Tierische Geschichten:

In den Wisent-Stall darf nur der Pfleger

Gut eine Stunde braucht das Personal, um die Unterkünfte der Wildrinder zu putzen. Schwerstarbeit. Und wenn das erledigt ist, kommen die Futtertröge dran. Was da wohl reinkommt?

Datrzysta, das 300. Wisentkalb, das auf dem Damerower Werder geboren wurde, ist gut gewachsen. Sogar Hörner haben sich schon hervorgeschoben.
Petra Konermann Datrzysta, das 300. Wisentkalb, das auf dem Damerower Werder geboren wurde, ist gut gewachsen. Sogar Hörner haben sich schon hervorgeschoben.

Ein Glück, dass keine Minusgrade herrschen! Sonst müsste Wisentpfleger Günther Arnds die Spitzhacke rausholen, um die dicken Wisentfladen vom Boden des Stalls zu hacken. Jeden Tag rund eine Stunde lang dauert es, bis die Betonfläche von den Hinterlassenschaften der Herde befreit ist. „Sauberkeit ist oberstes Gebot, gerade hier im Stall“, erklärt Arnds, der mit Besen und Schaufel dem Wisentdreck zu Leibe rückt.

Das Gebäude, in dem so auf Sauberkeit geachtet werden muss, wird lediglich Stall genannt – eine Funktion im eigentliche Sinne des Wortes erfüllt er aber nicht. Denn das Holzgebäude, das für die Besucher des Wisentreservats tabu ist und das sie nur aus Ferne zu sehen bekommen, dient nicht dem Schutz der Wildrinder, sondern soll das Futterheu für die Tiere trocken halten. „Die Wisente frieren nicht, ihnen machen Kälte oder auch Schnee nichts aus. Sie haben sich zum Winter dick gefressen, außerdem wächst ihr Winterfell“, weiß Arnds. Aber das Heu, das die Tiere täglich zwei Mal gefüttert bekommen, muss trocken gehalten werden. Würde es nass werden, könnte es leicht schimmeln – und schimmeliges Heu ist nicht gut für Wisent-Mägen. Außerdem tauscht Günther Arnds die Leck-Schüssel aus, die ebenfalls im Wisent-Stall ihren Platz hat: In dem Plastikbehälter sind Mineralien, die die Wisente lutschen. Rund ein Vierteljahr dauert es, bis die Herde die Schüssel leer geschleckt hat. Pfleger Arnds füllt dann nach. Und natürlich nagelt er die Plastikschüssel an dem Holzrahmen fest. „Das muss fest sein, sonst haben die Wisente das Ding bald kaputt“, sagt er. Im zweiten „Stall“ des Reservats, in dem die andere Herde des Schaugatters untergebracht ist, wiederholt sich die tägliche Säuberungsprozedur.

Großer Verlust für die Herde

Jeden Morgen bei der Reinigung dieses Stalls wird Pfleger Günter Arnds an den Verlust erinnert, den das Reservat gerade verkraften muss. Denn die Herde dort ist seit ein paar Tagen ohne Bullen. „Es ist das erste Mal in der Geschichte unseres Reservats, dass bei der Umsetzung eines Tieres etwas schiefgegangen ist. Das ist sehr bitter für uns“, sagt Revierförster Fred Zentner, der Leiter des Wisentreservats.

Der Bulle Dakant, ein Tier, das im zuvor nicht einsehbaren Bereich des Reservats lebte, sollte das neue Leittier der Herde im zweiten Schaugatter werden. Doch schon wenige Tage nach der Umsetzung war Dakant tot. Ob eine Lungenentzündung oder ein  Opfer der Artgenossinnen, die mit den Hörnern zugestoßen haben – die Todesursache ist nicht ganz klar. „Vielleicht war es auch beides zusammen“, macht Förster Zentner deutlich.

In die streng geführte Zuchtlinie der Damerower Wisente passte Dakant bestens: Weil sein Vater ein schwedischer Bulle war, bestand die Chance, dass Dakant-Nachwuchs genetische Vielfalt in die Damerower Herde bringen würde. Doch nun: Aus der Traum! „Wir denken jetzt darüber nach, einen Wisentbullen aus Sachsen dazu zu kaufen. Nur mit einem fremden Tier können wir den Verlust wieder wettmachen“, erklärt Fred Zentner.

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