Gerichtsbericht:

Hochprozentiges zum Tiefpreis verscherbelt

Wodka, Rum und Whisky – alles ging zum Sonderpreis in eine Diskothek, obwohl Rabatte eigentlich vom Geschäftsführer der Supermarktkette streng verboten waren. Ein ehemaliger Angestellter musste sich deshalb vor dem Richter verantworten.

Na dann Prost: Viel zu günstig wechselte Alkohol den Besitzer. Ein Fall für das Warener Amtsgericht.
Arno Burgi Na dann Prost: Viel zu günstig wechselte Alkohol den Besitzer. Ein Fall für das Warener Amtsgericht.

Keine Schnapsidee von der Staatsanwaltschaft. Der Untreue beschuldigen die Ankläger einen Mann, der sich in einer Supermarktkette an der Müritz vom einstigen Regal-Einräumer bis zum zwischenzeitlichen Chef eines Getränkemarktes hoch gedient hatte.

Der emsige Ex-Mitarbeiter soll, obwohl das immer wieder scharf untersagt wurde, beim Verkauf von Hochprozentigem an eine Diskothek Rabatte gewährt haben. Bei drei dieser großen Bestellungen sei dem Unternehmen ein Schaden von gut 2200 Euro entstanden.

Guten Freunden gibt man mehr als ein Schnäpschen

Der Mann auf der Anklagebank weist jede Schuld von sich. Ja, er habe die Jungs von der Disko gut gekannt. Ja, manchmal haben die ihm an der Bar auch einen ausgegeben. Aber nie und nimmer will er ihnen einen Nachlass gewährt haben. Sein Vorgesetzter im Getränkemarkt, der hätte das mit den Jungs ausgehandelt. Er selbst will dann nur noch an der Kasse die neuen Preise eingetippt und das Geld kassiert haben.

Der Inhaber der Supermärkte, als Zeuge geladen, macht zuerst eines klar: Nur er und kein anderer sei für Rabatte zuständig. Beim routinemäßigen Check der Kasse im Getränkemarkt seien ihm zunächst nur die ungeheuren Mengen aufgefallen. Warum, will er sich gefragt haben, kaufen die Jungs von der Disko denn bei ihm ein und nicht, wie eigentlich üblich, gleich im Großhandel, wo sie ganz andere Preise zahlen müssen. Dann bemerkt er die Differenz und zeigt die ganze Sache an.

Da hat selbst der Richter Magenschmerzen

Schuldig für ihn: der Mann an der Kasse. Auch für den unmittelbaren Vorgesetzten des Angeklagten sitzt der zu Recht jetzt dort, wo er sitzt. Er selbst, so sagt der Mann, kannte die beiden aus der Diskothek kaum.

Die zwei Schnaps-Einkäufer aber sagen wieder etwas ganz anderes. Niemand anders als der Marktleiter gewährte ihnen den Preisnachlass, damit habe der Angeklagte gar nichts zu tun. Die Staatsanwältin wird unwirsch. Wie will sie jetzt die Schuld des Angeklagten beweisen? Wenigstens Mitschuld will sie ihm anhängen und kündigt Ermittlungen gegen den Marktleiter an. Richter Michael Kasberg kann nicht anders, er muss den Angeklagten freisprechen. Auch wenn, wie er sagt, ihm sein Bauch eigentlich etwas anderes vorschreibt. Aber nach dem geht es nicht. Auch nicht in Sachen Schnaps.