Jagd:

„Ich werde Dresche kriegen, aber das macht nichts“

Wolfgang Köpp war jahrzehntelang Jäger. Jetzt legt er sich mit seinesgleichen an. Bluttourismus und Öko-Gemetzel: Es steht schlecht um Wald und Wild, sagt der pensionierte Tierarzt. 

Die Ethik geht verloren: Wolfgang Köpp hat genug von vielen seiner Jagd-Genossen.
Carsten Schönebeck Die Ethik geht verloren: Wolfgang Köpp hat genug von vielen seiner Jagd-Genossen.

Die gute Stube zeugt von Leidenschaft. Über den Sesseln hängen Pelze, gemalte Jagdszenen an der Wand, selbst das Kaffee-Service trägt Wildmotive. 45 Jahre lang ging Wolfgang Köpp zur Jagd, bis er im hohen Alter die Flinte ins Korn warf. Jahrzehntelang leitete er eine Jagdgesellschaft im Penzliner Land. Doch Köpp will nicht mehr zusehen. Seinen Ärger über die Hüter des Waldes hat er jetzt niedergeschrieben. Auf knapp 300 Seiten. „Jäger, seid ihr noch zu retten?“, fragt er schon mit dem Titel. Und ist sich mit der Antwort eben nicht sicher.

"Viele Jäger nur noch auf Trophäen aus"

„Ich gehöre nicht zu den Leuten, die der Vergangenheit nachhängen“, sagt er. Aber was sich seit der Wende in Sachen Jagd getan habe, sei kaum noch zu ertragen. Die Ethik bleibe auf der Strecke. Und das Ergebnis sei offenkundig. „Der Bestand an Wildschweinen ist so hoch, dass man sich ernsthafte Sorgen um Tierseuchen machen muss“, sagt der pensionierte Tierarzt. Statt sich solcher Probleme anzunehmen, seien viele Jäger heute nur noch auf Trophäen aus. „Geschossen wird das stärkste Stück, nicht das, was waidmännisch sinnvoll ist“, beschreibt er seine Beobachtungen. Die Jäger vernachlässigten ihre eigentliche Aufgabe.

„Es ist heute viel zu einfach einen Jagdschein zu bekommen

Dabei floriert das Jagdwesen – auf dem Papier. Geht es nach Köpp, sollte auch dieser Bestand reduziert werden. Natürlich nicht mit der Waffe, sondern per Gesetz. „Es ist heute viel zu einfach einen Jagdschein zu bekommen“, kritisiert er. Drei Wochen Intensivkurs, dann die Prüfung. Für Köpp nicht nachvollziehbar. „Wir mussten teils jahrelang mit den Jägern durch die Wälder ziehen, wurden als Treiber eingesetzt und haben Hochsitze gebaut, bis man eine Jagderlaubnis bekam.“

Im Land verdient man gutes Geld mit dem Jagdtourismus. Doch die Besucher aus Hamburg, Berlin und anderen Ballungsräumen könnten eine intakte Jagdgesellschaft nicht ersetzen. „Es kommen so viele Jäger von auswärts, denen es nicht um die Natur, sondern um ihr Vergnügen geht“, so Köpp. Weil sich damit Geld verdienen lasse, würden Gebiete für viel Geld verpachtet, ohne darauf zu achten, ob der Jäger sich regelmäßig kümmert. Das Ergebnis: Die Hegeringe vor Ort hätten kaum noch einen Überblick über die Entwicklungen des Wildbestandes. Fehlverhalten wird kaum noch geahndet. Die Jagd als Hobby, nicht als Passion. Und die steigenden Preise führten dazu, dass einheimische Waidmänner außen vor bleiben.

Waschbären-Vermehrung kaum noch im Griff

Doch auch für die Bewegung ökologischer Jäger hat Köpp wenig Sympathie. Zu einseitig sei deren Sicht. „Wenn man sich die Jagden im Nationalpark ansieht, gleicht das teilweise einem Abknallen“, so Köpp. Hochwild werde als Schädling angesehen, dagegen würden andere Arten hofiert. Der Population an Waschbären werde man kaum noch Herr. „Da helfen auch keine Info-Flyer für die Anwohner“, kritisiert er. Mag sein, dass eine Seuche das natürliche Gleichgewicht bald wieder herstellt. „Aber wer kann schon sagen, wie gefährlich diese Infektion dann für den Menschen sein wird“, sagt er. Ähnlich Probleme gebe es mit vielen anderen Tierarten. „Seit Elstern unter Schutz stehen, hat sich die Zahl ihrer Nester in Alt Rehse vervielfacht“, so Köpp. Gleichzeitig sehe man deutlich weniger Rotkehlchen und andere Singvögel.

