister René Putzar.

Nach dem Hitze-Kollaps der Drehbrücke vor 14 Tagen kann Malchows Bürgermeister zumindest eine gute Nachricht verkünden: Das einzigartige Bauwerk hat seit dem Defekt einwandfrei funktioniert. 168 Mal ließ sich die Brücke öffnen und schließen. „Ohne Zwischenfälle, so wie wir es erwarten“, sagt Putzar. Doch es gibt auch eine schlechte Botschaft: Die Drehbrücke muss wahrscheinlich repariert werden, um eine erneute böse Überraschung zu vermeiden. Allerdings muss erst noch die Frage geklärt werden, warum die 6,8 Millionen teure Konstruktion an einem heißen Sommertag plötzlich klemmte.   

Die eigenen Untersuchungen der Stadt haben laut Putzar bisher keine tiefer gehenden Erkenntnisse zur Ursache des Malheurs geliefert. Experten und auch Beteiligte vor Ort vermuteten bislang, dass sich Stahlteile an den Brückenübergängen bei den extremen Außentemperaturen ausgedehnt hätten und es deshalb sozusagen zu eng geworden sei. In den vergangenen Tagen wurden deshalb die Außentemperaturen gemessen und die Spaltmaße an der Brücke verglichen. Klarheit haben diese Untersuchungen aber offenbar nicht gebracht.

„Es ist wohl doch komplizierter, als wir dachten“, sagt Bürgermeister Putzar. Ungewöhnlich sei, dass dieses Problem bei der 2013 eingeweihten Brücke zum ersten Mal aufgetreten sei. „Obwohl wir doch auch in den Jahren zuvor zeitweise sehr heiße Sommertage hatten.“ Und da habe die Brücke reibungslos ihren Dienst verrichtet. Das zuständige Planungsbüro hatte gegenüber dem Nordkurier vor wenigen Tagen versichert, die Brücke sei nach den neuesten Normen berechnet und geplant worden sei.

34 Grad und die Brücke streikt

Die Drehbrücke konnte vor zwei Wochen an einem Freitagnachmittag mit Temperaturen um die 34 Grad plötzlich nicht mehr komplett geschlossen werden. Der Brückenwärter hatte ein Schleifgeräusch wahrgenommen. Der drehbare Teil klemmte am Übergang zum Festland. Der Schließvorgang wurde abgebrochen und das Bauwerk aus Sicherheitsgründen für den Autoverkehr gesperrt. Die Fahrzeuge stauten sich auf beiden Seiten der Brücke durch die gesamte Stadt. Die Feuerwehr musste das Bauwerk mit Wasser kühlen. Nach zwei Stunden rollte der Verkehr wieder.

Auf der Suche nach der Ursache für den Brückenaussetzer wollen die Verantwortlichen in Malchow nun den nächsten Schritt gehen: „Zur Klärung brauchen wir jetzt Fachleute“, sagt der Bürgermeister. Derzeit werde beraten, wer zur Brückeninspektion hinzugezogen werden soll. Ein externer Gutachter oder der seinerzeit verantwortliche Planer, vielleicht auch die bauausführende Firma – das müsse aber noch geklärt werden. Und wer bezahlt am Ende die Brückenuntersuchung und die Reparatur? Der Bürgermeister hat dazu eine klare Haltung: „Wir sind nicht bereit, die Kosten zu tragen, wenn wir für das Problem nicht verantwortlich sein sollten.“ Womöglich würden dann auch noch Fragen der Gewährleistung eine Rolle spielen.

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