In einer Woche wird Köpps neues Buch vorgestellt. Auf dem Landesjägertreffen. Das sei der Vorschlag seines Verlegers gewesen. Und Köpp steht dahinter, auch wenn er weiß, dass seine Kritik für Aufruhr sorgen wird. „Ich werde Dresche bekommen, aber das macht nichts“, sagt er. Und vielleicht ließen sich damit ja doch noch einige Waidmänner aufrütteln. Und die Jäger sind schließlich doch noch zu retten.

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Kommentare (4)

Sehr geehrter Herr Wolfgang Köpp , Ich möchte Ihnen meine Hochachtung aussprechen für den Schritt, den sie gehen , dass sie sich von der Jagd abgewendet haben, sehen , wozu die Jagd wirklich genutzt wird und sogar ein Buch darüber veröffentlichen. So viel Mut haben nur wenige , diese Misstände aufzudecken und öffentlich darüber zu schreiben . Ich hoffe, es schließen sich Ihnen noch viele weitere an, die ebenso wie sie , den Mut haben , genau hinzusehen aufzuklären und auch zu handeln ! Danke , Wolfgang Köpp !

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei Ihnen Herr Wolfgang Kopp bedanken, das sie die Courage haben wahrheitsgemäß die Missstände klar und deutlich zu äußern! Ich stimme Ihnen vollstens zu! Die Jagd in der heutigen Form muss abgeschafft werden, um Natur und Tier wieder zu schützen und nicht wie es jetzt läuft zu zerstören! Auch ein dickes Dankeschön an Sie Herr Carsten Schönebeck für die tolle Redaktion! Mit freundlichen Grüßen S.Willms

kommt die Einsicht. Die Zustände gibt es seit Jahrzehnten. Jetzt wo er die Flinte ins Korn geworfen hat sich dazu zu äußern ist kein Problem. Problematisch ist es für noch aktive Jäger, denn über sie fällt die Jagdgemeinschaft sofort her und macht sie mit allen erdenklichen Mitteln mundtot. Was als Dresche bezeichnet wird läuft meist anders ab. Da wird der Ruf geschädigt, die Leute oftmals auch finanzielle zugrunde gerichtet und viele andere Dinge. Dennoch ist es ehrvoll sich nach seiner Jagdzeit gegen die oftmals schon kriminellen Machenschaften der Jägerlobby zu wenden. Bei den Jagdgesetzen wird etwas wichtiges angesprochen. Ein Jagdschein gilt länderübergreifend. Die Jagdgesetze, Schonzeitenverordnungen und Durchführungsverordnungen unterscheiden sich teilweise stark. Darauf wird in den Prüfungen keinerlei Bezug genommen. Was in einem Bundesland erlaubt ist kann in einem anderen verboten sein. Die meisten Jäger kennen selbst im eigenen Bundesland die gesetzliche Lage mehr als unzureichend. Ganz zu schweigen von den laufenden Änderungen so z.B. auch im Lebensmittelrecht. Sie wissen bis heute nicht einmal das ihnen das Töten von Wildtieren zur Seuchenbekämpfung nach aktueller Gesetzgebung überhaupt nicht erlaubt ist. Sie wollen auch nicht erkennen das der Haustierabschuss obwohl er derzeit noch erlaubt ist, verfassungswidrig ist und gegen geltendes EU Recht verstößt. Die Jagd in der heutigen Form gehört sofort verboten.

glückwunsch herr köpp für soviel chourage. wer traut sich in der heutigen zeit die oberen anzugreifen? fast keiner, denn die gegenwehr kommt promt, wie in alten zeiten als von wenigen alles bestimmt wurde. aber die frage nach dem sinnen des obersten jagdherrn im land bleibt ebenso eine offenen frage, wie auch die schlägereien und andere vergehen verschiedenster art die herr tb veranstaltet hat. manche müssen sich für ihr tun nicht rechtfertigen, haben narrenfreiheit und vieles verläuft im sande...vielleicht fällt er ja wieder mal bei einer jagd vom pferd und sein tun ist zu ende...